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Liebe Besucherinnen und Besucher der "Urner Spezialitäten",
auf dieser Seite meiner privaten Homepage finden Sie Berichte, Fotos, Gedichte, Geschichten, die die Vielfalt des Kantons Uri dokumentieren. Viele Leute kennen nur die endlosen Staus auf der Autobahn in Richtung Gotthard, die Berge hindern das mehr oder weniger mobile "Automobil" auf dem Weg ins Ferienparadies oder wieder zurück. Man will den Kanton möglichst schnell "erledigt" haben. Wie ungerecht! Dazu eine lustige Illustration aus den Abstimmungs-Unterlagen:
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Es ist nicht der Kanton, in welchem jeder mit der Armbrust oder der Hellebarde bewaffnet in der Gegend herum spaziert, wie Ursus und Nadeschkin bei ihrem Auftritt im Theater in neulich feststellten. Es hat nicht jeder einen Apfel im Sack und einen Sohn an der Hand, und es heisst nicht jeder Tell oder Wilhelm. Aber Freiheitskämpfer, gegen Natur- und menschliche Gewalten kämpfende Leute gibt es immer noch. Den schönen Urner Dialekt hört man am Fernsehen leider selten. Da muss man sich schon aus dem Auto bemühen, die abseits gelegenen Seitentäler und die schmucken Dörfer erkunden und mit den Einheimischen reden. Im Gebirge ist noch manche Kristallhöhle versteckt, die seit Millionen von Jahren in Ruhe schlummert, und genau so warten viele Entdeckungen auf den Reisenden, der sich Zeit nehmen will für diesen Kanton und für seine wunderbare, wilde, manchmal fast unberührt scheinende Natur und für das Kennenlernen der freundlichen Urner. Abseits von der Autobahn gibt es jede Menge frische Luft zu atmen, und reines Quellwasser zu trinken. Unzählige ruhevolle Orte bieten Erholung und neue Energiequellen. Die Zugvögel auf dem langen Weg in den Süden stellen das jedes Jahr im Naturschutzgebiet der Reussmündung fest. Und wer den ältesten Urner kennen lernt, wird ihn nie mehr vergessen. Ich meine den Föhn, der energie- oder kopfwehspendend, manchmal sanft, manchmal wild und ungebremst über den Urnersee braust und die Landschaft in schöne Farben taucht und alles in Aufruhr versetzt.
Viel Vergnügen beim Lesen! Und besuchen Sie bitte diese Seite wieder einmal, denn im Laufe der Jahre werde ich noch viele Urner-Spezialitäten vorstellen können. Im Moment sind es dies:
Bitte gewünschtes Kapitel anklicken:
| Alles rund um Uristier und Stier |
| Kunterbunte Bildsammlung der gehörnten Tiere |
| Der Stier von Uri |
| Besuch in einer Alphütte auf dem Urnerboden |
| Der Klausen und das Automobil vor hundert Jahren und heute |
| Wildheuen im Kanton Uri |
| Bürgler Bergbauern werden Filmstars im Film "Bergauf Bergab" |
| Alpenrap / Alpsegen in Äsch im Kanton Uri |
| "Sprachsuche im Ring der eigenen Region" von Martin Stadler |
| Ruedi Gassers "Altdorfer Beenäli-Suppä" und weitere Rezepte aus dem Kanton |
| Wie Fliälä wordä isch, Gedicht von H. Danioth, Links und Anderes von und über ihm |
| Der Föhn, der älteste Urner |
| Der Bundesschwur im Rütli |
| Zu Weihnachten war eine Wärme wie im Sommer |
| Die Nachtspinnerin / Der Chindlistein |
| Ereignisse zwischen 1200 und 1300 |
| Die Tellsgeschichte |
| Die Tellskapelle bei der Tellsplatte |
| Urner Heimaterde in Gefahr |
| Tells Werkstatt in Vitznau |
| Wilhelm Tell Aufführung 1934 und 1939 im Zürcher Schauspielhaus |
| Das Tellenlied / Tells Tod / Si hei der Wilhelm Täll uffgfüehrt |
| Wilhelm Tell International / Oper von Rossini |
| Schillers Wilhelm Tell / Zitate / Redewendungen |
| Dezember 1909 / Jagdschluss |
Aber auch Info zur NEAT-Baustelle und zu den neusten Nachrichten Sawiris. Bitte folgende Links anklicken:
SF Dossiers mit 34 Beiträgen zum NEAT GotthardJubel und Stolz in Uri
In Uri ist man erfreut und stolz über den jüngsten Coup des Ägypters. "Sawiris zeigt, dass sein Herz für Uri schlägt", sagte die Urner Regierungsrätin Heidi Z'graggen. Sie deutet den Entscheid als Zeichen dafür, dass am Wirtschaftsstandort Schweiz und besonders in Uri die Rahmenbedingungen stimmten und Uri "endlich" auch steuerlich mit den besten mithalten könne: Uri hat die Gewinnsteuer abgeschafft und die Kapitalsteuer auf 0,01 Promille gesenkt. Die Steuern seien kein Kriterium für den Umzug; Ägypten sei schliesslich auch ein Steuerparadies, sagte Egle.
Alles rund um Uristier und Stier
Stiere / Ägypten
Apis, der Stiergott, der als Inkarnation des Osiris oder des Ptah galt. Sein Heiligtum, das Apieion, lag unmittelbar beim Tempel des Ptah in Memphis. Man glaubte, dass nach seinem Tod ein neuer Apis erscheinen würde, der ausfindig gemacht werden müsse; erkennbar wäre er an bestimmten heiligen Zeichen am Körper, wie z. B. seiner Farbe (vorwiegend schwarz mit einem weissen Dreieck auf der Stirn) und einem Knoten unter seiner Zunge. Apis wird manchmal auch als Mann mit Stierkopf dargestellt.
Stiere / Amerika
Wettbewerbe mit Stieren in Amerika:
Rodeo: Wettbewerbe mit Stieren: Niederringen von Stieren (Steer Wrestling): Reiter versucht einen laufenden Stier in die Enge zu treiben und zu Boden zu werfen. Während er neben dem Stier reitet, lässt sich der Reiter aus dem Sattel gleiten, packt den Stier fest bei den Hörnern und bringt ihn zum Stehen. Dann verdreht er den Kopf des Tieres, bis es zu Boden fällt. Es wird die Zeit gemessen, die der Cowboy bis zum Niederringen des Stieres benötigt.
Team Roping: Einfangen von Rindern mit der Mannschaft
Steer Roping: Einfangen von Stieren mit dem Lasso
Stiere / Astrologie
19./20. April bis 20./21. Mai (30 Tage, 23 Stunden) Tierkreiszeichen Stier.
Positive Eigenschaften: Geduldig, ausdauernd, gelassen, ruhig, langsam, bedächtig, konservativ, beständig, gründlich, praktisch, realistisch, gewissenhaft, besonnen, solid, sachlich, treu, naturverbunden, bodenständig, gemütlich, zufrieden, genügsam
Negative Entsprechungen: Dogmatisch, engstirnig, stur, eigenwillig, besitzergreifend, geizig, ängstlich, träge, passiv, bequem, konservativ
Stiere / Astronomie
Der Stier ist ein Sternbild, das vom Herbst bis zum Frühling beobachtet werden kann. Er steht nördlich des auffälligen Orion am Himmel. Der V-förmige offene Sternhaufen der Hyaden bildet den Kopf des Stiers. Der auffällige rötliche Stern Aldebaran stellt das Auge dar. In einigem Abstand östlich der Hyaden stehen die Sterne Elnath und Tauri, welche die Hörnerspitzen darstellen. Nördlich der Hyaden steht der offene Sternhaufen der Plejaden, auch Siebengestirne genannt.
Der Königliche Stier von Poniatowski ist ein Sternbild des Nordhimmels. Die kleine Sterngruppe liegt zwischen der Schulter des Schlangeträgers und dem Schwanz der Schlange.
Stiere / Bestattungen
Nördlich der Alpen fand man in neolithischen Kugelamphoren-Kultur Rinderbestattungen, Rinderpaare, die mit Sonnenmotiven dekoriert waren, auch Rinderdarstellungen in diversen Steinkammergräbern mit Totenkult
Stiere / Bier
"Stiär Biär" heisst das neue professionell gebraute Urner Bier, schreibt Sven Aregger im ZISCH. Die vier Gründer und Geschäftleitungsmitglieder heissen Max Herger, Reto Brand, Isabelle Kuster und Mario Muther. Das Bier wird in Bügelflaschen abgefüllt und trägt den Uristier im Logo. Seit Mario Muther und Max Herger vor drei Jahren in einer improvisierten Schattdorfer Brauerei zu Werke gingen, hat sich das erste Urner Bier zum Verkaufsschlager entwickelt. Die Nachfrage stieg so rasant, dass die Bierbrauer kaum noch allen Wünschen nachkommen konnten. "Wir hatten die Wahl: Entweder wir hören auf oder wir werden professionell", erinnert sich Herger. Der Entscheid fiel auf den Profibetrieb. Jetzt haben Muther und Herger die Kleinbrauerei Stiär Biär AG gegründet, die erste in Uri überhaupt. Ab Juli 2008 wollen sie in grossem Stil brauen.
Im September 2009 heisst es:
Noch dauert es ein paar Monate, bis in Altdorf "Stiär Biär" gebraut wird. Am Dienstag nahm Braumeister Michael Heilmair erstmals einen Augenschein vor Ort. "Es ist für mich eine grosse Herausforderung", sagt Michael Heilmair, der neue "Stiär-Biär"-Braumeister. Und ohne Pause fügt er an: "Es macht aber auch grossen Spass, eine Brauerei aufzubauen."
Noch sind die Räumlichkeiten in der ehemaligen Armeeapotheke auf dem MSA-Areal in Altdorf leer. Doch bereits Ende Jahr wird die Brauanlage geliefert. Im Mai 2010 soll die erste Flasche Stiär Biär abgefüllt werden können.
Braumeister Michael Heilmair wird ab anfangs nächsten Jahres in Uri mithelfen. Der Verwaltungsrat hat sich aus 35 Bewerbungen für den Mann aus der Region Stuttgart entschieden. Der 45-Jährige bringt jahrzehntelange Brauerfahrungen mit. Michael Heilmair will künftig auch in Uri wohnen. "Uri bietet mir auch für die Freizeit ein optimales Terrain", glaubt Heilmair. Er fährt gerne Motorrad und Ski und besitzt den Bootsführerschein.
Markus Zwyssig
Nun ist es soweit!
Link zu Stiär BiärStiere / Camargue
Die Stiere der Camargue leben das ganze Jahr über in Freiheit. Sie ernähren sich von den Pflanzen, die sie im Freien finden und werden nur ab und zu mit Kraftfutter versorgt. Das Sumpfdelta der Rhône ist schon seit langer Zeit ihre ursprüngliche Heimat. Auf den "Manades", Höfen, auf denen die Kampfstiere gezüchtet werden, arbeiten deshalb vor allem "Gardians", die "Cowboys der Camargue". Wer bei der Arbeit auf einer Manade erfolgreich sein will, muss ein exzellenter Reiter sein und braucht ein wendiges und mutiges Pferd, das speziell für diese Arbeit ausgebildet wird. Zum Beispiel müssen die einjährigen Jungstiere zum Markieren zusammengetrieben werden, und vor einer "Course Camarguaise" müssen die Kampfstiere für die Arena ausgewählt und von der Herde getrennt werden. Eine gefährliche und schwere Arbeit, die viel Geschick und Ausdauer von einem Gardian verlangt. (Quelle planetwissen)
Stiere / europäischen Mythologie
Sinnbild für Zeugungskraft und Fruchtbarkeit. Auch für allgewaltige Kraft der Drehbewegung des Himmels
Stiere / Film
Originaltitel: Raging Bull, ist ein hauptsächlich schwarz-weiss gedrehtes Filmdrama von Martin Scorsese aus dem Jahr 1980 über den Aufstieg und Niedergang des Boxers Jake La Motta
Stiere / Gedicht
Sonett
Dich lieb ich, frommer Ochse, den so milde
Gewaltge Kraft umhaucht. Wie friedensreich,
Erhaben, ruhig einem Denkmal gleich,
Siehst du den Acker an und die Gefilde.
Wie du, dem schweren Joche gern dich beugend,
Im Dienst des Menschen ernst gehorsam gehst!
Der stachelt dich und stösst: du aber drehst
Das Haupt, blickst ihn geduldig an und schweigend.
Aus deinen dunklen Nüstern strömt beflügelt
Wie Dampf ein Geist, dein muhendes Gebrüll
Dringt als ein Hymnus zu den reinen Lüften.
In deinem klaren Auge aber spiegelt
Das grüne Land sich, in ihm ruhen still
Der Himmel schweigend und die weiten Triften.
Giosué Carducci (übersetzt von Grimm)
Der Stier
Ein jeder Stier hat oben vorn
auf jeder Seite je ein Horn;
doch ist es ihm nicht zuzumuten,
auf so' nem Horn auch noch zu tuten.
Nicht drum, weil er nicht tuten kann,
nein, er kommt mit dem Maul nicht' ran!
Heinz Erhard
Stiere / griechischen Mythologie
Minotauros (griechisch: Stier des Minos, lateinisch: Minotaurus), ein Ungeheuer mit Stierkopf und Menschenleib. Minotauros wurde in einem Labyrinth unter dem Palast des Königs Minos von Kreta gefangen gehalten. Mit Hilfe von König Minos Tochter, Ariadne, gelang es Theseus, den Minotauros zu töten und aus dem Labyrinth zu entkommen.
Augias besass eine unermesslich grosse Viehherde, darunter zwölf weisse Stiere, die dem Sonnengott Helios geweiht waren. Die Tiere wurden in Ställen gehalten, die jahrelang nicht ausgemistet wurden. Herakles (Herkules) bekam die Aufgabe, den Stall ohne Hilfe an einem einzigen Tag auszumisten. Er schaffte es, indem er den Fluss Alpheios durch die Ställe leitete.
Einem griechischen Mythos zufolge soll Zeus auf einem seiner Liebesstreifzüge durch die antike Welt auch auf die schöne "Europa", Tochter des Königs Agenor, aufmerksam geworden sein. Weil er aber, wie immer bei derartigen Anfällen von Liebeswut, den Zorn seiner Gattin Hera fürchtete, griff er zu einer List, um das Herz der Königstochter zu erobern und sich deren Dienste und Schönheit zu sichern. Der Gottvater mutierte in einen schneeweissen Stier und näherte sich Europa, die gerade mit ihren Freundinnen auf einer Wiese Blumen pflückte und Kränze flocht. Als das Tier sich ihr zu Füssen legte setzte sie sich arglos auf seinen Rücken. Eilig strebte der Stier daraufhin dem Strande zu, und ehe Europa recht begriff, was mit ihr geschah, schwamm Zeus mit ihr durch die Fluten. Alles Rufen, Wimmern und Wehklagen nützte nichts. Wie ein Schiff trug der Stier seine Beute in ein fernes Land, wo er sich alsbald in eine göttergleiche Männergestalt verwandelte und das Mädchen bat, seine Gemahlin zu werden. Der Überlieferung nach fügte sich die Arme sang- und klanglos in ihr Schicksal. Sie willigte in die Heirat ein und schenkte Zeus auch drei Söhne: Minos, Rhadamantys und Sarpedon. Der Erdteil aber, wohin der Göttervater die schöne Frau entführt hatte, trug von nun an ihren Namen.
Stiere / Haustiere
bezeichnet zunächst einmal ein geschlechtsreifes, in der Schweiz auch Muni genanntes, männliches Hausrind. Ein geschlechtsreifes, aber noch junges männliches Rind wird als Jungbulle bezeichnet, vor allem hinsichtlich des im Einzelhandel angebotenen Fleisches. Ein kastriertes männliches Rind heisst Ochse. Stiere sind auch männliche Wildrinder (Auerochsen z. B)
Stiere / Herkunftswörterbuch
Der Name Stier leitet sich ab vom mittelhochdeutschen stier, vom althochdeutschen stior, vom gotischen stiur, vom englischen steer
Stiere / hinduistische Mythologie
Die Kuh verkörpert die mütterlich nährenden Kräfte der Erde; die Stiere oder Bullen wurden als Sinnbild der männlichen Zeugungskraft verehrt
Stiere / Höhlenmalerei
In der Steinzeit wurde der Auerochse, dessen Gene heute noch teilweise in unseren Hausrindern fortleben, gejagt. Wirklichkeitsgetreu findet man diese prächtigen Tiere in Höhlenmalereien in Lascaux (Frankreich), Altamira (Spanien), um zwei wichtige Höhlen zu nennen, die wahrscheinlich als heilige Stätten aufgesucht wurden. Die Höhle von Lascaux wurde 1979 zusammen mit benachbarten Höhlen in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.
Stiere / Kabarett
Der Salzburger Stier ist ein Kabarettpreis für den deutschsprachigen Raum
Stiere / Kanton Uri
Eintritt in den Bund: 1291
Fläche: 1.076,5 km2
Wohnbevölkerung: 34.000 Einwohner
Bevölkerungsdichte: 32 Einwohner/km2
Hauptort: Altdorf (8.200 Einwohner)
Anzahl Gemeinden: 20
Das Kantonswappen zeigt auf gelbem Untergrund einen schwarzen Stierkopf mit roter Zunge und rotem Nasenring. Der gezähmte Auerochse ("Ur") symbolisiert den Sieg über die einstige Wildnis und deutet auf den Kantonsnamen hin.
Stier / Kochrezepte
Stierhodengrill
800 g Stierhoden
2 EL Öl
1 EL Zitronensaft
1 KL Senf
1 KL Zucker
1 KL Salz
1/2 KL Pfeffer (gemahlen)
1 Lorbeerblatt
Öl mit Zitronensaft, Zucker, Salz, Pfeffer, Senf vermengen und das Lorbeerblatt zugeben. Die Haut von Hoden abziehen und das Fleisch in 1 cm breite Scheiben schneiden. Die Scheiben in der Marinade 1-2 Stunden reifen lassen. Dann abtropfen lassen und beidseitig grillen. Mit Kartoffeln und Salat servieren. Tipp: Stierhoden nur leicht frieren (etwa 3/4), und in schöne dünne Scheiben schneiden.
Geschmorter Kampfstier
1 kg Rindfleisch (Stierfleisch, ersatzweise Bullenfleisch aus der Keule)
2 dl Olivenöl
3 gehackte Zwiebeln
5 gehackte Knoblauchzehen
Salz und Pfeffer
2 EL Mehl
3 in Würfel geschnittene Rüben
¼ Liter Rotwein
3 EL Weinessig
2 Lorbeerblätter
2 Gewürznelken
2 rote Peperoni, scharf, entkernt und gehackt
1 Liter Fleischbrühe
1 Prise Zimt
2 EL gehackte Petersilie
0,3 cl Portwein
Fleisch waschen, trocken tupfen und in mundgerechte Würfel schneiden. In einem grossen Topf das Olivenöl erhitzen und das Fleisch darin von allen Seiten scharf anbraten. Zwiebeln und Knoblauch zufügen und kurz mitbraten. Mit Salz und Pfeffer würzen und mit Mehl bestäuben. Möhren untermischen, mit Rotwein und Essig ablöschen, Nelken und Peperoni beigeben und die Fleischbrühe angiessen. Zum Kochen bringen und zugedeckt bei kleiner Hitze mindestens 2 Stunden köcheln lassen, dabei von Zeit zu Zeit umrühren.
Vor dem Servieren mit Zimt, Salz und Pfeffer abschmecken und die gehackte Petersilie unterrühren.
Als Beilage passen Bandnudeln sehr gut, ein grüner Salat und natürlich ein guter, spanischer Rotwein.
Quelle: www.chefkoch.de
Stierenauge: Anderes Wort für Spiegelei
Stiere / Krawattenseide
Die Neue Regionalpolitik (NRP) unterstützt innovative und wertschöpfende Projektvorhaben auch im Kanton Uri. Weitere Informationen unter www.ur.ch/nrp, oder per Link:
So entstehen in Heimarbeit aus Krawattenseide nicht nur dekorative Krawatten, sondern auch fantasievolle Flaschengilets aus demselben Material mit eingewobenem Stiermüsterchen. Beispiel siehe weiter unten bei den Stier-Fotos.
Stiere / Literatur
Der Stier = Name eines Bildungsromans von Ralf Rothmann (geb. 10. Mai 1953) Thema des Romans ist die Jugendkultur der 70er Jahre im Ruhrgebiet. Mit Rockmusik, Drogen, wilden Parties und ersten WGs sucht eine kleine Szene von Aussenseitern neue Lebenswege
Roman Sangre y arena (1908) von Vicente Blasco Ibáñez
Essay Death in the Afternoon (1932) Ernest Hemingway, eine umfassende Beschreibung des spanischen Stierkampfs.
Stiere / Malerei
Francisco Goya: eine Reihe von Radierungen mit Szenen aus Stierkämpfen
Edouard Manet und Pablo Picasso, Bilder von Stierkämpfen
Stier / Märchen
Aesop:
Zeus und das Kamel
Ein Kamel, das einen Stier erblickte, welcher auf seine Hörner stolz war, beneidete diesen und wünschte sich denselben Schmuck; deshalb trat es vor Zeus und bat ihn gleichfalls um Hörner. Der Gott, welcher dem Tiere einen grossen Körper und Stärke des Leibes, die ihm nötig waren, verliehen hatte, zürnte über die Unbescheidenheit desselben und versagte ihm nicht bloss die Hörner, sondern nahm ihm auch etwas von der Länge der Ohren hinweg.
Die Moral von der Geschichte: Viele verlieren, indem sie mehr zu gewinnen streben, dasjenige, was sie in Sicherheit geniessen könnten.
Stiere / Musik
Ein auf der Festung Hohensalzburg befindliches Orgelinstrument heisst "Der Stier"
Das Alphorn: Die Steinzeitmenschen brauchten zum Verstärken ihrer Stimme Hohlstängel, Hölzer, Röhrenknochen und Stierhörner. Eine Sage erzählt, dass beim Ruf eines leicht gekrümmten Stierhornes sich ihre Ahnen zum Rat versammelten. Forscher vermuten, dass unter dem lateinischen Begriff "Coruns Alpina" der südlichen Berg- Germanen das heutige Alphorn zu verstehen ist.
Stiere / Persien
Mithras-Kult, Mithras, der alte persische Gott des Lichtes und der Weisheit, oberster oder guter Geist und Weltherrscher dargestellt. Er soll dem Mythos zufolge den göttlichen Stier getötet haben, aus dessen sterbendem Körper alle der Menschheit nützlichen Pflanzen und Tiere entsprungen sind.
Stiere / Portugal
In Portugal wird der Stier beim Stierkampf seit 1928 nicht vor den Augen der Zuschauer in der Arena, sondern später im Schlachthof getötet. Ein ausführlicher Bericht über den Stierkampf findet man unter http://www.protier.ch/htm/detail.asp?ID=526
Stiere / Redensarten
Den Stier bei den Hörnern packen (aktives Konfliktmanagement am Arbeitsplatz)
Auf ein rotes Tuch reagieren (wie der Stier beim Stierkampf auf die Bewegungen der roten Muleta aggressiv reagiert)
Stier sein (kein Geld mehr haben)
Einen Stierengrind haben (einen Setzkopf haben)
Den Stier bei den Hörnern packen (eine Sache von Grund auf anpacken)
Einen stieren Blick haben (einen starren, verstörten Blick haben)
Stierenaugen sind nichts anderes als Spiegeleier
Wer das Kalb getragen, wird bald auch einen Ochsen tragen
Wer das Kalb schlachtet, dem wird kein Stier daraus.
Der als Stier dich erschreckt, den pflegtest als Kalb du zu streicheln. (Ovid)
Trinkt der Bauer zuviel Bier, melkt er locker auch den Stier.
Den Stier hält man an den Hörnern, den Mann an den Worten, die Frau am Rocksaum
Stiere / Religion
Der Stier in der Religion: Evangelistensymbol für Lukas
Stiere / Römischer Stiergott
Der Stiergott ist eine ältere Gottheit der einheimischen Bevölkerung. Er symbolisiert die Eigenschaften Kraft, Stärke und Mut. Wer ihn anbetet, soll bei der Aufzucht des Viehs grosse Fruchtbarkeit erzielen. Die Präsenz der überlieferten Gottheiten neben den neuen römischen Göttern zeigt die tiefe Verbundenheit der Ureinwohner mit altem Glauben.
Stiere / Schiff
Der Stier war ein im Zweiten Weltkrieg unter der Bezeichnung Schiff 23 für den Einsatz bei der Kriegsmarine vereinnahmtes deutsches Handelsschiff, das als Hilfskreuzer eingesetzt wurde. Den Namen Stier wählte Fregattenkapitän Horst Gerlach in Anlehnung an das Tierkreiszeichen seiner Frau Hildegard.
Stiere / Schlachthof
Am Donnerstag, 29. Mai 2008 riss in Zürich ein wild gewordener Stier bei der Anlieferung im Schlachthof aus und flüchtete auf die Hardgutstrasse. Obwohl die Polizisten mehrere Schüsse abgaben rannte das Tier weiter. Mit ihren Fahrzeugen versuchten sie dem Stier den Weg abzuschneiden. Da versuchte der Bulle sogar, eines der Fahrzeuge auf die Hörner zu nehmen. Die Flucht ging weiter, via dem Gelände einer Autogarage, an Wohnhäusern vorbei, über Gartensitzplätze bis zu einem Hinterhof an der Buckhauserstrasse. Dort konnte er mit weiteren Schüssen erlegt werden. Die Flucht hatte zehn Minuten gedauert, einige Autolenkerinnen und -lenker hatten dem Stier ausweichen müssen, mehrere Autos waren beim Autooccasionshandel beschädigt worden, drei Streifenwagen der Stadtpolizei waren in Mitleidenschaft gezogen worden, aber niemand wurde bei der Jagd verletzt. (Quelle schweizmagazin.ch/news)
Stiere / Stiernacken
Der Stiernacken kann positiv ein fetter oder muskulöser Nacken sein, oder auch eine Krankheit ausgelöst durch Diphterie oder als Nebenwirkung von schlecht dosierten Cortison-Therapien. In vielen Fitness-Studios finden sich Trainingsmöglichkeiten für die Nackenmuskulatur, wenn man fleissig übt, bis man einen beeindruckenden Stiernacken hat.
Stiere / Spanien
Osborne-Stier: In Spanien sieht man die Silhouette des Osborne-Stiers (Toro de Osborne). Sie war ursprünglich als grosse Plakatwand in den Strassen geplant, hätte für den Brandy Veterano der Osborne-Gruppe stehen sollen. Im Laufe der Zeit entwickelte er sich zu einem nationalen Symbol Spaniens. Die heutigen Osborne-Stiere sind ca. 14 Meter hoch, bestehen aus 70 Blechplatten und ein Gewicht von ca. vier Tonnen.
Stier-Rennen in Pamplona: Junge Burschen beweisen beim alljährlichen Auftrieb der Stiere in den Strassen von Pamplona ihren Mut. Das Ereignis ist auch eine erstrangige Touristenattraktion
Stierkampf in Spanien: Der erste Gang wird Salida del Toro genannt, hier wird der Stier mit einem roten Tuch (Capa) gereizt und durch die Kampfbahn gejagt. Der zweite Gang heisst Suerte de varas, dabei werden dem Stier Lanzenstiche beigebracht. Nachdem der Stier zweimal mit der Lanze getroffen wurde, beginnt die Suerta de banderillas, dabei stösst man drei Banderillas (mit Widerhaken und Bändern versehene Spiesse) in den Nacken des Stieres. Im letzten Abschnitt des Kampfes wird der gereizte Stier mit einem gezielten Degenstoss zwischen die Schulterblätter getötet. Im Rahmen einer Veranstaltung finden in der Regel sechs Stierkämpfe statt.
Stierkampffreies Spanien
NZZ online
1. November 2009, NZZ am Sonntag
Kataloniens Parlament stimmt darüber ab, ob Stierkämpfe in der Region verboten werden. Damit würde erstmals in Spanien ein Bann über das blutige Schauspiel verhängt.
Cornelia Derichsweiler, Madrid
Als der Star-Matador José Tomás vor kurzem in Barcelona nach einem glanzvollen Auftritt auf den Schultern von Fans aus der Arena getragen wurde, fragten sich viele, ob dies der letzte Stierkampf auf katalanischem Boden gewesen sei. Ginge es nach der Bürgerinitiative "Schluss damit!", wären die Tage dieses Brauchs längst gezählt. Die Stierkampfgegner sind überzeugt davon, dass eine grosse Mehrheit der Katalanen das Spektakel als Tierquälerei empfindet. Ein Verbot, sagt ihre Sprecherin Alejandra García, wäre da nur konsequent: "Wir haben in Katalonien ein Gesetz zum Tierschutz, das ausdrücklich Quälen und Töten verbietet. Nur bei den Stieren wird paradoxerweise eine Ausnahme gemacht!"
Ein Widerspruch, der unbedingt aufgelöst werden muss, findet García. Deshalb hat ihr Komitee eine Unterschriftenaktion begonnen. Der Erfolg war sicher, denn nirgendwo sonst in Spanien gibt es so viele erklärte Stierkampfgegner wie in Katalonien: Innerhalb kürzester Zeit kamen 180 000 Stimmen zusammen, mehr als das Dreifache dessen, was nötig war, um ein Volksbegehren im Regionalparlament einzureichen. In einigen Tagen werden die Abgeordneten abstimmen und der Fiesta womöglich den Todesstoss versetzen. Für einen Erhalt der Tradition plädiert allein die konservative Volkspartei. Die regierende Drei-Parteien-Koalition von Sozialisten, Grünen und Linksrepublikanern wird sich wohl gegen den Stierkampf aussprechen. Manchen geht es dabei freilich nicht nur um Tierschutz. Im selbstbewusst auf mehr Autonomie pochenden Katalonien ist vor allem für die nach Unabhängigkeit strebenden Linksrepublikaner der Stierkampf der Inbegriff eines rein spanischen Festes. Und als spanisch wollen sie sich ganz und gar nicht verstehen.
Das drohende Aus für die 600-jährige Tradition hat allerdings die Stierkampf-Befürworter auf den Plan gerufen. Die "Initiative zur Verteidigung der Fiesta" findet, wenn der Stierkampf untergehen müsse, dann wenigstens durch die Gesetze des Marktes. Der Staat solle sich heraushalten. "Immerhin ist dies ein rein privates Spektakel, das keinerlei Subventionen erhält", argumentiert Luis Corrales von der Initiative, der den Stierkampf auch als eine wichtige touristische Einnahmequelle verteidigt. Er findet, allein das Publikum solle entscheiden.
Das Publikum schwindet allerdings, abgesehen von Hochburgen wie Madrid oder Sevilla, in ganz Spanien. Nur noch knapp 30 Prozent der Bevölkerung können der Fiesta etwas abgewinnen, bei den Jüngeren sind es noch viel weniger. Corrales und die Verfechter des Stierkampfes fürchten, ein Bann in Katalonien könnte auch andere Regionen zu einem Verbot ermuntern. Etwa im nordspanischen Galicien, wo der Block der Nationalisten ebenfalls auf die Abschaffung einer "von Spanien auferlegten Zwangskultur" dringt.
Stiere / Sport
Der Tennisspieler aus Argentinier David Nalbandian wird auch "Stier von Cordoba" genannt
zisch / SCHATTDORF 29.04.2010 05:00
Stier Sigo wartet auf den neuen Besitzer
Schwingen: Ein Fest wie aus dem Bilderbuch
Der Sieger des Urner "Kantonalen" wird den Stier Sigo als Preis erhalten. In Schattdorf werden insgesamt acht "Eidgenossen" antreten.
Am Sonntag, 30. Mai, werden in Schattdorf zirka 180 Aktive zum 89. Urner Kantonalen Schwingfest erwartet. "Die grösste Beachtung werden sicher die Lebendpreise finden, die kürzlich offiziell präsentiert wurden", sind Walter Gisler und Stefan Arnold vom Gabenkomitee überzeugt. Der Siegerpreis, Stier Sigo, stammt aus dem Stall der Gislers Swiss Elite in Bürglen und kam am 8. Februar 2009 zur Welt.
Dem Zweitplatzierten winkt das Rind Sharys. Es stammt ebenfalls aus der Zucht der Gebrüder Tino und Valo Gisler in Bürglen. Es kam am 2. April 2008 zur Welt und ist eine Enkelin der Starkuh Sarina.
Neben den Schwingern aus den sechs Urner Klubs werden sechs Athleten aus den Schwingklubs Meiringen und Brienz sowie traditionsgemäss Gäste aus Ob- und Nidwalden sowie aus Luzern, Schwyz und Zug um die begehrten Kränze kämpfen.
red
Stiere / Stierhatz
in England (schon eine Weile verboten). Boxer wurden dazu eingesetzt auch Pitbulls, eine Kreuzung zwischen Bulldoggen und Terriern, gezüchtet für Stierhetzen und auch Bärenhetzen
Stiere / Südfrankreich
Neben den traditionellen Kämpfen wie in Spanien gibt es auch die "Course Camarguaise", das Kräftemessen junger Leute mit den Stieren.
Die Spielregeln
Bis zum 19. Jahrhundert geschahen bei solchen Spielen immer wieder schlimme Unfälle, deshalb führte man Anfang des 20. Jahrhunderts feste Regeln ein, die sich bis heute nicht wesentlich verändert haben. Nur ausgebildete Stierkämpfer, die weissgekleideten "Raseteurs", dürfen mit dem Stier in die Arena. Die "Courses" werden im allgemeinen von April bis Oktober an den Wochenenden veranstaltet. Ein Kampf dauert insgesamt etwa zwei Stunden. 15 Minuten haben die "Raseteurs" Zeit, dem Stier Kokarden und Quasten zu entreissen, die zuvor mit Fäden oder Schnüren an die Hörner gebunden wurden. Einziges erlaubtes Hilfsmittel für den "Raseteur" ist dabei ein "Crochet", eine handähnliche Eisenkralle.
In der Arena befinden sich während des Kampfs ein Stier, fünf bis elf "Raseteurs" und die "Tourneurs", deren Aufgabe es ist, den Stier für die "Raseteurs" in die beste Position zu bringen. Für jede Kokarde und jede Quaste, die der "Raseteur" dem Stier abjagen kann, erhält er einen Geldpreis. Des öfteren verfolgen die kampfeslustigen Stiere die "Raseteurs" bis an den Rand der Arena, wo sich die jungen Männer nur noch mit einem Sprung über die Bretterwand retten können. Gefürchtet sind Stiere, die kurzerhand hinterher springen. Das Raseteurleben ist gefährlich.
Gelingt es dem Stier, seine Trophäen zu verteidigen, verlässt er nach 15 Minuten als Sieger die Arena und der nächste Stier ist an der Reihe. An einem Nachmittag treten 6 bis 7 Stiere auf, wobei nach dem dritten oder vierten Stier eine kurze Pause eingelegt wird.
Da kaum ein Kampfstier freiwillig die Arena verlässt, werden spezielle abgerichtete Stiere (Simbeu), manchmal auch einfach Kühe eingesetzt, die den hartnäckigen Kämpfer zum Ausgang bewegen. Auch beim wildesten Stier setzt sich der Herdentrieb durch und er läuft einfach hinter den Artgenossen her. Nach dem Ende des Spiels folgt "La Bandido", die Stiere werden wieder auf ihre Weiden zurückgebracht.
Stiere / Tierschutz
Gibt man bei Google die Wörter "Tierschutz Stier" ein, so gelangt man zur Homepage: http://www.protier.ch/htm/detail.asp?ID=526. Sie gibt eine umfassende Beschreibung des Stierkampfes in Portugal, wo der Stier zwar nicht vor den Augen der Zuschauer sterben muss, aber nicht weniger gequält wird als sein spanischer Kollege, vor und während des Kampfes. In meinen Augen eine Schande.
Stiere / Traumdeutung
Im Traum kann der Stier das männliche Prinzip darstellen, die Fruchtbarkeit, Sturheit oder Hartnäckigkeit, als Symbol der Wollust und Triebhaftigkeit
Stiere / Uristier Wappen des Kantons Uri
Auf http://www.tell.ch/schweiz/uristier.htm ist nachzulesen:
Im Jahre 1243 ist das Urner Landessiegel mit dem beringten Stier erstmals überliefert. Das Wappentier, der brandschwarze Stier mit rotem (früher gelben) Nasenring, lang heraushängender roter Zunge, bringt die Bändigung der Wildheit und elementaren Kraft, von der das Land Uri wie kaum ein anderes geprägt ist, sehr schön zum Ausdruck. Der Uri-Stier auf dem Urner Banner war Jahrhunderte lang in Europa gefürchtet
Stiere / Uristier und Fasnacht
Auf der Homepage http://www.katzenmusik.ch/FU_KAMU/Allgemein/KAMU_Uristier.htm kann man nachlesen:
... Die bekannteste Urner Maske ist der Uristier mit seinem Horn. Die ältesten Nachrichten treten in den historischen Volksliedern des 15. Jahrhunderts auf. Der Uristier ist keine eigentliche Gesichtsmaske, sondern eine Tierkopf-Haube. Der Träger und Bläser des Urner Horns war ein Maskenkrieger, in den Landesfarben "mi-parti" schwarz-gelb gekleidet, und trug als Kopfbedeckung eine Gugelkappe mit zwei seitlich herausragenden Stierhörnern. Der Uristier hat als Einzelmaske bis in die Gegenwart überlebt. Der Uristier war auch bei friedlicheren Anlässen wie den Fasnachtsfahrten des frühen 16. Jahrhunderts mit von der Partie. Er führt heute an der Korporationsgemeinde sowie an Festumzügen mit offizieller Urner Teilnahme die Harstgruppe an ...
Stiere / Uristier und Krieg
... Wichtig war der Verwandlungs- und der Besessenheitsglaube. Wo noch die ursprüngliche Geisteshaltung vorhanden, bewirkte das Anlegen einer Maske eine Verwandlung in das Dargestellte. Bär, Eber, Stier, Wolf und der ihm verwandte Hund konnten die vom primitiven Menschen bewunderte Kampfestollheit entwickeln, vom Uristier bis zum Adlerfedernschmuck des Indianers. Der in solche Tiere verwandelte Maskenkrieger spürte die gewaltigen Kräfte.
Der Hörnerschmuck des Uristiers war nicht nur zweckbewusste Schreckwirkung auf die Gegner, sondern das Stierhaupt sollte auf den Träger selbst wirken. Sein Harsthorn ist ein zweimal gewundenes Horn mit Metallbeschlag, wahrscheinlich von einem italienischen Stier. Der Klang der Hörner muss wie bei der Schlacht von Grandson 1476 eine ungeheure Wirkung ausgeübt haben. Nikolaus Schradins Reimchronik über den Schwabenkrieg 1499 hielt fest: "Der styer von Ure treib ein grob gesang". Der alte, aus früherer Zeit stammende Uristier ging 1515 bei Marignano verloren. Die Urner haben ihren Maskenkrieger jedoch bis zum Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft ins Feld geführt ....
Stiere / Wein
Erlauer Stierblut: Der Egri Bikavér ist nach dem Tokajer der bekannteste ungarische Wein. Im deutschsprachigen Raum kommt er als Erlauer Stierblut in den Handel. Ausgebaut wird der säurearme, tiefdunkle, volle Rotwein in alten Eichenfässern und reift mindestens zwei Jahre vor Flaschenabfüllung. (Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Erlauer_Stierblut)
Geschichte und Mythos: Der Überlieferung zufolge tranken die Verteidiger Egers ihren heimatlichen Wein, um ihren Kampfeswillen und ihre Moral zu steigern. Als jedoch die türkischen Belagerer die rotgefärbten Bärte der Verteidiger sahen, dachten sie, die Erlauer hätten das Blut von Stieren getrunken, um sich deren Wildheit und Kampfesstärke anzueignen und zogen sich schliesslich zurück, da die Türkenschar durch diesen Eindruck demoralisiert wurde. (Quelle: Übersetzung der Rückseite des "Bulls Blood" - Egerweins)
Stiere / Zeichentrickfilm
In der Geschichte "Ferdinand, der Stier", geht es um einen kleinen, schwarzen Stier. Schon als kleiner Stier liebt Ferdinand Blumen. Als erwachsener, starker Stier, ebenfalls. Doch fünf Männer halten ihn, einer Hornisse wegen, für einen richtigen Arenakämpfer. Ferdinand muss nach Madrid und sich dem Matador stellen. Doch Blumen sind für Ferdinand viel anziehender. Und schon bald bricht der Matador in Tränen aus.
Bei "Ferdinand, der Stier" handelt es sich um einen oscarprämierten Zeichentrickfilm, der einfach herzlich und humorvoll ist. Vor allem der Erzähler spricht den Lachnerv des Zuschauers an und treibt mit trockenem Schmalz die Geschichte voran. Die liebevollen Zeichnungen entsprechen dem alten Disney-Stil und lassen vor allem Zeichentrick-Nostalgiker zufrieden seufzen.
Stier / Zeitung
Uristier ist der Name der Zeitung
Kunterbunte Bildsammlung der gehörnten Tiere
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Auf der Surenenalp, die das Land Uri und das obwaldnerische Tal von Engelberg trennt, lebte einst ein blutjunger Schafhirte namens Urs im Ried. Die weite Alp gehörte dem Kloster Engelberg und trug ihm gar fette Einkünfte in goldgelber Butter und weissem Ziger ein. Zuweilen schlachtete der junge Schäfer ein Schaf und trug sein Fell ins Urnertal, wo er allerlei Sachen dagegen eintauschte.
Eines Tages, als er auch wieder dort war, zogen aus dem Welschland seltsame dunkelhaarige Männer durch das Hochtal. Sie trieben auserlesen schöne, hellhaarige Schafe vor sich her, wie sie der Hirtenbub noch nie gesehen hatte. Besonders ein kleines, schneetaubenweisses Lämmlein gefiel ihm also, dass er nicht mehr davon wegkam und die fremden Hirten flehentlich bat, sie möchten ihm doch das schöne Lamm schenken. Erst wollten sie nichts davon wissen. Aber endlich sagte ihm ihr Meister, er solle das Lämmlein haben, wenn er aufknie und einen Rosenkranz bete. Willig tat er's. Und danach überliess man ihm das weisse Lamm, und lachend gingen die welschen Hirten davon.
Urs im Ried aber, der junge Schäfer, kehrte im Flug nach der Surenenalp zurück mit seinem Lämmlein und wusste sich vor Freude über das schöne Schaf fast nicht zu fassen. Es musste immer um ihn sein, mit ihm essen und bei ihm schlafen. Er trieb es so weit mit seiner Abgötterei, dass er beschloss, das weisse Lämmlein zu taufen. Heimlich machte er sich über die Surenenecke nach Attinghausen ins Urnerland hinunter. Dort schlich er sich in die Kirche, erbrach den Taufstein und schöpfte Taufwasser daraus. Und heimlich machte er sich wieder auf die Alp zurück. Dort taufte er das vergötterte Tier nach christlichem Brauch.
Da war es, als ginge die Welt unter. Über die Berge herein kam es kohlenschwarz. Ungeheuerliche Wolkengestalten mit Köpfen und Armen jagten am Himmel hin, und dann begann es zu donnern, und ein Unwetter kam, davon die Erde erbebte. Ein Blitz schlug wie ein Riesenhammer in die Hütte, sie zerschmetternd. Als aber der junge Hirt, an nichts denkend als an sein weisses Lämmlein, sich ängstlich nach diesem umsah, um es zu retten, stand statt dessen ein entsetzliches schwarzes Ungeheuer in den Alpenrosen.
Zu Tode erschrocken wollte er davonhasten, aber das Ungeheuer stürzte ihm nach, und im Hui war er zerfetzt und zerrissen.
Von da ab war es nicht mehr geheuer auf der Alp. Menschen und Vieh schlug das grause Ungetüm, das die Hirten der Surenenalp das Greiss nannten. Nach und nach wollte kein Engelberger Älpler mehr auf der Alp sömmern, und sie wurde auch immer unfruchtbarer, also dass das Gotteshaus Engelberg sie den Urnern um einen Spottpreis verkaufte. Doch sie hatten auch nicht viel davon, denn auch sie schädigte das fürchterliche Greiss an Menschen und Vieh.
Da kam einmal ein fahrender Schüler nach Altdorf unter dem Bannwald. Der anerbot sich, den Urnern zur Erlösung der Alp von dem fürchterlichen Greiss einen guten Rat zu geben, wenn sie ihm den Geldbeutel mit Kronen füllen und ihm den Becher siebenmal mit dickrotem Welschwein ausebnen wollten. Als sie's nun getan hatten, riet er ihnen, sie möchten ein silberweisses Stierkalb aufziehen und es neun Jahre lang mit reiner Milch tränken, und zwar das erste Jahr mit der Milch von einer Kuh, das zweite Jahr mit der Milch von zwei Kühen und so weiter bis auf neun. Dann sollten sie den erwachsenen Stier durch eine reine Jungfrau zu der Alp führen lassen, in der das Greiss umgehe.
Alles wurde so ausgeführt. Wie nun die neun Jahre um waren, bot sich Agnes, die Tochter des Freiherrn von Attinghausen, an, die Erlösung der Alp zu vollbringen. Und also zog sie eines Tages mutterseelenallein, weissgekleidet und bräutlich geschmückt auf die Surenenalp. An einem seidenen Schnürchen aber, das in einem Nasenring hing, führte sie den silberweissen Stier hinter sich her, der ihr willig folgte.
Wie nun die Jungfrau um die Surenenecke bog, erhob sich ein schreckliches Gewitter. Der Sturmwind pfiff und schnob daher, als wollte er alle Berge über den Haufen stossen; schwarze Donnerwolken machten den Tag zur Nacht, und ganze Garben von Blitzen machten sie wieder zum Tag. Aber auf einmal war ein seltsames Brüllen in der Alp, und jetzt hüllten die daherfahrenden Wolken alles ein.
Als sich die Urner nach langem, bangem Warten unten zu Attinghausen endlich auf die Alp getrauten, da es droben still geworden zu sein schien, fanden sie auf den Alpenweiden ein unförmliches, schrecklich zugerichtetes Ungeheuer: es war das tote Greiss. Aber nicht weit daneben lag auch der siegreiche silberweisse Stier tot in seinem Blute. Doch entsprang unter ihm eine reiche Quelle, die man von da ab den Stierenbach nannte. Schon wollte man in Jubel ausbrechen, da fragte einer nach Agnes, der Jungfrau von Attinghausen. Doch nirgends war sie zu finden, und wie man auch die Alp absuchte, sie blieb für immer verschwunden.
Da waren die Urner sehr unglücklich. Konnte auch das Greiss ihr Vieh nicht mehr schlagen, so hatten sie die Erlösung der Alp mit dem Leben der Jungfrau doch teuer bezahlt. Also hielten sie eine feierliche Landsgemeinde zu Altdorf ab und beschlossen, den Kopf des siegreichen Stieres mit dem Nasenring in ihr Landeswappen aufzunehmen, das nachmals der Schrecken ihrer Feinde wurde. Die Jungfrau von Attinghausen aber nahmen sie auf ewige Zeiten in ihre Herzen auf.
Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915.
Besuch in einer Alphütte auf dem Urnerboden
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Der Urnerboden ist eine Reise wert! Was für eine Weite, was für eine Ruhe (wenn nicht die Rennautos in kürzester Zeit das Ziel auf dem Klausenpass erreichen wollen!), was für ein Ort der Besinnlichkeit. Die genaue Beschreibung des Tals findet man, wenn man folgenden Link anklickt:
Beschreibung UrnerbodenAn dieser Stelle möchte ich eine Alphütte vorstellen, vor allem auch einige interessante Dokumente, die wir als Besucher dort fotografieren durften. Einen herzlichen Dank an unsere lieben Gastgeber, die uns eingeladen haben, die Gemütlichkeit in der Hütte zu erleben und einen Teil ihrer Privatsphäre im Internet zu veröffentlichen.
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Kathol. Haus=, Stall= & Alpensegen
Spruch links:
An Gottes Segen
Ist alles gelegen!
Im Namen + des Vaters und + des Sohnes und des + heiligen Geistes, Amen
Haus-Segen
O Herr, wir flehen Dich inbrünstig an, der Du alles befiehlst und regierst, segne unser Haus, unsere Arbeit, unser Tun und Lassen, behüte uns vor aller Gefahr, vor Unglück jeglicher Art, vor Krankheiten, Krieg, Teuerung - Hungersnot - vor Feuer und Wassergefahr, beschirme und beschütze uns vor böser Neigung zur Sünde.
In dieser Meinung übergeben wir Dir, o Herr, uns und unsere Nachkommen und alles was Du uns als unser Eigentum anvertraut hast.
Vater unser!
Ave Maria!
Mit Gutheissung des hochwürdigsten bischöflichen Ordinariates St. Gallen vom 16. April 1915 Jakob Schiltknecht, bischöfl. Kanzler
Spruch rechts:
Wer auf Gott vertraut
Hat auf guten Grund gebaut!
Stall- und Wetter-Segen
Behüt uns Gott und der liebe Jesus Christ. Vieh und Hab und alles was hier um ist, behüt uns Gott und der hl. Antonius, behüt und Gott und der hl. Wendelin; behüt uns Gott und die hl. Agatha; behüt uns Gott vor böser Stund; behüt uns Gott allhier und überall; es walte Gott und die liebe Mutter Gottes und alle Heiligen; behüt uns Gott vor Viehverlieren; behüt uns Gott vor bösen Tieren; behüte uns Gott vor Hagel- und Blitzschlag; Seuche und Pest, und Unbill der Witterung, behüt uns Gott und segne uns Gott.
Drei Ave Maria!
Mit Druckerlaubnis des hochwürdigsten bischöflichen Ordinariates Chur vom 25. August 1913. Pius Balzer, bischöfl. Kanzler
Im Namen + des Vaters und + des Sohnes und des + heiligen Geistes, Amen
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TAUFURKUNDE
Am 30. Juli, im Jahre des Heils 1957
wurde in der Kirche zu Urnerboden
H. J. A.
in der hl. Taufe durch die Güte des barmherzigen Gottes und seinen unerforschlichen Ratschluss auserwählt und berufen zum Kinde Gottes + Er wurde geboren aus Gott / wiedergeboren aus dem Wasser und dem hl. Geist / ausgestattet mit göttlichem Leben / neugestaltet nach dem Ebenbild Gottes zum Bruder Jesu Christi / erhoben zum Tempel des hl. Geistes / umgewandelt zum Glied am Leibe Christi eingepflanzt als Zweig an seinen heiligen Weinstock / aufgenommen in das heilige Volk / das königliche Priestertum / das göttliche Geschlecht der getauften Söhne und Töchter Gottes + Nun ist er Glied der Kirche Gottes / der heiligen katholischen Kirche + Er hat das Recht / den Leib des Herrn zu empfangen / in der hl. Beicht Nachlass der Sünden zu erhalten / im Sakrament der Firmung mit dem h. Geist erfüllt und Streiter Christi zu werden + In der Priesterweihe kann er am Priestertum Christi Anteil erhalten / oder kann das Sakrament der Ehe empfangen + In schwerer Krankheit wird jeder Priester seinem Rufe folgen / um ihm im Sakrament der Oelung den Krankensegen des Herrn und die Weihe zum Todeskampfe zu spenden + Er hat Recht und Anspruch auf alle Segnungen und Weihen der Kirche / Anteil an jedem Messopfer / das je auf dem Erdkreis dargebracht wird / und empfängt aus der Fülle der Dienste Christi und aller Heiligen Gnade um Gnade + Denn seine Gemeinschaft reicht bis in das Reich der Toten und bis zu den Seraphim vor dem Antlitz Gottes + Ruft ihn der Herr zu sich / so steht ihm zu / kirchlich begraben zu werden / denn er ist berufen zur Herrlichkeit der Auferstehung und zur unaussprechlichen Freude des glückseligen Gottes / der lebt und als König herrscht in alle Ewigkeit + Der Herr gebe / dass er seiner Berufung eingedenk sei und würdig danach lebe
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Der Klausen und das Automobil vor hundert Jahren und heute
Urner Wochenblatt / Vor 100 Jahren / 34. Jahrgang / 26.Mai 2010
Der Klausen und das Automobil
Zu den "Glarner Nachrichten" wird die Frage erörtert, ob der Klausen für Automobil666e geöffnet werden sollte oder nicht. Ein Einsender in einer der letzten Nummern des Blattes trat für die Öffnung ein. Nun kommt ein anderer, der nichts davon wissen will. "Wer hätte von einer Öffnung ausser den Sportsleuten selbst einen Vorteil" In Linthal vermag man kein einziges Intersse namhaft zu machen, das für eine Öffnung in die Waagschale gelegt werden könnte. Die Automobilisten, die sich für die Klausenroute entscheiden, würden von Glarus her ohne Halt in Linthal den Urnerboden und die Passhöhe gewinnen. Dass die Hotellerie dabei irgendwie etwas profitieren könnte, ist wohl ausgeschlossen. Anderseits darf mit Bestimmtheit behauptet werden, dass infolge der Öffnung für Automobile der Fuhrwerkverkehr auf ein Minimum zurückgehen wird. Denn jeder Wagen- und Pferdebesitzer wird es sich zweimal überlegen, sich und seine Pferde dem Risiko auszusetzen, zum Beispiel unterhalb der Passhöhe gegen Urigen hinunter einem schnaubenden Auto zu begegnen und dann mit den steilen Felspartien in nähere Berührung zu kommen. Aber auch eine Mehrung des Touristenverkehrs steht bei einer Öffnung der Strasse keineswegs in Sicht. Die Naturfreunde flüchten sich gern in Gebiete, wo ihnen nicht die Luft durch Benzinschwaden und durch Staubwolken verpestet und der Genuss der herrlichen Natur durch eine protzige Überkultur vergällt wird. Ein solches Retiro war bisher die Klausenstrasse. Mögen es die Herren Ritter vom Benzin übrigens einmal probieren mit einem Antrag. Die Antwort wird bei den Behörden und beim Volk wuchtig ausfallen."
Wir glauben, auch die Urner stehen auf dem Standpunkt dieses Glarners und werden uns mit der Automobilplage auf der einzig schönen Klausenstrasse verschonen.
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Und wie sieht die Situation 100 Jahre später aus?
Zisch 25.05.2010 Polizei appeliert an die Vernunft der Biker
"Hallo Biker...behalte deine Geschwindigkeit im Auge" Unter diesem Motto führen die Polizeikorps von Uri und Graubünden eine Präventionskampagne zur Senkung von Motorradunfällen durch.
Im vergangenen Jahr ereigneten im Kanton Uri über 80 Töffunfälle bei denen sich 74 Personen zum Teil schwer verletzten. Über 70 Prozent der Motorradunfälle wurden durch die Lenker selbst verursacht. Überhöhte Geschwindigkeit, falsche Kurven- und Bremstechnik sowie Unaufmerksamkeit und Ablenkung sind die Hauptunfallursachen, heisst es in einer Medienmitteilung der Urner Polizei. Die starken Motorenleistungen und die ausgefeilte Fahrwerktechnik stehen nicht immer im Einklang mit dem fahrerischen Können der Lenker.
Korporation Uri Geschäftsbericht 2008
Die letzten Wildheuer
Sie sind die letzten ihrer Art. Die Wildheuer von Uri pflegen mit ihrer strengen und nicht immer ungefährlichen Arbeit die steilsten Weiden der Korporation Uri und tragen so zu einem natürlichen Landschaftsbild bei.
Noch immer liegt die kühle Nachtluft über den Weiden. Die ersten Strahlen der Morgensonne tauchen die Hänge am Rophaien oberhalb von Flüelen in ein warmes, goldenes Licht und bringen die Tautropfen an den Grashalmen zum Funkeln. Es ist kurz vor sechs und Arbeitsbeginn für Karl Gisler. Der junge Landwirt vom Gruonbergli geht heute in die Wildi, denn das Gras an den Hängen ist lang und Herr Bucheli vom Schweizer Fernsehen hat einen sonnigen, trockenen Sommertag angekündigt. Heute ist ein ziemlich hochgelegner Blätz dran und so macht sich der Wildheuer zeitig auf den Weg: im Gepäck seine Handsägesä, das Wetzfass, den Dangelhammer und einen Dangelstock. Steigeisen hat er auch dabei, denn die Route ist steil. Wildgeheut wird in der Regel über der Baumgrenze, alle zwei bis drei Jahre. Das in der Zwischenzeit gewachsene Gras fault jeweils herunter und wirkt als natürlicher Dünger. Ansonsten werden die Gebiete nie gedüngt.
Wer Wildheuen geht, muss nicht nur früh aufstehen, sondern auch ein geübter, schwindelfreier Berggänger sein. "Definitiv, die Wildi ist nichts für Leute mit Höhenangst", lacht Karl Gisler. "Aber ich sage immer: Es ist nicht gefährlicher als Auto fahren." Die Hänge am Rophaien bilden das grösste zusammenhängende Gebiet, wo noch Wildheuen betrieben wird. Zum Mähen verwendet Karl Gisler eine herkömmliche Sägesa. Nicht das grösste Modell, sondern eine Handsägesa. Lässt ihre Schärfe nach, schleift Gisler sie mit dem Wetzstein, den er im mit Wasser gefüllten Wetzfass lagert. Gelegentlich muss er auch die verbogene Schnittfläche wieder in Form bringen. Einige gezielte Schläge mit dem Dangelhammer - der stumpfe Dangelstock dient als Unterlage - und weiter gehts.
Ist das geschnittene Gras trocken, was normalerweise nach einem Sommertag der Fall ist, wird es zusammengerecht und mit Hilfe eines Garä (Netz) zu einem dicken Bündel geschnürt. Dieser so genannte Pinggel kann bis zu 60 Kilogramm wiegen! Eine echte Knochenarbeit für Karl Gisler, der sogar beim Abtransport auf traditionelle Technik vertraut. Nach alter Wildheuer Sitte seilt er den Pinggel ins Tal ab, anstatt ihn mit dem Heli wegfliegen zu lassen. "Das Abseilen ist gratis. Heliheuen lohnt sich erst bei Flächenbeiträgen", erklärt Karl Gisler. um den Pinggel abseilen zu können, wird er mit einem Haken an das Seil gehängt, an welchem er beinahe lautlos ins Tal saust. Wie ein gigantisches, weit verzweigtes Spinnennetz verbinden diese effektiven Transportwege die Hänge im Rophaien-Gebiet.
Gegen acht Uhr abends neigt sich auch der Tag in der Wildi allmählich seinem Ende zu. Morgen früh wird Karl Gisler die nächste Weide in Angriff nehmen und dabei auf die Hilfe seines Schwiegervaters zählen können. Auch seine Frau wird mit anpacken, während sich ein Babysitter um die Kinder daheim kümmert. Karl Gisler ist froh über die familiäre Verstärkung: "Äs isch schwierig, Personal z'findä fir y d'Wildi."
Der Wildheupfad am Rophaien
Wer das Wildheuen hautnah erleben möchte, kann dies seit dem Sommer 2008 auf dem ersten Schweizer Wildheupfad tun. Der lehrreiche Erlebnisparcours beginnt bei der Bergstation Eggberge und endet bei der Bergstation Axen. 15 Posten erlauben Gross und Klein, das traditionsreiche Handwerk mit allen Sinnen wahrzunehmen. Sogar die Geruchsnerven kommen während der gut vierstündigen Wanderung auf ihre Kosten, lassen sich bei der Schnupperstation doch einige typische Düfte des Wildheuens herausriechen. Jeder Posten wurde vom Urner Künstler Toni Walker liebevoll aus Holz gestaltet und ist mit einer Klapptafel versehen. Eine Informationsbroschüre mit Wanderflyer kann bei Tourist Info Uri bestellt werden.
Bürgler Bergbauern werden Filmstars im Film "Bergauf Bergab"
Bergauf Bergab auf YoutubeGeldpreissegen für in Uri gedrehten Dokfilm
130'000 Franken: So viel erhält der Zürcher Hans Haldimann für seinen in Uri gedrehten Dokumentarfilm "Bergauf, bergab". Der Kassenschlager war ohne staatliche Fördergelder realisiert worden.
Mit über 57'000 Eintritten war die im Urner Schächental gedrehte Dokumentation übers Bauernleben "Bergauf, bergab" im Jahr 2008 der kommerziell erfolgreichste Schweizer Dokumentarfilm in den Kinos. Deshalb erhält der Filmer Hans Haldimann (56) nun von der Zürcher Filmstiftung 80'000 (Produktion) und 40'000 Franken (Regie) Erfolgsprämie, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Es handelt sich dabei um Gutschriften, die innert zweier Jahre in die Entwicklung oder Produktion eines neuen eigenen Projekts investiert werden müssen.
Gleichzeitig wurde Haldimanns Film am vergangenen Mittwoch in Zürich auch noch mit einer der vier mit 10'000 Franken dotierten Dokumentarfilm-Preise der Stadt Zürich ausgezeichnet. "Mit frischem Blick beschwört Bergauf, bergab eine Welt, von der wir kaum glauben können, dass es sie noch gibt", heisst es in der Laudatio.
Regisseur denkt über Fortsetzung nach
Gemäss "Klein Report" würde es Haldimann reizen, einige Jahre später eine Fortsetzung von "Bergauf, bergab" zu drehen - mit den Bauern der nächsten Generation. Sein nächster Dokumentarfilm trägt den Namen "Weiterleben" und soll im Frühjahr 2010 erscheinen. "Es geht um Menschen, die ihre Heimat verloren haben, bodenständig gesehen und seelisch." Der Film fusst auf der SF-Sendung "Mitenand", für die Hans Haldimann verantwortlich ist. Jeweils am Sonntag um 19.20 Uhr ausgestrahlt, wird hier in kurzen Reportagen über Probleme der Gesundheit, der sozialen Not und der Umwelt in der Schweiz und in der Dritten Welt berichtet. Anhand von betroffenen Menschen wird gezeigt, wie private Hilfsorganisationen auf diese Herausforderung reagieren.
scd
"Bergauf, bergab" Laudatio Zürcher Filmpreis
"Auf unterschiedlicher Höhe bewirtschaften die Kempfs drei Höfe im Urner Schächental. Je nach Jahreszeit zieht die Familie von einem Hof zum andern; immer dorthin, wo das Gras am grünsten ist. Der Film steht ganz in der Tradition der ethnografisch interessierten Dokumentationen, die das Leben der einheimischen Bergler und Bauern einfangen; dabei verknüpft er die bekannten Themen der Gattung ohne Nostalgie mit den zeitgenössischen Bedingungen. Unprätentiös und praktisch im Alleingang begleitet Hans Haldimann den entbehrungsreichen Alltag der Familie mit Kamera und Mikrofon. Mit frischem Blick beschwört Bergauf, bergab eine Welt, von der wir kaum glauben können, dass es sie noch gibt. Der Lebensmut und eine gesunde Portion Trotz der Protagonisten tragen dazu bei, dass der Film uns liebevoll vom Gegenteil überzeugt: Es muäss!
pd
Alpenrap / Alpsegen in Äsch im Kanton Uri
MIGROS MAGAZIN Nr. 38, 15. September 2008
Der Beruf ist Männersache. Doch in Äsch im Kanton Uri führt eine Frau die Tradition weiter. Rosi Arnold fleht bei Gott und den Heiligen um Schutz vor Gefahr.
Die Kuhweide Äsch hinter Unterschächen UR, 1250 Meter hoch gelegen, wird von den Einheimischen als Alp bezeichnet. Doch wer genauer hinschaut und noch die Landeskarte 1: 2500 konsultiert, stellt fest, dass die Alp ein richtiges kleines Dörfli ist, mit an die 50 Häuser, Ställe und Heugaden - wenn man den kleinen Weiler mit dem schönen Namen Chäsgädmeren mitzählt.
Äsch ist privilegiert, denn es verfügt über einen "hauseigenen", 100 Meter hohen fotogenen Wasserfall, den Stäubenfall, der schäumend und geräuschvoll das Gletscherwasser ins Tal befördert.
Hier oben, in diesem Talkessel am Fuss der Furkapassstrasse, herrscht jeweils im Sommer viel Betrieb. Dann wird das Heu eingebracht. Kühe weiden auf den Matten, um elf Uhr und um sieben Uhr abends läutet hell das Glöcklein der kleinen Kapelle, und wenn der Tag der Nacht zu weichen beginnt, schallt es weit ins Tal hinaus:
"Gott Chüeli zu lobä, aw Schritt aw Tritt, i Gottsnamä lobä, hiä uf därä Alp lit ä goldänä Ring, da wohnt diä liäb Müettergottas mit sim härzawerliebschtä Chind."
Der Betruf war ein Erbe des Vaters
Es ist Rosi Arnold, die mit ihrem Sprechgesang den Alpsegen (oder Betruf) in den hölzernen Trichter spricht. Die tüchtige Unterschächerin, aufgewachsen in einem Heimetli mit 15 Geschwistern, ist mit ihrem Alpsegen in eine Männerdomäne eingedrungen.
Aber nicht etwa, weil sie sich besonders hervortun wollte. Nein, dass sie sich jeden Abend beim "Mängglä", wie sie das Einnachten nennt, aus dem Haus begibt, hat zwei Gründe: Schon ihr Vater, ein Landwirt, pflegte dieselbe Tradition und hat auch den Text entworfen. Und als Rosi Arnold vor 16 Jahren erstmals einen Sommer auf Äsch verbrachte, übernahm ebenfalls eine Frau den Betruf. "Sie hat dann aufgehört, und so bin ich eben in die Lücke gesprungen", sagt Arnold.
Ihr Mann Felix und die drei Kinder im Alter zwischen 13 und 19 Jahren freuen sich immer schon früh im Jahr, bis es wider "z Alp" geht. Dies ist je nach Wetter von Juni bis etwa 20 September der Fall. In dieser Zeit melkt und versorgt die Alpsegnerin die zwei oder drei Pachtkühe allein.
Tagwache ist schon um 5.30 Uhr. Nach dem Melken stellt sie würzige Alpbutter her. Der Rest der Familie kehrt meistens erst am Abend auf die Alp zurück, um dort die Nacht zu verbringen.
"Dr heilig Johannes, där säw iis bhiätä und bewahrä vor Blitz, Unwätter und Haguschlag."
Der Trichter aus Fichtenholz ist mit einem geschnitzten Edelweiss verziert. "Diesen Trichter brauche ich nur für den Alpsegen als Verstärker, er ist handgeschnitzt", sagt Rosi Arnold, und ihre blauen Augen leuchten in dem während der Heuernte braun gebrannten Gesicht.
Nicht ohne Stolz verkündet ihr Mann Felix, dass Rosi sogar schon am Älplerwunschkonzert auf dem Urnerboden für eine Radiosendung den Alpsegen gerufen hat.
Die Naturgewalten als Bedrohung
Hier oben gebärdet sich die Natur öfters gar garstig. Manchmal fällt selbst im Sommer Schnee. "Dieses Jahr haben wir aber Glück gehabt", sagt Rosi Arnold. Einen Tag vor dem Besuch des Migros-Magazins konnten die Kinder von der Alp nicht zur Schule nach Unterschächen hinab. Die Strasse war zu, weil sie von einer Rüfe verschüttet worden war.
"Es gab ein abnormal heftiges Gewitter, ganz unsinnig hat es getobt", berichtet die Frau. Auf dem Weg zur Alp zeugen gewaltige Schneisen im Wald von der Wucht der Lawinen. Die Rosslauwi bringt jeden Winter ungeheure Schneemassen ins Tal, bis ins Bachbett hinab. Wegen der Bedrohung durch die Natur enthält Rosis Alpsegen auch Fürbitten gegen Übel und Gefahren wie:
"Und diä heilig Sankt Agatha, diä säw iis bhietä und bewahrä vor übermässigem Füür und Wasser."
An der Fassade des sonnverbrannten Hauses der Familie Arnold hängen Flaschen, gefüllt mit Johannisöl. Das sei gut gegen Gicht, weiss Felix. Ums Haus grünen üppig Brennnesseln, Alpenampfer und bunte Zierblumen. Vor den Fenstern warten gepflegte Geranien, bis sich die Sonne auch in diesen eher schattigen Teil von Äsch bequemt. "Jetzt, im Herbst erscheint sie sehr spät. Dafür bleibt sie am Abend ziemlich lange", klärt Rosi Arnold ihre Besucher auf.
Bald ist es Zeit, die Kühe zu melken. Sie finden meistens selbständig den Weg in den Stall. Die Tiere bleiben Tag und Nacht im Freien. "Dann geben sie mehr Milch, als wenn wir sie im Gaden lassen", hat Rosi herausgefunden. Schon bald wird wieder der nächste Alpsegen ausgerufen. Und ein weiterer arbeitsreicher Tag geht zur Neige.
"Es walte Gott und iiserä Landesvater Brüeder Chlais, där saw iis beschütz vor Krieg und Hungersnot!"
Sobald das Echo dieser letzten Worte an den schroffen Felswänden verhallt ist, folgt ein kräftiger, übermütiger Juchzer.
Text Carl Bieler
Bild Ruben Wyttenbach
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Rosi Arnold beim Ausrufen des Alpensegens
"Sprachsuche im Ring der eigenen Region" von Martin Stadler
Urner Wochenblatt / 133. Jahrgang / Nr. 44 / 10. Juni 2009
Erinnerungen, die Erinnerungen wecken
Buchpräsentation: Martin Stadler blickt auf sein bisheriges Schaffen zurück
Der zweite Band der Reihe "Innerschweiz auf dem Weg ins Heute", stammt vom Urner Schriftsteller Martin Stadler. Am vergangenen Montag, 8. Juni, wurde das Werk in Altdorf vorgestellt.
Ralph Aschwanden
Mit der Buchreihe "Innerschweiz auf dem Weg ins Heute", will der Verlag der Albert Köchlin Stiftung (AKS) die Aufbruchstimmung, die in den Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts in der Innerschweiz begonnen hat, beleuchten und festhalten. Zu diesem Zweck sollen engagierte Persönlichkeiten der Innerschweiz aus Religion, Literatur, Politik und weiteren Bereichen ihre eigenen Lebenserinnerungen schildern. "Mit dem Band von Martin Stadler ist die Reihe wirklich zur Reihe geworden", erklärte der Präsident der AKS, Urs Korner, am vergangenen Montag, 8. Juni, anlässlich der offiziellen Buchpräsentation. Der erste Band stammt aus der Feder von Anton Rotzetter.
Wie ein Strahler in den Bergen
120 Personen fanden sich zur Buchpräsentation im Foyer des Theater(uri) ein. Sie sind Zeuge für die grosse literarische Bedeutung von Martin Stadler. Laudator Andreas Iten: "Martin Stadler zählt zu den sprachgewaltigsten Schriftstellern der Innerschweiz." Um das Werk des Urner Autors zu verstehen, könnte man sich auch einer Metapher bedienen, erklärte Andreas Iten: "Wenn ein Strahler im Berg einen Kristall vermutet, gräbt er tiefer und trägt Schicht für Schicht den Fels ab, bis er den Kristall gefunden hat. Martin Stadler gräbt auch nach einem Kristall - einem in der Gesellschaft seiner Region." Auch Urs Korner, Präsident der AKS, zeigt sich vom neuen Werk Martin Stadlers begeistert: "Als Leserin und Leser wird man mit Erinnerungen des Autors konfrontiert, die ihrerseits wieder Erinnerungen auslösen. Dadurch wird man zum Teil des Buches selber."
Der Schriftsteller und sein Werk
In seinem Buch "Sprachsuche im Ring der eigenen Region" blickt der in Schattdorf wohnhafte Verleger auf sein eigenes Werkschaffen zurück. In kurzen Ausschnitten macht er sich Gedanken über seinen Werdegang als Schriftsteller, den Stellenwert seiner Werke und über deren Entstehungsgeschichte. Auf diese Weise erschafft er ein lebendiges Abbild einer sich verändernden Umwelt und Region. "Sein Werk ist eine engagierte Auseinandersetzung mit dem Glauben und der Denkart der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft der Innerschweiz", führt Andreas Iten aus.
Die Lektüre des Werkes nimmt den Leser und die Leserin mit auf eine Zeitreise. "Martin Stadler lässt uns am Alltag eines Schriftstellers und seinem Umfeld, dem Kanton Uri und der ganzen Innerschweiz, teilhaben", so Andreas Iten. "Wir haben in seinem Buch eine differenzierte Schilderung des Vorgangs, wie ein Schriftsteller zu seinem Werk kommt."
Martin Stadlers neues Werk ist ein Stück Zeitgeschichte und gleichzeitig ein Stück Lebenserinnerung. Auf der Suche nach literarischem Stoff wird der Autor im Kanton Uri immer wieder fündig. Entsprechend vertraut kommen einem die behandelten Themen vor. Eines jedoch betont Martin Stadler: "Das Buch handelt nicht von mir als private Person, sondern von meinem Werk". Auch wenn beides bei Martin Stadler nicht leicht zu trennen ist.
Das Buch "Sprachsuche im Ring der eigenen Region" von Martin Stadler (132 Seiten) ist im AKS-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich.
von Ruedi Geisser anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Altdorfer Suppenanstalt vom 17./18. November 1979
So, wiä zu jeedem Fisch d Schuppä
so gheert zu Altdorf d Beenäli-Suppä.
Weer si scho gha het, chat nit widerstaa,
weer si nit kännt, dr sett äinisch ha!
Hundert Jaar sind etz verbyy,
sit üss Aafäng, schlicht und chlyy,
yysers Wärch entstaandä-n-isch.
Säg, wiä mängisch het am Tisch
jeddä gsäit, wo ässä tuät:
«Myyner Seel, diä isch d guät!
Hilft dr Seel und fillt dr Büüch ...
Gottloob git's nu dr Suppä-Brüüch!»
Nach hundert Jaar sell-m-är's verziä,
dass miär äs Bitzli stolz sind hiä.
Ds Gwärbi het das Wärch ja träit
und immer wiider ds Ja-Wort gsäit.
Eb guäti oder schlächti Zyttä,
d Suppä chunnt, si chunnt bizyttä,
Chind und Cheegel, Fräuw und Ma
selled Boonä-Suppä ha!
Mängä Brüüch hed miässä fliä,
d Zyt tuäd rännä ... und de wiä!
Alts und scheens vergaad wiä Ankä,
d Wält säit: «Leider!» oder «Dankä!»
D Nyywzyt hed gar mängs vertribä,
yyseri Suppä, diä fisch blibä;
alt-èrprobt und eewig jung:
Suppä haltet äim im Schwung!
Und wenns chlämmt ... weer bringts zum Chlepfä?
Sicher diä, wo gand ga schepfä.
Was da d Chuchi anäträit,
wird sèrwiärt mit Luscht und Fräid.
Diä, wo choched, diä, wo schepfed ...
wissed, dass si niämert schrepfed ...
Jeedä wäiss, wo uumäspringt,
dass är hiä a Taat vollbringt,
wo nyt z tuä hed mit dä Frankä,
mit em Rüäm und zweemal «Dankä».
Nai, mer macht ganz äifach mit,
wyl trotz hochmoodärner Zyt
hälffä scheen und neetig isch,
wenn äs fir ä Mitmänsch isch.
So de hemmer hundert Jaar,
und wäred also Jubilaar ...
Doch, miär chent statt jubiliärä
äu ä Blick i Zuäkunft riärä.
Alles säit: S muäss wyttergaa!
Guät, äs sind ä Hüüffä daa.
D Frag isch nur: Weer isch derbyy,
wenn äs haisst am Poschtä syy?
Ich wett diä jungä Lyt üffchlepfä:
Chemed äinisch äu cho schepfä!
S isch än Eeräsach, ä Hit
und mer fyylt sich wool dèrmit.
Garantyy gäbts de sogar:
grad nu äinisch hundert Jaar.
Interessante Links:
Gemeinde AltdorfUrner Spezialitäten findet man bei nächstem Link. Die Liste der Rezepte, die man dort entdecken kann:
Urner SpezialitätenMiär wyyschet ä Güetä!
Altdorfer Beenälisuppä /Bohnensuppe aus Altdorf
Ürner Chääsuppä / Brotsuppe mit viel Käse
Ziigermaneschträ / Zigersuppe
Magroonä und Giimelmeckä / Hörnli und Kartoffeln
Altdorfer Magroonäpaschteetä / Blätterteigpastete mit Fleisch und Spaghetti
Tomatäsalzä / Tomatensauce
Ryys und Boor / Reis und Lauch
Älplermagroonä / Hörnli, in Milch gekocht / Originalrezept
Chabis und Schaffläisch / Kabis und Schaffleisch
Schwyynigs und Cheschtänä / Geräuchertes Schweinefleisch
Schnitz und Drundert / Dörrbirnen mit geräuchertem Schweinefleisch
Gstungetä Pullis oder Biirägstunggis / Birnen-Kartoffel-Brei mit Zwiebeln
Häiberripräägel und Poläntä / Heidelbeer-Mus mit Polenta
Poläntä / Polenta
Wyyfisch / Geröstetes Brot mit Weinsauce
Fliälär Hechtschnittä / Hecht mit Weissweinsuce nach Flüeler Art
Nytläryys / Reisgericht mit Rahm
Schächätaler Nytläryys / Schächentaler Reisgericht mit Rahm
Schwarzes / Schwarzer Kaffee
Wyy Schwarzes / Schwarzer Kaffee mit Wein
Tschuggälaadä Schwarzes / Schwarzer Kaffee mit Schokolade
Brischtner Nytlä / Gedörrte Birnen mit Rahm
Chnyywplätz / Fasnachtsgebäck
Seedorfer Paschteetä / Seedorfer Pastete
Fliäler Paschteetä / Pastete Flüeler Art
Siiläner Paschtetä / Kirchweihgebäck aus Silenen
Ürner Paschteetä üs Schattdorf / Urner Pastete aus Schattdorf
Ziigerchrapfä / Krapfen mit Ziegerfüllung
Chabis und Schaffleisch findet man allerorts auf der Speisekarte. Hier verrate ich ein Geheimnis aus der besten traditionellen Küche:
Man nehme nur das beste, magere Schaffleisch (Ragout) und dieses wird mit viel Knoblauch und Zwiebeln angebraten. Das gröbste Fett wird dann wegschüttet. Neues Fett dazugeben( pflanzl. Oel und Bratbutter). Dann den Chabis nach dem Schaffleisch im gleichen Fett ganz kross anbraten (MUSS bräunlich werden), dann ablöschen (Wein und Bouillon) Das Ganze sehr langsam, bei niederer Temperatur köcheln lassen (Bräter im Ofen bei ca. 120 °C (nicht mehr). Das sind die Tricks, die den Eintopf gut machen!
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Föhnsturm deckt Hausdach ab
Unteres Reusstal Böen von über 143 km/h
Urner Wochenblatt, Mittwoch 23. Dezember 2009
Noch am Montagmorgen, 21. Dezember, mass die Meteo-Schweiz-Station in Altdorf eine Temperatur von -2,8 Grad Celsius. 24 Stunden später waren es 10,6 Grad. Zwischen diesen 13,4 Grad lag ein gewaltiger Föhnsturm, der um zirka 21.00 Uhr seinen Höhepunkt erreichte. In Altdorf wurden Windböen von 140,4 km/h gemessen, an der Isleten gar 143,2 km/h.
In jener Föhnnacht wurde an der Seedorferstrasse in Altdorf ein Teil eines Hausdaches abgedeckt. Da Ziegel lose herumflogen, musste die Seedorferstrasse zwischen der Giessenstrasse und der Seedorferbrücke gesperrt werden, erklärte Polizeisprecher Karl Egli auf Nachfrage des Urner Wochenblattes.
Zwischen 23.50 und 1.50 Uhr war auch die Allmendstrasse zwischen der Reusstrasse und der Flüelerstrasse für den Verkehr unpassierbar, da sich ein Blech wegen des starken Windes in der Hochspannungsleitung verfangen hatte und entfernt werden musste. - Verletzt wurde niemand, die Höhe der Sachschäden ist noch nicht bekannt. (ma)
Es ist der 21. November. Auf Besuch ist heute wieder einmal der älteste Urner, der Föhn. Mit seinem warmen Atem sorgt er dafür, dass (nicht nur) in Bauen die Vegetation südliche Wärme einsaugt. Der kämpferische Wind zerzaust die Palmen und Bananenbäume, rüttelt an den Kakteen und an den Feigenbäumen, er schüttelt die bunten Blätter von den Ästen und zaubert mit ihnen bunte, bewegliche, schwankende Teppiche auf den See. Er pustet weisse Schaumkronen auf die Wellen, und treibt quirlige Wassergeister auf die Seeoberfläche. Gerne bläst er sie manchmal bis zu den Fenstern der ufernahen Häuser, und lässt das Wasser bei der Friedhofmauer hoch hinauf spritzen. Wenn er nicht grad mit dem Wasserfall am Oberbauen spielt, fegt er die Schneereste weg.
Schmerzt der Kopf, zwicken die Glieder, zwacken die alten Operationsnarben, klopft das Herz, möchte man euphorisch zehn Arbeiten aufs Mal ausführen, ist man abgeschlagen und im Strassenverkehr unkonzentriert, wird das Nervensystem positiv oder negativ gereizt, schwankt der Blutdruck, wird man vor lauter freiwerdender Energie von purer Lebensfreude gepackt, vor allem wenn die Fernsicht alles in die Nähe rückt, spielen die Gefühle verrückt, treiben die bunten Segel der Surfer plötzlich in Windeseile bei der Isleten ihr elegantes Spiel: ganz klar, der Hexenwind, der Föhn ist daran Schuld! Der treibt es bunt mit den Wellen und mit uns, manchmal verweilt er mehrere Tage.
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Der Urnersee ist sein Lieblingstummelplatz. Der Reussgletscher hat die Rinne des Urnersees fast genau in Nord-Süd-Richtung ausgehobelt und damit eine beinahe 10 km lange, relativ schmale Rinne mit hohen Steilufern geschaffen. In diesem engen Tal kann der Föhn innert kürzester Zeit gefährliche Stürme mit hohen Windgeschwindigkeiten und starkem Wellengang auslösen.
Die wohl berühmteste Schilderung des Urnersee-Föhns finden wir bei Friedrich Schillers "Wilhelm Tell". Den Helden lässt er folgende Worte sagen:
"Die schnellen Herrscher sind's, die kurz regieren.
Wenn sich der Föhn erhebt aus seinen Schlünden,
Löscht man die Feuer aus, die Schiffe suchen
Eilends den Hafen, und der mächt'ge Geist
Geht ohne Schaden, spurlos, über die Erde.
Ein jeder lebe still bei sich daheim,
Dem Friedlichen gewährt man gern den Frieden."
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Johannes Scherr wird vom Föhn auf folgende Art inspiriert:
Die Tochter der Luft
Und überm Bergkamm und heran die Halde,
Den Säbel über'm Kopf, des Rosses Bauch
Fast auf der Erde, auf, herüber, vor,
Entgegen durch die eisernen Gassen schnaubend,
Zusammenschlägt die sausende Reiterschlacht,
Ein wirbelnder, rasender Föhn; antreten zwanzig
Mal tausend ihren schwirren Schwertertanz,
Verschlingend paarend sich zum furchtbaren Reigen;
Trompeten schmettern, Nüstern schnaufen den Chorus,
Die stählernen Lüfte sprühn, der Boden funkt;
Vom trappelnden Tritt der Tanzplatz schwankt, und wenn
Die wirbelnden Paare sich fassen, lassen nicht los
Sie wieder, halten sie fest, bis rot der eine,
Der andre blass, herunter von Leib und Leben:
Als tanzte Tod und Teufel auf Mont St. Jean
Den Bergtanz wieder mit hunderttausend Füssen.
Zertreten werden Bataillone, kalt
Zusammengehauen ganze Regimenter;
Vorwärts, zurück, Flut, Ebbe, Flut, schiebt hin
Und her sich die metallene See.
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In der Geschichte "Der weisse Tod" von Rudolf Stratz ist mit grosser Dramatik vom Föhn die Rede. Obwohl dieser Wind um das Matterhorn prescht, und nicht über den Urnersee, ist die Beschreibung dennoch eindrücklich:
"Ein Donnern und Heulen ging durch die sturmbewegte Luft, ein Brüllen, wie die Hetzjagd böser Geister, die in dem strudelnden Nebel- und Wolkenmeer ihr Wesen trieben. Zwei Gewaltige rangen da miteinander: der Föhnsturm und das Matterhorn. Aus dem Süden, aus der Glut der italienischen Sonne kam der Föhn daher und stürzte sich gierig in die kalten Alpentäler. Die Lärchenwaldungen krachten und prasselten, in hundertästigem Gewirr zusammenstürzend unter seinem flammenden Hauch; die Sennhütten fegte er, einen Haufen wirbelnder Schindeln und Balken, spielend über die Matten und blies mit seinem Sturmesatem die Wolken am Himmel in Fetzen auseinander. Aber an dem starren Steingespenst, das höhnisch über diese Wolken hinausgrinste, da zerschmetterte sich seine Kraft. Die Felswände hielten den Anprall auf. Wohl stürzten von ihnen haushohe Blöcke zu Tal, und rieselndes Schuttgeröll glitt über die schroffen Platten nieder; wohl schien es, als wanke der ganze Riesenbau, wenn ihn der Orkan brüllend an den Schultern fasste und schüttelte und rüttelte, aber immer wieder teilten sich machtlos die zerschellten Luftwogen an den Klippen und strudelten ziellos an den Schründen des Abhangs dahin. Es stöhnte in allen Klüften, es fauchte in den Spalten des Gesteins und zischte wütend um die ragenden Zacken, und in diesen Wirbeln tanzten und stiegen, zusammengeblasen, auseinandergerissen und in tollem Spiel zu neuen Fetzen und Klumpen sich einend, die ungeheuren grauen Schwaden.
Weiter unten, gegen das Tal hin, entströmte triefender Regen dieser schwankenden, haltlos durcheinander flutenden Dunstwelt. Hier oben aber sprühte es in der Ferne glitzernd weiss aus den herantreibenden Wettern. Was sie an Schneeflocken besassen, das schüttelten die Wolken in wilden Würfen, in millionenfachem, weissem Gewimmel in den Sturm hinein aus, der jauchzend das Spielzeug empfing. Hier stäubte er es wagerecht über die aufgepflügten Schneehänge hin, dort musste es in schrägen Strahlen an der Felswand branden, da wieder liess er es durch Felsentrichter in sausendem Gewirre kreisen und blies es nach oben, nach den Wolken zurück, von denen es stammte.
Sein ungeheures Gebrüll verschlang alles andre. Sein Feind, das Matterhorn, konnte dagegen nicht aufkommen. Das bisschen Lawinendonner und Krachen abstürzender Bergmassen, das verhallte spurlos in dem Jauchzen und Gellen der entfesselten Sturmgeister, die, in wirbelnde Schneeflocken gehüllt, die Wände umkreisten."
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Rudolf Baumbach braucht den Föhn als Kulisse für eine Selbstmordgeschichte (Zlatorog, Kapitel 15):
"Horch, wie der Föhn durchbraust die Nacht,
Horch, wie im Wald die Tanne kracht!
Wehe, wehe dem Unglücksmann,
Trifft ihn der Sturm in den Bergen an.
Betet ihr Frauen, betet!"
Conrad Ferdinand Meyer dichtet:
In einer Sturmnacht
Es fährt der Wind gewaltig durch die Nacht,
In seine gellen Pfeifen bläst der Föhn.
Prophetisch kämpft am Himmel eine Schlacht
Und überschreit ein wimmernd Sterbgestöhn.
Was jetzt dämonenhaft in Lüften zieht,
Eh das Jahrhundert schiesst, erfüllts die Zeit -
In Sturmespausen klingt das Friedelied
Aus einer fernen, fernen Seligkeit.
Die Ampel, die in leichten Ketten hangt,
Hellt meiner Kammer weite Dämmerung.
Und wann die Decke bebt, die Diele bangt,
Bewegt sie leise sich in sachtem Schwung.
Mir redet diese Flamme wunderbar
Von einer windbewegten Ampel Licht,
Die einst geglommen für ein nächtlich Paar,
Ein greises und ein göttlich Angesicht.
Es sprach der Friedestifter, den du weisst,
In einer solchen wilden Nacht wie heut:
"Hörst, Nikodeme, du den Schöpfer Geist,
Der mächtig weht und seine Welt erneut?"
Florian Lusser preist die Sonnenseiten des Föhns:
Wend's Bliemli syfzget underem Schnee,
D'r Bür nyt z'hirtä hed am Veh,
Dä hilft kei Sunnäschtrahl nu Glüet,
Wenn nid d'r Fehn äu hälfä tüet.
Hermann Hesses Föhn:
Am Ende jedes Winters kam der Föhn mit seinem tieftönigen Gebrause, das der Älpler mit Zittern und Entsetzen hört und nach welchem er in der Fremde mit verzehrendem Heimweh dürstet.
Wenn der Föhn nahe ist, spüren ihn viele Stunden voraus Männer und Weiber, Berge, Wild und Vieh. Sein Kommen, welchem fast immer kühle Gegenwinde vorausgehen, verkündigt ein warmes, tiefes Sausen. Der blaugrüne See wird in ein paar Augenblicken tintenschwarz und setzt plötzlich hastige, weisse Schaumkronen auf. Und bald darauf donnert er, der noch vor Minuten unhörbar friedlich lag, mit erbitterter Brandung wie ein Meer ans Ufer. Zugleich rückt die ganze Landschaft ängstlich nah zusammen. Auf Gipfeln, die sonst in entrückter Ferne brüten, kann man jetzt die Felsen zählen, und von Dörfern, die sonst nur als brauen Flecken im Weiten lagen, unterscheidet man jetzt Dächer, Giebel und Fenster. Alles rückt zusammen, Berge, Matten und Häuser, wie eine furchtsame Herde. Und dann beginnt das grollende Sausen, das Zittern im Boden. Aufgepeitschte Seewellen werden streckenweit wie Rauch durch die Luft dahingetrieben, und fortwährend, zumal in den Nächten, hört man den verzweifelten Kampf des Sturmes mit den Bergen. Eine kleine Zeit später redet sich dann die Nachricht von verschütteten Bächen, zerschlagenen Häusern, zerbrochenen Kähnen und vermissten Vätern und Brüdern durch die Dörfer.
Der Föhn, der Regisseur
Eine wunderbar lebendige und spannende Schilderung des Föhns findet man auf der Homepage www.mesenkamp.com/foehn.htm
Hier ein kleiner Ausschnitt davon:
"Die vielgestaltige Wettererscheinung des Föhns fasziniert immer wieder viele Zeitgenossen. Sei es, wenn er mit ungebändigter Wucht und Macht in ein Alpental einbricht und die weit unten eingebettete zähe und graue Nebeldecke oftmals begleitet von Sturm- oder Orkanböen mit brodelnder Heftigkeit wegwalzt. Frühling mitten im Winter, er schafft das schier Unmögliche. Denn der Wind der Winde putzt seine Alpentäler mit Vehemenz frei, klickt den Zoom an und zaubert phantastische Blicke auf urplötzlich zum Greifen nah scheinende silberglänzende Gipfelgrate der Alpen. Im Winter räumt er ganze Kaltluftseen aus, an deren Rand man die bizarrsten Schauspiele erkennen kann, wenn der stürmische Fallwind mit seinem Wärmeüberschuss und gar wüstenähnlich geringer Luftfeuchtigkeit auf die 10-15 Grad kältere Nebelluft trifft. Da ist dann selbst der leibhaftige Wettermann alias Kachelmann aus dem Häuschen und liefert dazu in seiner Meteoshow gar spektakuläre Bilder. Denn der Foehnwind lässt dann die Berggeister los, und formt aus der zerrissenen Nebelluft gar furchterregende Figuren, die Fauchen und Heulen und laufend ihre bedrohliche Gestalt verändern. Die kleineren Alpenbewohner bekommen dann und wann gar einen furchtbaren Schreck. Aber keine Bange, es dauert nicht allzu lange, denn der Föhn hat die Sache voll im Griff und schwuppdipupp gibt er den Geistern keine Chance und wischt ihn weg den Nebelscheiss. Strahlt dazu aus einem ausgedehnten Föhnfenster die helle Lampe vom tiefblauen Himmel herunter, dann dürfen sich die Talbewohner bedingt durch die aussergewöhnlich reine Luft über eine Lichtintensität freuen, die die Landschaft in einer satten konturenscharfen Farbtiefe präsentiert wie ansonsten kaum im Jahr. Die Landschaft völlig neu erschaffen, erstrahlet in völlig neuem Lichte. Auch das Himmelsgewölbe gemeinhin als Föhnhimmel bezeichnet, formt er ganz chaotisch nach seinem Gusto. Den Alpenhauptkamm überzieht er mit einer gigantischen an Ort und Stelle verharrenden sogenannten Föhnmauer, die leeseitig sich ständig aufzulösen scheint aber laufend von Luv her Nachschub bekommt. Leeseitig der Föhnmauer kann man auf dichtere kompakte Schichtbewölkung mit mächtigen zigarrenförmigen Wolken treffen die Föhnrotoren. Aber auch heitere Phasen verursacht durch wolkenarme Zonen zwischen den Altocumulus lenticularis Wolken geben den Blick frei auf das oberste Wolkenstockwerk mit vereinzelt vorbeiziehenden Cirrostratuswolken. Der Föhnwind ist eben nicht nur ein Wetterelement, sondern er kann eben mehr als nur mal den Lenz zu simulieren, denn er lässt uns seine südländische Ungestümheit spüren. Durchatmen statt keuchen, denn der Föhn bringt partikelarme reine Luft mit wie sonst kaum ein Wetterphänomen. Kein Zweifel, der Föhn ist nicht nur Wind, er gestaltet, macht Wetter, er ist der Regisseur."
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Und zum Ende kommt Florian Lusser zu Wort:
Är bricht eim Dächr, Baim und Pfeischter,
är lärmt und spukt wie beesi Geischter.
Yer Lytä! Tiend em d'Ehr nur a,
D'r Fehn, der isch ä stolze Ma.
Der stolze Mann war heute mit uns gnädig, Dächer, Bäume und Fenster sind noch ganz. Bald wird eine neue Wetterlage den "bösen Geist" vertreiben, er wird geschwächt den See wieder in Ruhe lassen und die Surfer heim schicken. Und ich? Ich wische eine Ladung Herbstblätter zusammen und werde nächste Nacht versuchen, besser zu schlafen!
... und die Damenwelt wird wieder für eine Weile ohne Gratis-Behandlung des Coiffeurs Föhn auskommen müssen, um so hübsch frisiert zu sein wie mein Model Claudia.
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Der Text auf der Gedenktafel nahe bei der Tellsplatte lautet:
AM WEISSEN-SONNTAG, DEN 1928
VERUNGLÜCKTEN
VOM FÖHNSTURM ÜBERRASCHTEN
DIE MITGLIEDER DES SEEKLUB URI:
OSKAR STALLER, 1911
WALTER FRISCHKNECHT, 1909
MARTIN Wipfli, 1896
Wie Fliälä wordä isch
Gedicht von Heinrich Danioth
1
Wiä diä altä Schriftä sääged,
syg äss Derffli i der Gääged
vom Grüänbachtoobel äinisch gsy.
Vill Choorä, ja sogar nu Wy
syg ded ussä gäägän Axä
uf ämä fäissä Boodä gwaxä.
Überhäüpt syg lüüter Säägä
uff dem hibschä Gmaintli gläägä.
Aber wiän äs halt cha gaa,
isch äü i diä Birger daa
mit dä vilä güätä Jaarä
näiwis wiä der Tyfel gfaarä.
Si hend ob dem Trank und Ässä
iri Chrischtäpflicht vergässä,
hent mit Fäschtä-n-unt Plagiärä
aafä-n-iräs Gält verriärä.
2
Äiss Taggs aber chund ä Fräu,
diä lüäget firsi und gseet gnäu,
chlopfed uuf ä Tisch und säid:
"Näi - jetz Tüäts äss de bimäit!
Heeda - hee! Iär rytted z hooch,
schtyged aooä - d'Schtraaf isch nooch!
Gseend er nid ass iär am Rant
vo der tiäfschtä Hell züä schtand?
Cheered um! - Susch chund ämall
hinnäfiirä-n-uusäm Tall
äinä ych cho Ornig machä!
Dee git's wäärli nymee z'lachä"
Drüff hend all diä schlächtä Choogä
iräs Müül ersch rächt verzoogä,
hent nur glached: "Gheersch Katry -
Fiirä midäm beschtä Wy!"
3
Ysäri Fräü, diä redt vergääbä.
Wyter gaat dass Chilbilääbä,
jupidibui - nur immer luschtig,
unt diä Fräü packt iri Ruschtig,
ziggled um - am Schärmä züä,
see-üf obsi under d Flüä.
Nur ä parr, wo gmerkig sint,
gend ärä naa mit Wyb und Chint.
Nur ä parr chennts nimmä lydä,
ass mä deeräwägg cha gydä!
Diä wo blybed, wo si näschted,
hent nit lang me wyttergfäschted.
Wass diä Fräü versprochä hed,
ärwaared si vo a bis zätt.
4
Summer isch unt dippig häiss,
und äs Wätter wiä nu käiss
ziät si zäämä-n-a dä Steckä,
verhänkt si wiä mit schwarzä Seckä.
Dimmri Nacht ist ufämall
ibärem täiffä Grüänbachtall.
Häi wiäs funket, brinnd und blitzt!
Loos, wiäs donnäred unt chroosed.
Grüüsig, wiä dass naachätoosed.
Aber ds ärgscht isch jetz der Bach!
Woll, derr wird uf äinisch wach,
waxt und stygt unt zerrt am port -
und schläipft grossi Tannä fort.
Rysst und schränzt unt zerrt am Wall.
Z Boodä läid är Hüüs unt Stall.
Und i Dräck miänt Mäntsch und Vee!
Woonä müäss hiä niämmer mee!
5
Pletzli i dem Duuränant
riäfts lüüt fiirä uss der Gant,
riäfts vom Zäissig nitsi züä:
"Fliänt, o fliänt doch under d Flüä!"
I dem unerchanntä Krach
riäfts äss dytli ubärä Bach
und äss teent vo wytem här,
wiäs der Herrgott sälber wär!
Wer das nit verstandä hed,
läid äs inäs Tootäbett,
in äs Bett vo Schutt unt Stäi,
wo-n-är blybt mid Hüüd unt Bei.
6
So isch iinärä churzä Zyt
wirkli alles zäämä ghytt,
wass so stolz und gottvergässä,
isch am Grüänbach ussä gsässä.
S hed ä soo halt miässä sy!
Nuusädee! S isch längst verby!
Diä, wo fromm uff Gott vertrüüwed,
hend am See vo nywwem püüwed.
Ganz im Schärmä vo der Flüä,
undäräm Grundbiälfelsä züä,
wiäs, diä Fräü hed wellä haa.
Ja, dass Dorf staad hitt nu daa.
Fliälä häissts unt lyd - juhee! -
prächtig scheen am Ürnersee!
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Interessante Links :
Gemeinde Flüelen Heinrich Danioth Danioth der Dichter Danioth der MalerNoch mehr von Danioth fand ich auf http://www.linsmayer.ch/D/DaniothHeinrich.html. Da geht es um sein Urner Krippenspiel. Man liest:
Heinrich Danioth
Am Weihnachtsabend 1945, als es noch Brauch war, sich vor dem Radio zu versammeln wie später vor dem Fernseher, brachte Beromünster nach den Nachrichten und Mozarts Jupiter-Symphonie die Hörspielfassung des Urner Krippenspiels von Heinrich Danioth zur Uraufführung. Der Künstler, der seit dem Skandal um die Fresken am Bundesbrief-Archiv Berühmtheit erlangt hatte und vielen als Nebelspalter-Karikaturist ein Begriff war, trat damit erstmals auch ausserhalb des Urnerlandes als Dichter in Erscheinung.
Danioths Urner Krippenspiel ist im Oktober 1944 während eines unfreiwilligen Aufenthalts in einer eingeschneiten Alphütte entstanden. Angesichts der unmittelbaren Bedrohung durch die Schneemassen und der ferneren durch den Krieg müssen Danioth damals die Menschen wie hilflose Marionetten vorgekommen sein. Darum wohl konzipierte er sein Stück als Marionettenspiel und liess es in dieser Form am 14.Januar 1945 in Altdorf durch die eigens dafür gegründete Gruppe "Gelb-Schwarz" uraufführen. Danioth verlegt das Weihnachtsgeschehen in die tief verschneiten Urner Berge seiner unmittelbaren Gegenwart. Maria und Josef sind Emigranten, die von den Häschern Bruno und Nero, Hitler und Mussolini!in das einsame Bergtal gehetzt werden. In der Begegnung mit den Flüchtlingen kann sich der Wegknecht Joder, um dessen Seele Gott und Teufel eine Wette abgeschlossen haben, bewähren. Allerdings besteht der Urner die Probe nur ganz knapp: er schickt zwar die Emigranten nicht weiter, doch er weist ihnen nur seinen verlotterten Gaden zu, wo der "Scheibenhund" sie erschrecken wird. Wie es sich für die Gattung gehört, endet alles in Versöhnung. Bruno und Nero finden, dies ein Lob auf das Alpen-Réduit!, in einer Gotthard-Lawine den Tod, die drei Könige besuchen auf Skis das Jesuskind, der Welt wird der weihnachtliche Frieden verkündet, aber auch aufgetragen: "O öffnet eure Herzen weit / den vielen ungezählten / Verarmten und Gequälten!"
Das Stück zeichnet sich aus durch die meisterhafte Verwendung von Hochsprache und Dialekt. Mit deutlicher Anspielung auf den Missbrauch des Deutschen durch den Faschismus wendet es sich mittendrin demonstrativ dem Urner Dialekt zu und gewinnt in Passagen wie der Hass-Litanei des Teufels eine eindringliche Sprachgewalt. Sein zweites bedeutsames Stück übrigens, das Lawinen-Hörspiel Der sechste von den sieben Tagen, hat Danioth 1951 dann ausschliesslich hochdeutsch geschrieben, weil ihm "das Menschliche diesmal wirklich über das Urnerische" ging. Mit seinem Urner Krippenspiel von 1944/45 aber hat der in seiner Bedeutung noch immer unterschätzte Künstler Danioth einen wichtigen Beitrag zum Schweizer Mundarttheater geleistet und uns ein Stück hinterlassen, das auch heute noch auf unsentimentale Weise echte weihnachtliche Stimmung zu erzeugen vermöchte.
Das Urner Krippenspiel liegt gedruckt vor in Band 2 von Heinrich Danioth, Werke in 3 Bänden, NZN-Verlag, Zürich 1973.(Literaturszene Schweiz)
Auf http://www.top-of-uri.ch/_pages/Steile%20Weilt.htm befindet sich ein Text von H. Danioth "Die steile Welt" betreffend:
Steile Welt
"Diesen Blättern, soviel sie auch von ihr bezeugen, sei nicht Hymnus auf die Heimat vorgetragen. Denn alles Liebe, so denk ich mir, erfasst nur stets die Hälfte. Und meine Heimat ist führwahr Prunkkammer Gottes und Irrgarten des Teufels zu gleichen Teilen. Näher als ein Lobgesang läge mir da schon die Widerrede an jene Immerbereiten, die so leichthin rühmen und durch die Unzahl ihrer Worte blenden. Von dem was ihm zutiefst bewegt, sei es vom Guten oder Bösen her, spricht niemand gern. Der Jüngling hütet das Geheimnis seiner Liebe. Und der Seemann soll, so wird berichtet, nicht von der See, der Krieger nicht vom Kriege reden. So auch verschweigt der Mensch des Berglandes seine Berge. Er ist aus Art und aus Gewöhnung zu verschämt und scheu und wird sein Inneres kaum in lautem Ton veräussern. Vollends verstummt er aber unter dem Gewichte seiner Umwelt. Wohl kann er seine Seele zum Stau mächtiger Gefühle machen - zum Bekenntnis aufrufen, vermag er jedoch nicht die drängende Fülle zu ordnen. Er lächelt leicht ob dem Entzückten und Lauten, die in seine Tore treten - doch seine Lippen sind schwer wie steinerne Zierart und zerbröseln das Wort, noch ehe es zum Einwand wird".
Heinrich Danioth
Die Steile Welt wird neu entdeckt
Gebirge sind Urlandschaften: herb, grossartig, beeindruckend, vielfach unbezähmbar wie Ozeane und Wüsten. Sie sind Gebilde aus Stein und Eis, hoch droben menschenfeindlich und fast unnahbar. Da, wo es möglich war, haben es Menschen seit Jahrtausenden verstanden, diese Landschaften zu nutzen und ihnen Lebensgrundlagen abzuringen. Die Alpen wurden so zu einem einzigartigen Kultur- und Lebensraum. Heute ziehen die Alpen jedes Jahr Millionen von Touristen in ihren Bann - Wanderer, Bergsteiger, Kletterer, Skifahrer und Trendsportler gleichermassen. Die mobile Gesellschaft hat sich der Alpen bemächtigt und sie vielerorts ihren schnelllebigen Bedürfnissen angepasst. Damit laufen die Alpen heute Gefahr, zum Spielplatz zu verkommen, zur Kulisse für "Trend & Action". Doch dem ist nicht überall so. Man besinnt sich auf die ursprünglichen Lebensformen, und mehr Menschen denn je sehnen sich nach intakter Natur - und das umso mehr, je unwirtlicher das Leben in den Städten wird. Die steile Welt wird neu entdeckt.
Peter Mathis
Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft gibt umfassend Auskunft über Leben und Schaffen des Künstlers auf http://www.sikart.ch/artikel/4023382.pdf
Zu Weihnachten war eine Wärme wie im Sommer
Urner Wochenblatt 19. Dez. 2009
Schnee im August, Wärme im Dezember. Ein Blick in alte Chroniken zeigt, dass das Wetter auch früher ziemlich verrückt spielen konnte.
Artikel von Josef Muheim-Büehler
Aufzeichnungen von Johann Josef Arnold (Spiringen)
1887
29. Mai: Ein Bergsturz am Pfingstsonntag, in Spiringen, sechs Todesopfer
Einsinken eines Stadtteils von Zug in den Zugersee, 11 Todesopfer.
20. Juli Lungern, Wolkenbruch mit Hagel.
15. August wegen Schneefall musste man Stäfel mitsamt dem Vieh verlassen
1888
Grimmiger Winter
15. April höchster Schnee des ganzen Winters
Im Juni nur vier Tage ohne Regen
August viel Regen und Schnee. Reuss schon in Erstfeld bei der Klus ausgebrochen und viele Matten und Heimwesen bis nach Flüelen überschwemmt und in Schutt verwandelt. Wenig Wildheu.
8. August Einsturz der alten Teufelsbrücke
September schon winterlich
November schönes Wetter
Dezember konnte man den ganzen Monat trockenen Fusses auf die Windgälle gehen.
Weihnachten seltene Wärme und bei Jahresende schon blühende Schweinsblümchen.
1889
April Schnee bis nach Altdorf
16. September Schnee und fünf Tage Kälte, dass die Milch auf der Alp gefroren war wie im Winter
1891
Weihnachten warm wie im Sommer
Alfred Schaller-Donauer
"Chronik der Naturereignisse im Urnerland 1000-1800", unter diesem Titel publizierte 1939 der Flüeler Stationsvorstand Alfred Schaller-Donauer eine 14 Seiten umfassende Broschüre.
Zwischen 1343-1795 18 Überschwemmungen des Schächen
1762
Sehr milder Winter, kalter März und warmer April. Am Donnerstag den 8. Juni begann ein feftiger Regen, der sich steigerte bis zum Samstag und sich mit Ausnahme von Ursern, über die ganze Urschweiz ergoss..." In der Folge gab es Rüfenen in der Göscheneralp und im Meiental, einen Felsabbruch in Wassen. Die Meienreuss riss Mühle, säge, Brücke und einen Teil der Strasse weg. Im Maderanertal führte das Wasser den Eisenschmelzofen fort, in Amsteg wurden vier Häuser mit der Mähle und der Hammerschmiede von der Reuss mitgenommen. Fünf Personen fanden den Tod. In Erstfeld standen fast alleHäuser unter Wasser und das Land wurde mit Sand und Steinen überschüttet. In der Seewade verschwanden die Kapelle und ein neues Haus in den Fluten. Von hier weg war die ganze Talebene unter Wasser. Der Weg von Altdorf nach Flüelen war nur mehr dem Berg und Wald entlang möglich, und mit den Schiffen konnte man bis zum Moosbad fahren. Von Wassn bis Seedorf waren fast alle Brücken weggerissen. Wegen den zahlreichen Erdschlipfen im Schächental kam der Schächen dick wie ein Brei. In Unterschächen wurcen grosse Landstücke weggefressen, sowie einige Däden und die Säge vernichtet. Spiringen konnte mit knapper Not die Kirche retten. In Bürglen wurden ebenfalls die Säge und ein Wirtshaus weggeschwemmt. Die Leute von Riemenstalden erwarteten ihren völligen Untergang und Sisikon ging bei diesem Ausbruch fast zu Grunde. Man sprach von einem Strafgericht Gottes und stellte fest, dass solche Wasserflüsse "merkwürdigerweise immer an einem Sonntag" passierten.
1603
"grausame Föhnstürme" am 21. Dezember
1611 drei Tage und Nächte lang ein grausamer Wind
1645
Furchtbarer Westwind von einem Meer zum anderen, welcher ganze Wälder umwarf
1739 Sturmwind im Kanton Luzern 100 Jucharten Wald als Opfer
1709 und 1740 Kältewellen bei denen Wildtiere und Menschen erfroren gefunden wurden.
1566 30 Tage Überschwemmungen mit Folgen (Fieber und Krankheiten)
14.Jahrhundert vier Heuschreckenplagen
"Erlöse uns o Herr von allem Übel, von aller Gefahr, von Pest, Hunger und Krieg". - Diese häufigen Fürbitten bei Gottesdiensten sind der älteren Generation noch gut in Erinnerung. Dem Ursprung dieser Bitten wird man sich bewusst, wenn man die lange Liste von Wassernöten, Trockenheiten, Hitze, Kälte, Erdbeben, Feuer, Stürmen, Hagel, Lawinen, Steinschlägen, Pest, Epidemien, Viehseuchen, gefolgt von Huter und Teuerungen früherer Jahrhunderte studiert. Man findet kaum eine Spur von der oft besungenen "Heilen Welt", und den romantischen "Guten alten Zeiten." Wissenschaft und Technik hat manches Übel gemildert, aber gleichzeitig auch neue geschaffen.
Die Nachtspinnerin / Der Chindlistein
Wenn am Urirotstock das Alpenglühen erlischt und die Nacht den grünen Bergsee des Vierwaldstättersees zu überschatten beginnt, wird es um den See ungeheurig. Und wenn der wilde Alpenwind, der Föhn, aus dem Lande Tells über die Wasser dahinfährt, dass die Wellen wie weissmähnige Rosse gegen Brunnen fahren, hört man aus dem Rauschen wohl ein seltsames Tuten und Brüllen, als ob der Stier von Uri auf dem einsamen Rütli gar gewaltig ins Horn stosse. Dann löschen die im Tale von Schwyz das Feuer im Herd, damit der allgewaltige Föhn nicht aus einem stillen Feuerlein einen Brand aufjage, der die Dörfer im ganzen Land verzehrt. In stillen Nächten aber, wenn's zu Brunnen am Bergsee die Mitternachtsstunde schlägt, sitzt die Nachtspinnerin auf der Leewasserbrücke und spinnt. Ihr hurtiges Spinnrad ist von reinem Silber und der Flachs darauf von lauter lötigem Gold.
Einst lebte zu Brunnen ein Mädchen, das seiner Mutter viel Verdruss machte, denn es war so faul, dass ihm der runde Blechlöffel beim Essen fast zu schwer war. Beim Spinnen aber sah sie immer durchs Fenster, und statt mit ihrem Fuss fleissig das Spinnrad zu treten, nickte sie ein und verschlief die halbe Zeit. Da musste denn die alte Mutter um so emsiger am Spinnrad die Fädelein durch die Finger gleiten lassen, sonst wäre der schöne Flachs zugrunde gegangen.
Eines Tages aber wurde es der Mutter zu bunt, als sie gewahren musste, wie ihre faule Tochter wieder über dem Spinnrad eingeschlafen war. Sie trat zu ihr hin, rüttelte sie unsanft aus dem Schlafe auf und sagte: "Schau auf, du faules Mädchen, und lerne vom Spinnlein, das da im Gestäude vor dem Fenster hängt, wie man spinnen und sich sein Brot verdienen muss!" Da erwachte die Tochter gähnend, und als sie die Mutter also reden hörte, wurde sie böse und sagte: "Wenn Ihr mir so kommt, so laufe ich lieber davon!" - "Ja, geh nur!" sagte die Mutter, "denn das Schlafen kann ich nötigenfalls selbst besorgen." Nun erhob sich die faule Tochter und verliess rasch die Stube, denn jetzt war sie auf einmal gar behend und flinkfüssig geworden. Wie die Mutter durchs Scheiblein schaute, sah sie die Tochter gegen den Bergwald hinauf laufen. Doch sie dachte, wenn's Essenszeit ist und Mittag läutet, kommt sie gerne genug wieder, und liess sie also getrost laufen.
Als aber die Abendsonne das Scheiblein rötete, und als gar die Nacht hereinbrach, ohne dass die Tochter sich blicken liess, wurde die Mutter unruhig. Alle Augenblicke schlurfte sie ans Fenster und schaute in die Nacht hinaus. Aber sie vermochte von ihrer Tochter weder etwas zu sehen noch zu hören. Nur zuweilen jubelte in das Rauschen des Bergsees das Jauchzen der ausrückenden Nachtbuben. Jetzt fing die Mutter an, sich ernstlich zu ängstigen. Es wurde später und später. Die Mutter klebte fast immer am Fenster. Bald sah sie vorne hinaus über den See, auf dem die Nebel wie wandernde Kriegerhorden einen Umgang hielten, und dann wieder hastete sie nach dem Küchenfenster hinten im Häuschen und schaute über das Tal von Schwyz, das der Mond beschien, der über den beiden Mythen stand. Aber auf einmal übernahm sie eine wahre Todesangst. Sie riss die Türe auf, fuhr das Haus hinunter und machte sich in die Nacht hinaus, um ihre faule Tochter zu suchen.
So geschwind es der alten Frau möglich war, stieg sie an die bewaldeten Höhen hinauf und rief überall nach ihrer Tochter. Es dauerte ziemlich lange, bis sie endlich in die Matten bei Ingenbohl kam. Da antwortete auf ihr ängstliches Rufen eine verschlafene Stimme: "Da bin ich!" Die alte Frau ging der Stimme nach und fand bald hinter einer Dornhecke unter einem blühenden Kirschbaum ihre faule Tochter, die sich gähnend die Augen ausrieb und sagte: "Wie spät ist's? Ist's denn noch nicht Essenszeit? Oh, bin ich müd', bin ich müd'!" Da fragte sie die Mutter, was sie denn den ganzen Tag und die halbe Nacht getan hätte, dass sie so müd' sei. Nun stand die Tochter auf und sagte, sie sei vom Schlafen so müd', denn sie hätte hinterm Hag den ganzen Tag und die halbe Nacht geschlafen.
Obwohl nun die Mutter sehr böse wurde ob der Faulheit ihrer Tochter, sagte sie doch kein Wörtlein, denn sie war froh, dass sie sie nur wieder hatte. Dann aber nahm sie das Mädchen bei der Hand, und sie stiegen über ein Steinplattenweglein wieder ins Tal hinab, auf das die beiden Mythen gespenstig herabschauten. Eben schlug es die Mitternachtsstunde.
Als sie nun gegen Brunnen kamen und die Leewasserbrücke aus der Nacht auftauchte, wurde es der alten Frau unheimlich, denn sie bangte für ihre Tochter, die den ganzen Tag so faul war. Sie wusste wohl, dass es auf der Leewasserbrücke ungeheurig war und dass dort die Nachtspinnerin die faulen Mägdlein, die Tags nicht fleissig spannen, nie ungeschoren durchliess. Doch schlug sie ein Kreuz und ging fürbass. Aber auf einmal blieb sie, von Furcht gepackt, stehen und zeigte schweigend nach der Leewasserbrücke, auf der etwas wie eine weisse Gestalt zu sitzen schien. "Siehst du die Nachtspinnerin?" flüsterte sie der Tochter zu. Doch diese lachte laut auf und sagte: "Mich sollt Ihr mit der dummen Nachtspinnerin nicht schrecken; es ist ja nur ein altes, steinernes Heiligenbild, was auf der Brücke steht."
Sie gingen der Brücke zu. Die Mutter sah fortwährend nach der unheimlichen Gestalt, die darauf zu sitzen schien. Die Tochter aber begann ein Lied zu trällern und schaute den Nachtfaltern zu, die sich in den Matten herumtrieben. Jetzt fing die Mutter langsam und zögernd zu gehen an, denn nun sah sie deutlich die Nachtspinnerin im schneeweissen Gewande mitten auf der Brücke sitzen und hörte ihr silbernes Rädlein schnurren. Sie schlug ein Kreuz und flüsterte ihrer Tochter zu: "Mach ein Kreuz und wende die Augen weg, die Spinnerin könnte dir Übles antun, denn heute hast du auch nicht ein einziges Fädelein gesponnen." Aber die Tochter bekreuzte sich nicht. Als sie zusammen über die Brücke an der unheimlichen weissen Spinnerin vorbeigingen, schaute sich das Mädchen frech nach ihr um. Da sah sie ein bleiches Gesicht, und plötzlich ging vom goldenen Flachs, der am Rocken hing, ein jäher Blitzstrahl aus, und geblendet musste die faule Tochter die Augen niederschlagen.
Voll Entsetzen riss sie ihre alte Mutter fort, und also eilten sie über die Brücke, und ohne sich mehr umzusehen, heimzu. Als jedoch die Mutter in der Stube stand und Licht machte, sah sie zu ihrem Schrecken, dass die Tochter sich unsicher den Wänden nach tastete und den Tisch nicht zu finden wusste, worauf die kalte Milchsuppe stand. Da merkte sie, dass die Nachtspinnerin auf der Leewasserbrücke ihre faule Tochter mit Blindheit geschlagen hatte.
Jetzt erst erkannte das arme Mädchen sein Elend, und zeitlebens bereute es seine Faulheit. Denn nie mehr konnte es, wenn die Sonne frühmorgens die Berge vergoldete, aus dem vorderen Fensterlein an den strahlenden Firn des Urirotstockes hinaufschauen, nie mehr am Abend, wenn das Tal von Schwyz in einem rosigen Leuchten schwamm, durchs hintere Küchenscheiblein die beiden Mythen sich röten sehen.
Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Bettina Stelzhammer, Jänner 2005.
Der Hexenstein oder auch Chindlistein in Bauen
Am Tabletbach zu Bauen, im Gut Blybelhölzli (Blüwelholz 1470), befindet sich ein freistehender, haushoher Stein, der Hexenstein genannt. An seiner Westseite sieht man eigenartige Flecken, wie von nassen, schmutzigen Finken hinterlassen. Sie sollen von Hexen eingedrückt worden sein, als sie den Stein als Tanzplatz benutzten. Es sind aber Konkretionen oder Laibsteine. Es handelt sich dabei um Verkieselungen innerhalb des Kieselkalkes. Weil sie senkrecht zur Schichtung angeschnitten sind, machen sie den Anschein von Spuren. - März 2003
Von ihm wird auch erzählt, dass ihn der Teufel an einem Faden gehabt, um ihn an den Abhang ob dem St. Idda Gotteshaus zu ziehen. Als aber das Glöcklein Ave läutete, musste er den Stein fallen lassen.
In anderer Fassung lautet die Sage: "Eine Pfaffenkellerin oder Hexe brachte ihn auf dem Rücken (od: in der Fürscheibe) vom Leiternwald her, um ihn vom Seckigrat aus auf die St. Idda-Kapelle hinunter rollen zu lassen. Auf einmal ertönte das Glöcklein des Gotteshauses; es läutete zum Englischen Gruss. Gleich der erste Klang brach die Kraft der Hexe. Mit den Worten: "Ds Iddi briälet," liess sie den Block fallen, der ins Blybelhölzli hinunter rollte." Oder: "Wo ds Bawer Iddi a`gfangä heig schryä, heig-s-ä miässä la ghyä, " heig-si speeter gseit.
Der Stein umschloss eine Kammer, aus der die Bauer ihre Kleinen holten, und wurden von einer bösen Frau bewacht. Die Kinder nannten ihn Chindelistein. Ein ganz ähnlicher Stein mit Fusspuren sei auch im Berggut Wasseneggli, eine Stunde ob Bauen, zu sehen.
Ereignisse zwischen 1200 und 1300
Im 13. Jahrhundert wird nicht nur der Kompass aus dem Osten eingeführt, der den Schiffen ermöglicht weit weg von den Ufern zu segeln, es ist auch die Zeit der höfischen Liebe, die Minnezeit. Und natürlich auch die Zeit, die Schiller im "Wilhelm Tell" beschreibt, mit dem Rütlischwur und der Geschichte der unterdrückten Eidgenossen.
Weitere Nachrichten aus dem 13 Jahrhundert (Quelle: Wikipedia)
1200 (um) Wolfram von Eschenbach beginnt mit dem Parzival, einem Ritterepos nach einer Vorlage des Franzosen Chrétien de Troyes
1210 Frühe Papiermühlen bei Genua
1211-1234 Die Mongolen erobern unter Dschingis Khan grosse Teile Asiens und Osteuropas und errichten eine mongolische Dynastie in China
1212 Tausende von Kindern sterben auf dem Kinderkreuzzug nach Palästina oder werden in die Sklaverei verkauft
1219 Schwere Sturmflut, "Erste Marcellusflut", an der Nordseeküste, dabei entsteht die Insel Buise, ca. 36.000 Menschen kommen um.
1220 Erste Giraffe im Gefolge Friedrichs II. in Deutschland gezeigt (er hatte schon vorher Elefanten, Affen, Leoparden und andere Tiere seines Zoos mitgebracht
1223 Franz von Assisi gründet den Franziskanerorden
1231 : Stauferkaiser Friedrich II. erlässt das "Edikt von Salerno" (auch "Constitutiones"): die erste gesetzlich fixierte Trennung der Berufe Arzt und Apotheker. Ärzte dürfen keine Apotheke besitzen oder daran beteiligt sein. Arzneimittelpreise wurden gesetzlich festgeschrieben, um Preistreiberei zu verhindern. Das Edikt von Salerno wurde Vorbild der Apothekengesetzgebung in ganz Europa.
1232 Der erste überlieferte Raketenstart fand 1266 im Kaiserreich China statt. Im Krieg gegen die Mongolen setzten die Chinesen in der Schlacht von Kaifeng eine Art Rakete ein. Dabei schossen sie eine Vielzahl simpler, von Schwarzpulver angetriebener Geschosse auf die Angreifer ab. Die Raketen sollten weniger den Gegner verletzen, als die feindlichen Pferde erschrecken. In Europa fand der erste dokumentierte Start einer Rakete 1555 im siebenbürgischen Hermannstadt statt. Der Flugkörper verfügte bereits über ein Drei-Stufen-Antriebssystem.
1234 Das erste mit metallenen Lettern gedruckte Buch der Welt stellt das in Korea erscheinende 50-bändige Werk "Sangdchòn jemun" (Richtschnur der Moral) dar
1239 Der Sängerkrieg auf der Wartburg (Urrätselspiel) entsteht
1243 Das Urner Landessiegel mit dem beringten Stier ist erstmals überliefert
1249 (um) Roger Bacon erwähnt erstmals Brillengläser
1256 Die Mongolen treffen in Mesopotamien ein und zerstören die über 4000 Jahre alten Bewässerungssysteme der Sumerer derart gründlich, dass die Bevölkerung innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums von 25 auf etwa 1,5 Millionen Menschen zurückgeht. Die Anlagen wurden nie wieder aufgebaut
1266 Der arabische Schachgrossmeister Borzago spielt simultan in Florenz. Ohne Sicht auf das Brett gewinnt er zwei Partien, die dritte endet remis.
1268 Der Gebrauch des Spinnrades wird in Paris verboten, um die hohe Qualität der per Handspindel erzeugten Wolle zu schützen
1269 Pierre de Maricourt beschreibt in einem Brief ein Perpetuum mobile auf magnetischer Grundlage. Erste experimentelle Untersuchungen über den Erdmagnetismus
1270 Erstmals werden in Italien geschliffene Bergkristalle und Berylle als Sehhilfen verwendet, es beginnt die Herstellung von Brillen
1275 Marco Polo erreicht China und Tibet. Bis 1292 wird er vom Kublai Khans für unterschiedliche Missionen eingesetzt
1275 (um) Ägidius von Rom beschreibt die Entwicklung des Körpers in der Gebärmutter ("De formatione corporis in utero") und vermutet, dass beide Elternteile die Eigenschaften eines Kindes beeinflussen
1277 Die Genueser erscheinen mit ihren Galeeren erstmals vor der flandrischen Küste (Brügge). Damit wird neben dem beschwerlichen Landweg allmählich auch die direkte Seeverbindung zwischen Italien und den nordwesteuropäischen Wirtschaftszentren wirksam
1278 Der Bodensee überfriert am 21. Februar
1280 (um) Briani erfindet zu Venedig den künstlichen Aventurin, eine Glasmasse, die mit winzigen goldglänzenden Kristallen durchsetzt ist
1283 In Thailand wird die noch heute gültige Schrift eingeführt
1285 (um) "Lohengrin" entsteht, die mittelhochdeutsche Sagendichtung eines thüringischen Fahrenden und eines bayrischen Ritters
1287 Die Luciaflut bricht über East Anglia, in der Zuidersee und an der deutschen Nordseeküste herein, ca. 50.000 Menschen sterben.
1291 Rütlischwur Ewiger Bund der Eidgenossen
1291 Die letzten Kreuzfahrer werden aus Palästina und Syrien vertrieben
1291 Kaufleute aus Genua, Ugolino und Vandino Vivaldi, machen sich mit zwei Galeeren auf den Weg, den Seeweg nach Indian zu entdecken. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.
1292 (/1293) Eine Sammlung von Dantes Jugendlyrik unter dem Titel Vita nuova erscheint in Florenz.
1293 Erdbeben in der Sagamibucht (Japan) mit etwa 22.000 Toten
1294 Oktober bis November: Im Iran sind gedruckte längliche Geldscheine mit chinesischem Aufdruck und dem mohammedanischen Glaubensbekenntnis in arabischer Schrift im Umlauf
1295 Marco Polo kehrt nach Venedig zurück und bringt unter anderem das Rezept für Speiseeis und die Pasta mit.
1296 Eine der ältesten Erwähnungen der Fastnacht findet sich in der Speyerer Chronik des Stadtschreibers Christoph Lehmann von 1612 der aus alten Akten berichtet: "Im Jahr 1296 hat man Unwesen der Fastnacht etwas zeitig angefangen / darinn etliche Burger in einer Schlegerey mit der Clerisey Gesind das ärgst davon getragen / hernach die Sach beschwerlich dem Rhat angebracht / und umb der Frevler Bestrafung gebetten"" (Clerisey Gesind meint die Bediensteten des Bischofs und des Domkapitels, also der Kleriker, in der Domimmunität
1300 In Mittel- und Westeuropa (Deutschland, England, Frankreich) steigt die Bevölkerung seit dem Jahr 1000 von etwa 12 Millionen auf jetzt ca. 36 Millionen an. Für ganz Europa wird die Bevölkerung auf 60 bis 70 Millionen geschätzt.
1300 Beginn der europäischen Tierprozesse (in der Schweiz kam ein Schwein wegen Kindesmord an den Galgen)
Seit unvordenklichen Zeiten lebten die Leute der drei Waldstätten Uri, Schwyz und Unterwalden in Ruhe und Frieden um ihren vielarmigen Bergsee. Kein wildes Kriegsgeschrei ängstigte das Land. Von morgens früh bis abends spät klang durchs Land das Herdengeläute, und durch die Flühe schallte das Jauchzen der Talleute. Am Abend aber wurde durch die Volle von hoher Alp ins tiefe Tal der Alpsegen gerufen. Und wenn der Alpenwind, der Föhn, brausend von den Bergen zu Tal stieg und um die stillen Tätschhäuschen tobte, gingen die tröstlichen Klänge der Kirchenglocken durchs Land. Nur selten kam jemand an die Fähre zu Brunnen, um über den wilden, grünen Urnersee, in dem sich der ewige Schnee des Urirotstocks spiegelt, hinaufzufahren und nach Rom zu pilgern.
Als aber Albrecht, der Herzog in Österreich, deutscher König wurde, war es mit dem Frieden der drei Länder auf einmal aus. Bisher hatten die Kaiser des Deutschen Reiches das Alpenland in den Bergen in Frieden gelassen und hatten sich damit begnügt, die schuldige Reichsabgabe von den drei Ländern entgegenzunehmen. Und die Waldleute befanden sich wohl dabei und segneten Kaiser und Reich.
König Albrecht aber hatte heimlich im Sinn, das wohlgedeihende Land mit den schönen Bergseen seinem Herzogtum Österreich für immer einzuverleiben und das Hirtenvolk zu seinen Untertanen zu machen. Und wie nun die drei Länder das merkten und von ihm als dem deutschen Kaiser und König die Bestätigung ihrer alten Freiheiten verlangten, da schickte er ihre Boten heim, und eines Tages kamen seine Reichsvögte ins Land, um dort zu wohnen und die Länder durch Bedrückung aller Art nach und nach für Österreichs Herrschaft kirre zu machen.
Der gewalttätigste und mächtigste war der Landvogt Gessler, der über Uri und Schwyz regierte. Obwohl er eine feste Burg zu Küssnacht hatte, fing er doch noch eine starke Feste im Lande Uri am Steg zu bauen an, die er höhnisch Zwing-Uri nannte. Ein anderer Landvogt, Beringer von Landenberg, sass auf seiner Burg zu Sarnen ob dem stillen See und Dorf und herrschte über Unterwalden. Auf der Burg Rotzberg nid dem Kernwald hielt er noch einen frechen Edelknecht, den Wolfenschiessen. Auch auf der kleinen Felseninsel im Lowerzersee unter der finstern Rigihochfluh wohnte ein Untervogt.
Diese Landvögte nun trieben es immer frecher. Sie plagten die Leute mit Zehntenabgaben und Frondiensten und machten ihnen auf jede Art das Leben schwer. Da verstummten die Jauchzer auf den Alpen, und der Alpsegen klang wie eine Klage durch die Bergwelt. Und wie's auch die Vögte trieben, die Landleute konnten nirgends Recht bekommen, denn ihr Schirmherr, König Albrecht, hatte ja die Vögte selbst ins Land gesetzt.
Eines Tages wollte der Landvogt Landenberg einem Bauern namens Heinrich an der Halden im Melchtal, dessen Sohn er wegen einer Kleinigkeit gestraft hatte, das schönste Paar Ochsen wegnehmen lassen. Da ergrimmte sein Sohn Arnold, schlug einem Schlossknecht einen Finger von der Hand weg und floh. Racheschnaubend forderte der Landvogt den Sohn vom alten Vater. Doch der wusste nicht, wo sich sein Sohn hingeflüchtet hatte. Da schrie der Vogt: "Ist mir der Sohn entgangen, nehm' ich den Alten!" Und alsobald liess er dem alten Mann die Augen ausstechen, also dass das ganze Unterwaldnerland aufjammerte vor Entsetzen und vor verhaltener Wut.
Der Landvogt auf der Insel Schwanau aber war nicht besser. Er liess eine Jungfrau von Arth in der schönen Bucht am Zugersee, namens Gemma, abfangen, in die er sich verliebt hatte, die aber von ihm, weil er ein Bösewicht war, nichts wissen wollte. Die sperrte er nun in einen finsteren Turm ein und schwor, sie erst herauszulassen, wenn sie ihn liebhaben wolle. Aber sie wollte immer noch nichts von ihm wissen. Da entzog er ihr alle Speise und allen Trank, also dass sie hätte verhungern müssen. Aber sie hatte in Arth einen Liebsten. Der fuhr eines Abends, als der Mond zwischen den beiden Mythen stand, heimlich an die Insel heran. Als er nun unter dem Turm in seinem Fischerkahn stand, warf er so lange mit Seerosen, die rings um die Insel wuchsen, nach dem Fensterlädlein der Jungfrau, bis sie heraussah und merkte, wer ihrer wartete. Aber wie sollte sie vom Turm herunterkommen? Doch weil sie gut schwimmen konnte, empfahl sie ihre Seele Gott und sprang zum Fenster hinaus in den See hinunter. Sie wäre auch glücklich davongekommen, hätten sie nicht die Schlingen der Seerosen unter Wasser gehalten. Als ihr Geliebter ihr nun beisprang und sie herauszog, war sie schon tot. Da bettete er sie weinend in seinen Kahn und fuhr mit ihr leise, wie er gekommen, davon. Zu Arth aber stellte er sie vor der Kirche aus, denn es war eben Sonntagmorgen, als er mit der toten Braut heimkam. Da ergrimmten die Leute und schwuren in ihrem Herzen dem Vogt auf Schwanau blutige Rache.
Am schlimmsten jedoch trieb es der Landvogt Gessler auf seiner Burg zu Küssnacht. Er sagte, er wolle die Bauern so windelweich machen, dass man sie um den kleinen Finger winden könne. Man solle nur warten, bis er die Burg Zwing-Uri fertig erbaut habe. Er brandschatzte die Leute, wie er konnte, und in Uri mussten sie ihm die Steine selbst zur neuen Burg ziehen. Er wurde so frech, daß er am Feste des heiligen Jakob zu Altdorf im Lande Uri auf offenem Platze eine Stange aufrichten liess mit einem Hute darauf und befahl, wer immer vorübergehe, habe sich bei schwerster Strafe vor dem Hute zu beugen wie vor des Kaisers Majestät. Das erfüllte das Hirtenvolk mit tiefem Ingrimm.
Damals wohnte zu Steinen am kleinen See von Lowerz (Lauerz) der Landammann des Tales von Schwyz, namens Werner Stauffacher. Dieser hatte an den Weg ein stattliches Holzhaus erbauen lassen. Als er nun eines Abends mit seiner Frau Margret vor dem Hause auf einer Bank sass, ritt der Landvogt Gessler mit seinen Leuten vorbei. Wie der das ansehnliche Holzhaus sah, hielt er an und fragte: "Wem gehört dies schöne Haus?" Werner Stauffacher, der wohl wusste, wie ihm der Landvogt als dem Landammann von Schwyz übel wollte, antwortete vorsichtig: "Herr, es ist des Kaisers Haus und Euer und mein Lehn." Aber der Landvogt runzelte die Stirn und sagte barsch: "Ich bin an meines Herrn Albrecht Statt Regent im Lande und will nicht, dass die Bauern Häuser bauen ohne meine Bewilligung. Ich werde fürderhin nicht mehr dulden, dass ihr also frei lebt, als wäret ihr eure eigenen Herren. Ich werde euch's künftig zu verwehren wissen!" Damit ritt er hochmütig weiter.
Da sass nun der Stauffacher und grämte sich bitter. Aber seine Frau, eine aufrechte Schwyzerin, legte ihm die Hand auf die Schulter und begann ihm zuzureden, er und die starken Männer des Tales sollten doch diese Tyrannei nicht länger ertragen. Sie sollten sich zusammentun in allen Ländern um den See. Es gebe ja überall so viel zu klagen. Und dann sollten sie beraten, wie sie sich vom Joche der frechen Vögte befreien könnten.
Werner Stauffacher nahm sich die Worte seines wackeren Weibes zu Herzen, und eines Morgens, in aller Frühe, fuhr er in einem schweren Nauen über den Urnersee. Bald sass er zu Altdorf unter dem Bannwald im Hause des Urner Landammanns Walter Fürst. Diesem klagte er seines Landes Elend und Bedrückung und offenbarte ihm, dass er nicht länger gewillt sei, des Landes Schmach mitanzusehen. Walter Fürst war von dem Besuche freudig überrascht. Er stimmte ihm in allem bei, da auch das Land Uri unter diesen fremden Schelmen leide, die des Kaisers Schirmrechte in Herrscherrechte verwandelten und sie bald zu Leibeigenen erniedrigten. Und da zeigte es sich, dass eben auch Arnold von Melchtal in Walter Fürsts Hause verborgen war, dessen Vater der Landvogt Landenberg die Augen hatte ausstechen lassen. Er wurde herbeigerufen, und er beteuerte hoch und heilig, dass auch das Land Unterwalden schon längst zum Aufstande gegen die Bedrücker bereit sei. Nun gelobten sich die drei Männer feierlich in die Hand, alles daranzusetzen, um die Zwingherrschaft der Vögte zu stürzen und dem schwerbedrückten Land die alte gute Freiheit zurückzuerkämpfen. Also machten sie aus, dass nun ein jeder von ihnen, ihrem alten Bundesbrief vom Jahre 1291 getreu, der zu Schwyz heute noch zu sehen ist, in seinem Lande nach vertrauenswerten Talgenossen sich umschauen solle. Danach solle er mit ihnen eines Nachts auf der stillen Wiese beim Mythenstein, die man das Rütli nenne, sich einfinden. Dort wollten sie weiter beraten und den alten Bund der Väter erneuern. Es solle aber sonst die Abrede geheimgehalten werden. Und sie setzten die Nacht fest, in der sie zusammenkommen wollten.
In einer kühlen Bergnacht, am sechsten Tage des Wintermonats nach Martini, da stieg von Seelisberg herab eine Schar Hirten auf die stille, vom Bergsee umwellte Wiese. Es war Arnold von Melchtal mit zehn Talgenossen aus Unterwalden, darunter der Keller von Sarnen und der Winkelried von Stans. "Hier ist das Rütli", sagte einer aus der Schar, "wir Unterwaldner sind die ersten auf dem Platze."
Sie machten ein kleines Feuer an, um das sie sich herumsetzten, der Freunde aus den Ländern Uri und Schwyz gewärtig. Der Mond stand hoch ob den Schneebergen, und sein heller Schein baute einen goldenen Steg über den See. Auf einmal sprang ein Unterwaldner auf und zeigte auf die stillen Wasser hinab, in deren goldenen Schein eben ein schwerer Nauen stach. "Die Schwyzer kommen!" sagte er. Und jetzt tauchte das Schiff vollends auf und näherte sich rasch dem grünen, felsenumzirkten Gelände. Da stieg als erster Werner Stauffacher, der Landammann von Schwyz, ans Ufer, und ihm folgten zehn Talmänner, von denen die Altlandammänner Konrad ob Yberg und Konrad Hunn in gar hohem Ansehen standen. Herzlich begrüssten sie einander am stillen Weidfeuer. Und nun erzählten sich die Hirten von der Länder Not und der Vögte Übermut.
Auf einmal zeigten sich im Gefelse ob der stillen Waldwiese wandelnde Lichtlein, und bald danach stieg Walter Fürst von Uri auf die Waldwiese herunter. Mit ihm kamen zehn Talgenossen, deren angesehenste Werner von Attinghausen und der Meier von Silenen waren. Auch der gehörnte Träger des großen Heerhorns von Uri, des Uristiers, erschien mit ihnen. Mit Freuden wurden sie von den Männern von Schwyz und Unterwalden aufgenommen. Es war schon spät in der Nacht, als sie sich ob den drei Quellen, die auf der Wiese entspringen, zusammentaten und gemeinsam ratschlagten, wie sie ihre Länder von dem Joche der Landvögte befreien könnten. Und als sie nun einig waren in allem, erhoben sich die Talleute der drei Länder von Uri, Schwyz und Unterwalden die Hände und schwuren den ewigen Bund. Und sie schwuren bei Gott und allen Heiligen, was unser liebster deutscher Dichter nachmals so schön in Verse gebracht hat:
"Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,
in keiner Not uns trennen und Gefahr!
Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,
eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.
Wir wollen trauen auf den höchsten Gott
und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen."
Den Aufstand gegen die Landvögte aber hatten sie in offener Abstimmung wie an der Landsgemeinde bis zum kommenden Neujahrstag verschoben.
Jetzt fing es an zu tagen. Um die Bergfesten glühte das Morgenrot, und auch die Firnen begannen sich allmählich zu röten, und langsam dämmerte es über dem stillen Bergsee. Da erhob der Landammann, der mitten im Kreise der Eidgenossen stand, das Schwert und zeigte nach den roten Bergen. "Es ist hohe Zeit, dass wir heimkehren!" sagte er kurz.
Bald raschelte und knackte es im Wald, und von den schmalen Felsenpfaden rollten die Steine in die Tiefe. Die Urner und Unterwaldner stiegen wieder über die Berge in ihre Länder zurück. Auf dem See aber, der nun leuchtete wie ein Fensterscheiblein im Sonnenaufgang, trieb der schwere Nauen der Schwyzer hurtig am Mythenstein vorbei gegen das noch stille Gestade von Brunnen. Im Schiffe aber stand Werner Stauffacher, auf sein breites Schwert gestützt, und sah mit dräuenden Augen nach den beiden Hakenbergen ob Schwyz, ob denen der Morgenstern leuchtete.
Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Bettina Stelzhammer, Jänner 2005.
Link zur Tellsgeschichte:
Die Tellsgeschichte Apfelschuss nicht nur in der Schweiz1512 Ein unbekannter Autor verfasst das "Hüpsch Spyl gehalten zuo Ury in der Eydgnosschafft / von dem frommen und ersten Eydgnossen / Wilhelm Thell genannt". Das Spiel ist das älteste Tell-Drama.
Wikipedia: "Das Motiv vom Apfelschuss ist mehreren europäischen Sagen gemeinsam. Sie stimmen darin überein, dass der Held einen Apfel vom Kopf seines Kindes zu schiessen hat, und dass er einen Pfeil bereit hält, im Falle eines Fehlschusses denjenigen zu töten, der ihm den Befehl gegeben hat. In allen Sagen gelingt der Meisterschuss. Die älteste Version der Sage wird von Saxo Grammaticus über den dänischen Helden Toko überliefert. Dieser soll den Schuss im Auftrag des Königs Harald Blauzahn tun. Auf die Frage, warum er einen zweiten Pfeil bereit gehalten habe, entgegnet er, damit habe er den König im Falle eines Fehlschusses töten wollen. Für diese Antwort wird er mit dem Auftrag bestraft, eine lebensgefährliche Fahrt mit Skiern von einem Felsen zu unternehmen, und besteht auch diese Probe.
In der Version der Thidrekssaga erhält Egil, der Bruder Wielands, des Schmiedes, den Auftrag von König Nidung. Egil soll den Apfel vom Kopf seines dreijährigen Sohnes schiessen und hält für den Schuss auf den König zwei weitere Pfeile bereit. Seine Aussage, er habe bei einem Fehlschuss den König töten wollen, wird nicht bestraft.
In der Sage von Wilhelm Tell, die unter anderem von Aegidius Tschudi und im Weissen Buch von Sarnen überliefert wird, antwortet Tell auf die Frage zunächst, das sei des Schützen Gewohnheit, bis er auf die Garantie hin, dass sein Leben sicher sei, sich zu der mutigen Antwort entschliesst. Der Apfelschuss dient Friedrich Schiller dazu, in seinem Drama Wilhelm Tell die Ermordung des Landvogts Gessler zu motivieren."
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Tellsplatte mit Tellskapelle St. Sebastian
Ausschnitte aus
DIE KUNSTDENKMÄLER DES KANTONS URI
Band II
Die Seegemeinden
Von Helmi Gasser
Birkhäuser Verlag Basel 1986
Geschichte
"Die Tellsplatte als Stätte, an welcher Tell sich durch einen Sprung aus dem Schiff Gesslers rettete, kommt in sämtlichen Varianten der Tellsgeschichte vor, mit Ausnahme des Tellenlieds. Die zeitlich früheste, schriftliche Erwähnung findet sich in dem um 1470/72 geschriebenen Weissen Buch, dessen Befreiungsgeschichte auf eine ältere, um oder nach 1420 entstandene Vorlage zurück geht. Bei der Sprungepisode wird die Platte ausdrücklich "ze Tellen blatten" genannt. Melchior Russ schreibt 1482 "die selb blatt heyss noch hüt by tag Wilhelm tellen blatt". Seit dem späteren 15. Jh. stellte sie eine Denkwürdigkeit der Eidgenossenschaft dar. Dieses klein bemessene Naturdenkmal wurde von den darauf sukzessive errichteten Gedenkbauten zunächst teilweise (bis 1590), dann völlig überlagert und schliesslich für die Errichtung eines begehbaren Nationalmonuments 1879 zerstört."
Beschreibung
"Die Steinplatte, die sich aus dem steilen Felsabfall zungenhaft in den See vorschob, hatte höchstens die Ausmasse von etwa 7 x 6 m. Das winzige Grundstück gehörte seit je der öffentlichen Hand. Es wurde landseits unmittelbar umschlossen vom privaten Anwesen Bittleten, dessen bebaubares Gelände auf einer erhöhten Terrasse am Ansatz des Axenmassivs liegt, "zu Sisickon zu Bittleten uff der Wasserflu". Der enge Umgebungsbereich behielt diesen Namen. Seit dem früheren 17. Jh. wurde jedoch auch die Bezeichnung "bei der Tellsplatte" oder "beim Tellen" gebräuchlich."
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Erste Kapelle
Geschichte
"Eine Kapelle soll 1388 erbaut worden sein. Dass man nach der Schlacht von Sempach und der Erbauung der dortigen Schlachtkapelle (1387) in der Urschweiz auch dankbar der Taten der Anfänge der Eidgenossenschaft gedachte, dürfte immerhin ein Argument zugunsten dieses Datums darstellen. Die erste zeitgenössische Nachricht über eine bestehende Kapelle findet sich in der zwischen 1508 und 1516 entstandenen Schweizer Chronik HEINRICH BRENNWALDS: "wirt sidhar des Tellen platten genempt und ist ein käppeli daruf gebuwen". Die erste bekannte bildliche Darstellung der Tellskapelle enthält ein aus Luzern stammendes, um 1523 entstandenen Relief der Tellsgeschichte. Bedeutsam für die Kapelle wurde die Gründung der "Bruderschaft der Hoch Heylligsten Dreyfaltigkeit zue der Tällen Blatten genambt", 1561, die zu einer Art Trägerschaft der Kapelle wurde. Sie beging von diesem Zeitpunkt an in der Kapelle ein Ewiges Jahrzeit, jeweils am Freitag nach der Auffahrt. Das Jahrzeit bestand aus drei gesungenen Ämtern, das erste zu Ehren der Dreifaltigkeit, das zweite zu Ehren Mariens, das letzte als "Sellen Ambt zum Trost und gedächtnuss Willhelm Tellen von Ury, Stauffachers von Schweytz und Aerni aus dem Melch Thaal von Underwalden", als "ersten Anfängern" der Eidgenossenschaft, sowie aller, welche um des Vaterlands Willen gestorben sind, sowie aller Altgläubigen wegen ihres Glaubens umgekommenen Katholiken. Die hohe Eintrittsgebühr von einer Goldkrone sollte für die Auslagen dieses Jahrzeits, jedoch auch zum "Erhalten", "Erbauen" und "Erbesseren" der Kapelle dienen. In den Zielen der Bruderschaft, welche das Gedächtnis an Tell auf die Drei Eidgenossen ("Drei Tellen") ausweitete, wie auch dem Patronat der Dreifaltigkeit - in deren Name der Bund der Drei Eidgenossen geschlossen worden war -, wird deutlich, dass die Kapelle nun zu einer kirchlichen Gedenkstätte für die Ursprünge der Eidgenossenschaft erhoben wurde. Der - wie aus dem Bruderschaftsverzeichnis hervorgeht - elitären Vereinigung gehörten vorab politisch oder im Kriegswesen Tätige an, die an der Vaterlandsgeschichte interessiert waren und für den alten Glauben einstanden. Unter den Mitgliedern fanden sich stets wieder prominente Auswärtige. Seit der Gründung waren in der Bruderschaft die Spitzen von Gesellschaft und Behörden vertreten. Hiedurch bekam die Tellenfahrt schon von Anbeginn einen offiziösen Charakter. Der Zeitpunkt, zu welchem sie offiziell zur Landeswallfahrt erklärt wurde, und die Kosten der Prozession dann vom Land übernommen wurden, lässt sich nicht belegen. Nicht sicher datierbar auch die Übernahme der Predigt durch die Kapuziner. 1582 wird die jährliche Tellenfahrt in einem Eintrag im Jahrzeitbuch Altdorf als Institution erwähnt, die offensichtlich grossen Zustrom hat."
Beschreibung
"Auf der ältesten Darstellung ist die Kapelle (beim Tellssprung) als geosteter, die westliche Eingansseite dem See zugekehrter, rechteckiger Bau mit Satteldach wiedergegeben, wie auch auf den Darstellungen vom 1547 in Basel und von 1588 in Bürglen. Ein von Stil und Gewandung her in die dreissiger Jahre zu datierender Tellgeschichte- Holzschnitt des Meisters M. S. zeigt die Kapelle in selber Ausrichtung, jedoch mit einem grossen Öffnungsbogen an der Eingansseite, wie an kleinen Wegkapellen oft anzutreffen ist."
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Zweite Kapelle
Geschichte
"Schon seit dem früheren 17. Jh. genoss die Prozession zur Tellsplatte in Uri solche Popularität, dass man den Freitag nach Auffahrt als "Tellenfreitag" bezeichnete. 1645 sicherer Beleg für Übernahme der Prozessionskosten durch das Land, 1682 für die Kapuzinerpredigt. In den erhaltenen Urner Staatsrechnungen kontinuierlich Abrechnungen für die Tellenfahrt. Für 1755 betrugen die Prozessionskosten 17 G. 31 Sch, überdem wurde den Kapuzinern für die Predigt "der gewohnte Saum Wein" (im Wert von etwa 28 G.) zugeteilt. Den Sigristendienst versah der jeweilige Eigentümer des anstossenden Anwesens Bittleten, auch die kleineren Unterhaltsarbeiten wurden von ihm übernommen und aus der Landesrechnung gezahlt. Es fällt auch der halboffizielle Charakter der Dreifaltigkeitsbruderschaft auf: einzig bei dieser Bruderschaft kam das Land für Anschaffungen auf. Im Gefolge der Französischen Revolution und zahlreicher Reisebeschreibungen war die Kapelle um 1800 zu einer vielbesuchten europäischen Sehenswürdigkeit geworden. Auch die Schiffsgesellen führten die Tellskapelle als ihr Wahrzeichen, das auf Fahne und Tafel festgehalten wurde. Im ersten Drittel des 19 Jh. erreichte die Berühmtheit der Tellskapelle einen Höhepunkt, woran das packende Geschichtswerk Johannes von Müllers und insbesondere der gewaltige Erfolg von Schillers "Wilhelm Tell" mitbeteiligt waren. Zu einer besonders glanzvollen Tellenfahrt gestaltete sich die Zusammenkunft des dreiörtigen Schützenvereins, der 1832 in Altdorf tagte und mit 40 Schiffen zur Tellskapelle fuhr. 1865 brachte die Eröffnung der Axenstrasse wiederum einen neuen grösseren Besucherstrom."
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Dritte, heutige Kapelle
Beschreibung
"Der Bau ist architektonisch eine Kopie der alten Tellskapelle. Der neue Beitrag besteht in der künstlerischen Ausstattung, der Ausmalung mit vier Monumentalgemälden durch ERNST STÜCKELBERG (1880-1882). Die Gemälde füllen jeweilen nicht nur ein Bogenfeld aus, sondern erstrecken sich auch auf einen beträchtlichen Teil des unteren Wandfelds. Wegen der Längsrechteckigkeit der Joche ergeben sich an den Schmalseiten breitere Wandfelder. Diese, auch optisch gesondert, werden von den figurenreichen Bildern des Apfelschusses und des Rütlischwurs eingenommen, während die Hauptwand die beiden sich unmittelbar folgenden Szenen des Tellsprungs an der Platte und Gesslers Tod enthält."
"Seitenwand Nord: 1. Tells Apfelschuss. Verbildlicht ist die Szene nach dem Schuss, Tells Antwort auf die Frage nach dem zweiten Pfeil. Hierin gegenüber dem den Apfelschuss wiedergebenden Wettbewerbsentwurf stark abweichend. Im Vordergrund bildbeherrschend die harte Auseinandersetzung zwischen dem Landvogt, der, hoch zu Ross, herrisch auf den zweiten Pfeil wiest, und dem frontal gegebenen Tell, der mit seiner muskulösen Rechten diesen umfasst."
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2. Tells Sprung.
"Linkes Gemälde der Hauptwand. Zur Örtlichkeit der Tellsplatte in direktestem Bezug stehend. Wiederum ist der Augenblick nach der Tat bzw. nach dem Sprung dargestellt. Gegenüber dem Apfelschuss ist die Dramatik verschärft und gesteigert, einerseits das mit Vogt und Schergen schwerbeladene, dem Sturm preisgegebene Boot, anderseits Tell, nach getanem Sprung, mit dem Fuss machtvoll den Nachen zurückstossend, mit der Linken sich an einem Ast festklammernd, mit der Rechten die Armbrust fassend: die heroische Kraft des urtümlich Einzelnen, die sowohl gegen tobende Elemente wie menschliche Übermacht zu siegen vermag."
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3. Gesslers Tod
"Rechtes Bild der Rückwand. Wiederum ist der Augenblick nach dem Geschehen dargestellt. Gessler ist bereits tot auf seinem blauschwarzen Pferd zurückgesunken, von Raben umflattert, auf der Anhöhe kniet Tell, von gelbem Licht umflossen. Die Dramatik gibt stilleren Tönen Raum."
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4. Seitenwand Süd: Der Rütlischwur.
"Gegenüber dem Wettbewerbsentwurf am meisten verändert: anstelle eines stehenden und zweier knienden Eidgenossen drei stehende Männer sowie drei Gruppen von Mitschwörenden. Die drei Hauptfiguren - in der Mitte Walter Fürst, zu seiner Rechten Stauffacher, zur linken Melchthal - sind in Lebensalter, Haltung und pathetischer Gebärdensprache stark differenziert, die Begleitgruppen durch Schilde gekennzeichnet. Ganz am Gemälderand rechts ein Selbstbildnis des Malers mit Schwert, bez. "Stückelberg / Pictor Basil". Im Gewölbe Wappen des Schweizerischen Kunstvereins."
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Urner Wochenblatt, 3. Februar 2010
Vor 50 Jahren
(Korr.) In letzter Zeit ist das Problem der Verschacherung unserer lieben Heimaterde zu einem Anliegen von gesamtschweizerischer Bedeutung geworden und die Diskussion um den betrüblichen "Ausverkauf der Schweiz" wird in allen Volkskreisen und in allen Behörden einlässlich fortgesetzt. Allenthalben wehren sich die zuständigen Instanzen, wehrt sich das Volk gegen eine Veräusserung unseres Bodens zu reinen Spekulationszwecken vor allem an ausländische Konjunkturritter. Was anderswo im Schweizerlande begonnen hat, scheint sich nun leider auch auf den Boden des Kantons Uri ausbreiten zu wollen. Zwei Fälle, welche in diesen Tagen bekannt geworden sind. Müssen die Geister aufrütteln und geradezu alarmierend wirken. Jeder senkrechte Schweizer und Eidgenosse kann keinen Zweifel mehr darüber haben, dass auch bei uns Dinge im Tun sind, welche einer sofortigen und wirksamen Intervention rufen. Doch lassen wir die Tatsachen sprechen:
1.Fall. Vor einiger Zeit wurde in der Urnerpresse bekannt, dass in einer deutschen Zeitung Land im Kanton Uri zum Kauf angeboten wurde mit dem "schmackhaften" Hinweis: "Das Grundstück liegt an der Strasse, welche Goethe auf seiner Italienreise benützte."
2.Fall. In der "Frankfurter Allgemeinen" vom Samstag, den 6. Februar 1960 haben wir folgendes Inserat gefunden: "Vierwaldstättersee (Schweiz). In der Nähe der historischen Tellskapelle sind zu verkaufen 150 000 Quadratmeter Land. Herrlich gelegenes Gelände mit Waldpartie, direkt oberhalb des Sees, in sonniger, geschützter Bucht. Ca. 800 m Strassenfront an der Hauptdurchfahrtsstrasse Luzern-Gotthard-Tessin. Das Land ist ausserordentlich preisgünstig und eignet sich bestens zur Errichtung von Ferienhäusern, Villen oder eines Motels. Auskunft erteilt Chiffre S. 2448 T Publicitas Thun-Schweiz."
Nun, was brauchen solche Tatsachen noch eines langen Kommentars, sie sprechen wohl für sich selbst eine allzu deutliche Sprache. Abgesehen vom geschmacklosen Vorspann Goethes zu reinen Spekulationszwecken finden wir es traurig, dass man für das Erbe unserer Väter keine bessere Verwendung mehr findet als zur Errichtung eines Motels. Die Tellskapelle ist nicht nur für uns, sondern für jeden Eidgenosssen historischer Boden; sie ist die Erde, auf welcher die schweizerische Freiheit und Unabhängigkeit mit Tells Befeiungssprung ihren Anfang genommen hat. Jahr für Jahr strömen tausend und abertausend heimatverbundene Schweizer zur Tellskapelle, um hier dem "Vater des Vaterlandes", dem Freiheitshelden Wilhelm Tell zu huldigen, um hier das Gelöbnis zum Heimatland zu erneuern. Und ausgerechnet dieses Land soll verschachert werden.
Hier sagt das Volk von Uri nein; wir lassen uns unsere Heimat nicht abjagen. Wir verstehen den Kampf des Nachbarkantons Tessin um die Erhaltung seines Bodens und wir sind über zeugt, dass das Volk von Uri gleich denkt. Dieses Gelände am See muss geschützt werden, hier steht nicht irgend ein Land, hier steht historisches Land in Gefahr, das zu erhalten es unter allen Umständen gilt Wir beschwören den unbeugsamen Geist eines Heinrich Danioth, dass er uns helfe; er, der in unverbrüchlicher Heimatliebe und Heimattreue mit heissem Herzen, mit feurigem Pinsel und mit gewaltigem Wort den Hymnus der Urner Heimat als der "Prunkkammer Gottes" gesungen hat, er hat uns den Weg gewiesen. Volk und Behörden von Uri sind aufgerufen, hier Einhalt zu gebieten, denn es ist unser Land, unser Heimatland, das in Gefahr steht.
Video von Tells Werkstatt in Vitznau
| Tells Werkstatt in Vitznau |
Sepp Steiner, alias Wilhelm Tell nicht mehr bei der Schiffstation in Vitznau.
Auf der Homepage
http://www.lakeluzern.ch/de/page.cfm/Erlebnisse/Brauchtum/Tells_historische_Armbrustwerkstatt
erfährt man mehr über die neue Werkstatt:
Entdecken Sie die Faszination vergangener Zeiten. In der original eingerichteten Werkstatt des 14. Jahrhunderts erleben Sie mit allen Sinnen wie seinerzeit die gefürchtete Armbrust hergestellt wurde.
Sie erfahren Wichtiges über Geschichte, Kultur sowie die Geisteswelt des Mittelalters.
Nicht nur die Baumaterialien sondern auch die originalgetreu nachgebauten Werkplätze sowie eine umfangreiche Sammlung historischer Werkzeuge entsprechen der damaligen Epoche.
Der "Verein Historische Armbrustwerkstatt des 14. Jahrhunderts" dokumentiert mit der Werkstatt rund 15 Handwerksberufe, die ein Armbruster damals beherrschen musste.
Lage der historischen Armbrustwerkstatt
Die Werkstatt bedindet sich ab Frühling 2009 neu im Gebäude der alten Seidenfabrik an der Seestrasse in Gersau (vorher in Vitznau).
Führungen und Preise
Unter fachmännischer Anleitung können Sie sich auch im Armbrustschiessen versuchen
Wilhelm Tell Aufführung 1934 und 1939 im Zürcher Schauspielhaus
Wilhelm Tell / Aufführung 1934
Text aus "Sein oder Nichtsein" von Curt Riess
...Theo Otto, der Bühnenbildner, konstruierte eine felsige Rampe, wechselte die auf den Hintergrund projizierten Landschaftsbilder, setzte noch einige "echte" Bäume hin. Aber glücklich war er über diese Lösung selbst nicht - und die Zuschauer waren es noch weniger. Wie? Die Märchenwelt Raimunds hatte Otto hinzuzaubern vermocht, und die Landschaft der Schweiz, die ihm doch täglich vor Augen stand, vermochte er nicht wiederzugeben? fragten die Kritiker nachher erstaunt.
Dabei lag doch auf der Hand, warum der Bühnenbildner des "Tell" es in der Schweiz immer besonders schwer haben wird. Ganz einfach weil er mit der Wirklichkeit in Konkurrenz treten muss; weil die Zuschauer eben erst vor dem Betreten des Theaters in der Kulisse gestanden und gelebt haben, die er ihnen nun auf ein paar Quadratmetern Bretterboden wiedergeben soll. Weil sie das in jedem Sinne grosse Vorbild zu gut kennen, um über das Abbild nicht enttäuscht zu sein. Und die Schauspieler: Es ist ihre Aufgabe, einen Text zu lernen, den das Publikum von frühester Jugend Vers für Vers kennt. Sie spielen nicht vor einem Theaterpublikum, sondern vor einem Kollegium von Examinatoren, wenn sie den "Tell" spielen. Wer von den Zuschauern merkte schon, wenn die Schauspieler in anderen Stücken textunsicher waren und "hingen"? Beim "Tell" wussten es alle, und die "Neue Zürcher Zeitung" war noch gnädig, wenn sie leise mahnend von den "Gedächtnislücken" einzelner Darsteller sprach.
Ach, es ging alles schief bei dieser "Tell"-Premiere vom 22. September 1934, was überhaupt schief gehen konnte. Tell erklärte zwar vorschriftsmässig, die Axt im Hause erspare den Zimmermann, aber als er sie aus der Hand legte, fiel das von ihm reparierte Tor ein, begleitet von der nicht von Schiller vorgesehenen Bemerkung Bassermanns: "Verflucht, das Zeug hält nicht!" Der Apfel, den Tell treffen sollte, war verlegt worden und wurde erst im allerletzten Augenblick, als er auf des Kindes Haupt gelegt werden musste, von dem bereits hysterischen Inspizienten gefunden. Ebenfalls verlegt war der Pfeil, mit dem Tell Gessler erschiessen sollte. Während Tell seinen berühmten Monolog sprach, wurde der Pfeil noch verzweifelt vom Requisiteur, von den Bühnenarbeitern und dem Inspizienten gesucht und erst in allerletzter Sekunde aufgestöbert. Gustav Hartung wusste nicht so recht, was er mit diesem Stück, das ihm nicht lag, anfangen sollte. Er machte "realistisches Bauerndrama von verhaltener Kraft", wie die Kritik zugab, die aber "unmögliche Zwangsgruppierungen" auszusetzen hatte. Die Schauspieler hatten ihren Text in der Eile nicht gut memorieren können, sie hatten viel zu wenig Zeit, das sollte in den folgenden Jahren überhaupt ein ständiges Problem im Schauspielhaus sein. Aber späterhin standen sie nicht unter so strenger Kontrolle wie hier. Gretlers Stauffacher war den meisten zu gedämpft, Ginsbergs Baumgarten "keuchte" zu laut, den Tellknaben spielte, wie in guten alten Zeiten, eine Schauspielerin. Noch einmal die "Neue Zürcher Zeitung": "Gusti Huber zog sich als Walter Tell (!) geschickt aus der Sache, doch musste man sich wirklich fragen, ob es heute keinen frohmütig-echten Theaterbuben mehr gibt." Steckel als Gessler schliesslich gefiel ganz und gar nicht. Er wirkte nicht wie ein deutscher Ritter, sondern wie ein exotischer Diktator. Ein Kritiker ging so weit, des Schauspielers "Blässe" zu monieren. Steckel war in der Tat sehr blass, ja geradezu gelb. Er litt unter einem furchtbaren Gallenanfall und musste sogleich nach seiner Ermordung in eine Klinik eingeliefert werden.
Und Bassermannn: In Berlin hatte er Hodlers Tell zum Masken-Vorbild genommen. Diesmal klebte er sich einen schmalen, roten Bart, fast bis unter die Augen, schnürte den langenschlanken Leib in ein enganliegendes Kostüm, das ihn geradezu mager erscheinen liess. Er sah aus, das war die einmütige Ansicht aller, wie Rübezahl, nicht wie Wilhelm Tell. Jedenfalls nicht so, wie die Schweizer sich ihren Tell vorstellten. Er sprach auch nicht so. Er redete, wie ihm sein Mannheimer Schnabel gewachsen war. Er gab sich nicht heldisch.
Nein, so wollten die Schweizer ihren Tell nicht sehen! Und so kam es zu einem regelrechten Durchfall. Die Zeitungen hielten mit ihrer Ansicht über den grossen Bassermann, den sie sonst verehrten, in dieser Rolle nicht zurück. Im Theater war man betroffen. Alle liebten den grossen alten Mann, die Kollegen, die Bühnenarbeiter, die Beleuchter, die Garderobiers und Friseure. Und als die nächste Vorstellung kam, sorgten sie sich, wie Bassermann die Schlappe wohl hingenommen habe. Flüsternd unterhielten sie sich darüber, als sie ihn kommen hörten. Dabei trällerte er ein Liedchen, wie das seine Gewohnheit war.
Einer nach dem anderen verschwand, um ihm jede Peinlichkeit zu ersparen. Immer noch singend, ging er in seine Garderobe, um sich umzuziehen - er liess sich nie dabei helfen, und das war einer der vielen Gründe für "Prüfi", ihn für einen wirklich genialen Schauspieler zu halten.
Schliesslich musste ihm die unheimliche Stille in den Gängen und den umliegenden Garderoben aufgefallen sein, denn er trat hinaus, erblickte einige gerade auf den Zehenspitzen vorbeischleichende Kollegen, hatte das Gefühl, er müsse sie trösten, und rief, einem von ihnen auf die Schulter klopfend: "Ja, ja, Kinder, der Tell ist eben nichts für die Schweizer..."
Wilhelm Tell / Aufführung 1939
Text aus "Sein oder Nichtsein" von Curt Riess
.... Und so musste, am 26. Januar 1939, der "Tell" kommen. Welches Drama passte besser in die Zeit als dieses klassische Schauspiel des Kampfes eines Volkes gegen die Tyrannei; dieses Schauspiel mit den ewig tröstlichen Worten für die Unterdrückten:
"Eine Grenze hat Tyrannenmacht,
wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,
wenn unerträglich wird die Last - greift er
hinauf getrosten Mutes in den Himmel
und holt herunter seine ew'gen Rechte,
die droben hangen unveräusserlich
und unzerbrechlich, wie die Sterne selbst."
Musste der "Tell" wirklich aufgeführt werde? Wir erinnern uns: noch vor ein paar Jahren war er in eben diesem Theater durchgefallen - mit Albert Bassermann, dem grössten Schauspieler deutscher Zunge, in der Titelrolle. Und Bassermann hatte resigniert-fröhlich kommentiert: "Der Tell ist eben nichts für die Schweizer..."
Diesmal stand Gretler zur Verfügung. Er hatte die Rolle schon auf mancher Schweizer Bühne gespielt und war von der Kritik erbarmungslos zerfetzt worden. Immerhin, Gretler hatte in der Zwischenzeit hinzugelernt und es ist vielleicht nicht ganz unangebracht, wenn man sagt, dass ein Gleiches von der zünftigen Kritik behauptet werden konnte.
Ein Kritiker jedenfalls schrieb von Gretler: "Soll man nicht lieber die Feder weglegen? Man kann ihn nur mit Stammeln schildern. Oder ist es schon je einem Dichter gelungen, das Wesen eines zarten Maiwindes, die tiefe Stille eines Waldes, die Gewalt einer Lawine oder eines Bergsturzes in Worte zu fassen? Die vielen, millionenfach beaufsatzten weisen Sentenzen, die ihm Schiller in den Mund legt, sind aus diesem Menschen nicht betonte Weisheitsschlüsse langer Überlegung, die seine persönliche Intelligenz beweisen sollen, sie sich für ihn Selbstverständlichkeiten des natürlichen Instinktes. Gretlers Tell ist ein Parsifal, der reine Tor, das kraftstrotzende Naturkind, der unmittelbare Sohn der Berge, rein und gewaltig, blumenduftig und nackt wie der Fels."
Nun, so war es nicht. Vielleicht kommt man eher an die Wahrheit heran, wenn man sagt, dass Gretler ein so vorzüglicher Schauspieler geworden war, dass er en Schauspieler vergessen liess. Er tat das, was man später, aus Amerika importiert, unterspielen nannte. Er schrie nicht, er deklamierte nicht, er agierte nicht, er war da. Er war ein gelassener, argloser, fast dumpfer Tell, kein Held, eher ein Bauer, ein Bürger. Ihm gegenüber stand Langhoffs Gessler - schon der Einfall Wälterlin, den Heldenspieler einen Bösewicht darstellen zu lassen, war ausserordentlich. Und dieser Gessler war kein Bösewicht, kein zähnefletschender Schurke, sondern ein Herr, elegant, beherrscht, eisig, zynisch; so wie der KZ-Sträfling Langhoff die grossen Herren von der SS kennengelernt haben mag.
Aber das Entscheidende der Aufführung und was ihren Erfolg ausmachte: es waren nicht die Hauptdarsteller, sondern es war das Volk, das ja eigentlich die Hauptperson des Dramas ist, und das mit vielerlei Stimmen in der Rütliszene zu Worte kommt. Hier war auf einmal alles von einer geradezu atemberaubenden Aktualität. Hundertmal, tausendmal hatte man diese Worte gehört, in der Schule, als Zitat, sie waren einem längst zum Halse herausgewachsen. Und nun schienen sie, nein, waren sie wie aus dem Augenblick geboren, geformt aus der Not der Stunde - der Not der Schillerschen Figuren? Der Not der Akteure, die sie verkörperten? Der Not der Zuschauer, die diese Worte verschlangen, als hätten sie sie nie vorher vernommen?
Auf der Bühne standen sie, von denen die Zuschauer wussten, dass sie längst tot waren, und sprachen Sätze, und die Zuschauer fühlten, nein, wussten, das geht uns an, uns heute und jetzt, das müssten wir ja sagen! Denn was den Vorfahren einst geschehen war, konnte ihnen selbst das nicht morgen wiederum geschehen? Aufatmend vernahmen sie: 'Die schnellen Herrscher sind's, die kurz regieren.' Aber genügte es, sich darauf zu verlassen? Mussten nicht sie, die Zuschauer und ihre Brüder überall in der Schweiz, etwas tun, etwas unternehmen, um dem Spuk der Diktatoren ein Ende zu bereiten? Und die oben auf der Bühne? Schauspieler und doch nicht nur Schauspieler, die sich da zusammenschlossen: 'Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern...' Was fühlten sie, die hier standen und Männer zu spielen hatten, die ihr Vaterland verteidigen wollten, wo sie selbst ihr eigenes Vaterland doch längst verloren hatten? Und hinter ihnen die Statisten, die den Schwur mitsprachen - wer waren sie denn? Keine Schweizer jedenfalls. Die jungen Eidgenossen, die in Frage gekommen wären, machten Militärdienst, und überdies: die paar Fränkli, die für die Statisten heraussprangen, waren für sie uninteressant. Nein, die Schweizer Bürger und Bauern, die den Rütlischwur schworen, das waren Emigranten, von allem ausländische Studenten, denen die Hitler, Mussolini, Horthy den Weg in die Heimat versperrt hatten.
Es war, nehmt alles nur in allem, eine gespenstische Szene. Der jüdisch geborene Ginsberg als Schweizer Pastor Rösselmann, den Schwur vorsprechend, wandte sich um und sah nur Juden, Emigranten, Entwurzelte, Vertriebene, die den Schwurfinger hoben und gelobten, die Schweiz bis zum letzten Atemzug zu verteidigen. Und unten sassen die Schweizer und sahen zu.
Nein, sie sahen nicht nur zu. Kaum war der Vorhang gefallen, da sprangen sie auf und stimmten die Nationalhymne an. Dergleichen war noch nie in einem Theater vorgekommen. Und schon gar nicht in einem Schweizer Theater mit seinem, man muss wohl sagen, notorisch zurückhaltenden Publikum.
Es versteht sich, dass die gesamte Presse darüber berichtete. Aber auch die Presse des Auslands. So schloss zum Beispiel in Schweden "Svenska Dagbladet" - die "Times des Nordens" - eine aussenpolitische Übersicht mit folgenden Worten ab: "Mitglieder des Bundesrates haben in Rundfunkreden eingeschärft, dass sich die Schweiz bis zum letzten Blutstropfen zu wehren beabsichtige, und dass keiner ihrer führenden Männer nach fremden Hauptstädten zu wallfahren gedenke. Die Schweiz rüstet auch aus allen Kräften und hat im Laufe der Krisenjahre insgesamt eine Milliarde Franken für die Landesverteidigung veranschlagt. Der Bundesrat hat auch unlängst die Ladung der Minen für Brücken und Strassen an der Grenze und die Verstärkung der Grenzbewachung angeordnet. Von der 'Hochspannung des Ernstes', die im Schweizer Volk herrscht und dessen hoher moralischer Bereitschaft zeugt eine Episode, die sich dieser Tage im Schauspielhaus in Zürich abspielte. Man gab da Schillers "Wilhelm Tell" und nach der unsterblichen Rütliszene mit den Worten 'Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not und trennen und Gefahr...', erhob sich das Publikum spontan im Zuschauerraum und sang die Nationalhymne: 'Rufst du, mein Vaterland...' "
Aber schon wenige Tage nach der Premiere des Tell erschien in der Thurgauer Zeitung folgende Notiz: "Haben wir das nötig?"
"Die Nachricht aus dem Zürcher Schauspielhaus, dass die Zuschauer sich bei der ersten Aufführung des neueinstudierten 'Wilhelm Tell' nach der Rütlischwurszene spontan von den Sitzen erhoben hätten, um die Nationalhymne anzustimmen, hat die Runde durch die Tageszeitungen gemacht. Gefreut hat sich mancher darüber, dass die nüchternen, trockenen Schweizer, die viel eher ihre Rührung oder Ergriffenheit hinter einem verlegenen Räuspern oder einem derben Schimpfwort verstecken, als dass sie sie der Öffentlichkeit zeigen, endlich einmal aus sich herausgegangen sind. Alle Kritiker waren darin einig, dass der Moment, als die Vaterlandshymne erklang, ausserordentlich feierlich, ja erhebend gewesen sei. Wer nicht dabei war, freute sich über das Ereignis. Inzwischen mussten wir leider vernehmen, dass der 'spontane Ausbruch des Patriotismus' organisiert war. An Stundenten, die gut singen, waren Freiplätze verteilt worden, mit dem Wunsche, im gegebenen Augenblick ihren patriotischen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Die Regie klappte, die beauftragten 'Begeisterten' erhoben sich im richtigen Moment von ihren Sitzen, stimmten die Vaterlandshymne an und rissen das Haus mit. Wir fragen uns nun, haben wir Schweizer das nötig? Müssen wir mit solchen Mätzchen, die wir doch gerne den Leuten jenseits der Grenze bei jeder Gelegenheit vorwerfen, unsere Vaterlandsliebe beweisen? Wenn der Schweizer nun einmal nüchtern ist, wenn er von sich aus nicht auf die Idee kommt, nach der Rütliszene im Theater aufzustehen und 'Rufst du, mein Vaterland' zu singen, dann soll man ihm auch nicht mit künstliche und unwürdigen Mitteln etwas aufzwingen, das eigentlich nicht zu ihm gehört. Lieber ein etwas weniger erhebender und feierlicher Augenblick dafür aber echt und schweizerisch. Das andere, das haben wir wirklich nicht nötig!"
Die gesamte Schweizer Presse griff diese 'Enthüllung' auf. Das Schauspielhaus antwortete prompt: "Wir müssen dieser Auffassung ganz entschieden entgegentreten und geben Ihnen hiermit den richtigen Sachverhalt bekannt. Der Vorverkauf für die Premiere war ausserordentlich schwach. Wir glaubten aber, nicht nur unserem Theater, sondern auch der Öffentlichkeit einen Dienst zu tun, wenn die Tell-Premiere vor einem vollen Haus vonstatten ging. Zu diesem Zweck haben wir uns entschlossen, etwa 50 Karten an Studenten abzugeben. ZWei dieser Herren haben dann, so weit uns dies bekannt ist, in ihren Kreisen darauf hingewirkt, dass in der Rütli-Szene die Nationalhymne gesungen würde, sofern die allgemeine Stimmung im Hause dies ermögliche. Wir geben nun zu, dass das Gerücht von dem Plan auch zu uns gedrungen war, während Herr Direktor Wälterlin in keiner Weise darüber orientiert war."
In Wahrheit, und heute darf wohl die Wahrheit getrost gesagt werden, war es so, dass ein Mann der Leitung des Schauspielhauses vor der Premiere recht nervös geworden war. Schlechter Vorverkauf ... Erinnerung an den letzten Durchfall des "Tell". Kenntnis der Mentalität seiner Landsleute, die sich nur schwer und ungern hinreissen lassen ... sollte man nicht ein wenig nachhelfen?
Ein paar Worte mit ausländischen Studenten, vor allem ungarischen. Wie wär's, wenn der Augenblick des Rütlischwurs...? Die Studenten sagen zu allem ja. Aber als es dann so weit war, blieb ihnen der Ton in der Kehle stecken. Erst als der Vorhang fiel, ermannten sich zwei oder drei Besucher, die Nationalhymne zu singen. Sie sassen irgendwo, sie gehörten nicht zu den 'bestellten' Studenten, und die Wahrscheinlichkeit, dass es Schweizer waren, ist überragend. Und kaum hatten sie begonnen - das ist das Entscheidende - , da erhoben sich die übrigen Zuschauer wie ein Mann - und mit denen war nun auch nicht verabredet worden - und sangen aus Leibeskräften ihre, ihre, ihre Hymne der Freiheit.
Trotzdem: das Gerücht von dem "manipulieren Enthusiasmus" zog weite Kreise. In der Fasnachtszeitung der Basler Nationalzeitung war folgende witzige Annonce zu finden: "Sonntag Abend Gastspiel des Schauspielhauses Zürich
WILHELM TELL
Die Freibillett-Singstundenten wirken wieder mit und garantieren für das rechtzeitige Einsetzen der Landeshymne."
Und hier noch Plakate von Tell-Verfilmungen:
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Wilhelm bin ich der Telle,
von Helden Muot und Bluot.
Mit mjinem Gschoss gar schnelle
Han ich die Freiheit guot
Dem Vaterland erworben,
vertriben Tyranny.
Ein festen Bund geschworen
Hand unser Gsellen dry.
Ludwig Uhland
Tells Tod
Grün wird die Alpe werden, stürzt die Lawin' einmal;
Zu Berge ziehn die Herden, fuhr erst der Schnee zu Tal.
Euch stellt, ihr Alpensöhne, mit jedem neuen Jahr
Des Eises Bruch vom Föhne der Kampf von Freiheit dar.
Da braust der wilde Schächen hervor aus seiner Schlucht,
Und Fels und Tanne brechen von seiner jähen Flucht.
Er hat den Steg begraben, der ob der Stäube hing,
Hat weggespült den Knaben, der auf dem Stege ging.
Und eben schritt ein andrer zur Brücke, da sie brach;
Nicht stutzt der greise Wandrer, wirft sich dem Knaben nach,
Fasst ihn mit Adlerschnelle, trägt ihn zum sichern Ort.
Das Kind entspringt der Welle; den Alten reisst sie fort.
Doch als nun ausgestossen die Flut den toten Laib,
Da stehn um ihn, ergossen in Jammer, Mann und Weib.
Als kracht in seinem Grunde des Rotstocks Felsgestell,
Erschallt's aus einem Munde: "Der Tell ist tot, der Tell!"
Wär' ich ein Sohn der Berge, ein Hirt am ew'gen Schnee,
Wär' ich ein kecker Ferge auf Uri's grünem See,
Und trät' in meinem Harme zum Tell, wo er verschied,
Des Toten Haupt im Arme, spräch' ich mein Klagelied:
"Da liegst du, eine Leiche, der aller Leben war;
Dir trieft noch um das bleiche Gesicht dein greises Haar.
Hier steht, den du gerettet, ein Kind, wie Milch und Blut;
Das Land, das du entkettet, steht rings in Alpenglut.
Die Kraft derselben Liebe, die du dem Knaben trugst,
Ward einst in dir zum Triebe, dass du den Zwingherrn schlugst.
Nie schlummernd, nie erschrocken, war Retten stets dein Brauch,
Wie in den braunen Locken, so in den grauen auch.
Wärst du noch jung gewesen, als du den Knaben fingst,
Und wärst du dann genesen, wie du nun untergingst,
Wir hätten draus geschlossen auf künft'ger Taten Ruhm;
Doch schön ist nach dem grossen, das schlichte Heldentum.
Dir hat dein Ohr geklungen vom Lob, das man dir bot;
Doch ist zu ihm gedrungen ein schwacher Ruf der Not.
Der ist ein Held der Freien, der, wann der Sieg ihn kränzt,
Noch glüht, sich dem zu weihen, was frommet und nicht glänzt.
Gesund bist du gekommen vom Werk des Zorns zurück;
Im hilfereichen, frommen, verliess dich erst dein Glück.
Der Himmel hat dein Leben nicht für ein Volk begehrt;
Für dieses Kind gegeben, war ihm dein Opfer wert.
Wo du den Vogt getroffen mit deinem sichern Stahl
Dort steht ein Bethaus offen, dem Strafgericht ein Mal!
Doch hier, wo du gestorben, dem Kind ein Heil zu sein,
Hast du dir nur erworben ein schmucklos Kreuz von Stein.
Weithin wird Lob gesungen, wie du dein Land befreit;
Von grosser Dichter Zungen vernimmt's noch späte Zeit;
Doch steigt am Schächen nieder ein Hirt im Abendrot,
Dann hallt im Felstal wieder das Lied von deinem Tod.
Si hei der Wilhelm Täll ufgfüehrt
Si hei der Wilhelm Täll ufgfüehrt im Löie z'Nottiswil
Da bruchts viel Volk, gwüss z'halbe Dorf, hett mitgmacht i däm Schpil,
Die andri Helfti isch im Saal gsy, bim'ne grosse Bier,
Als Publikum, het zuegluegt und isch gschpannt gsy, was passier.
Am Aafang isch es schön gsy, do het als Schtouffacherin,
D'Frou Pfarrer mit dem Schnyder gret, i Wort vo tiefem Sinn,
Und als isch grüert gsy, sy het dasmal nid gseit, s'Chleid sig z'tüür,
Und är het guet ufpasst das är der Fade nid verlüür.
Uf zmal, churz vor em Öpfelschuss, der Lehrer chunnt als Täll,
Sy Sohn, dä frogt'ne dis und äis, do rüeft dert eine schnäll,
Wo un'drem Huet als wach isch gschtande, so dass es jede ghört,
Wiso fragt dä so dumm, het dä ir Schuel de nüt rächts gleert.
E Fründ vom Täll, e Maa us Altdorf, zwickt em eis uf ds Muul,
Und dise wo der Huet bewacht, git ume, gar nid fuul,
Und schtoost ihm mit syr Helebarde eine z'mitts i Buuch,
Da chunnt scho s'Volk vo Uri z'schpringe, Donner jetzt geits ruuch.
Die einte, die vo Öschterrich, die näh für d'Wach Partei,
Die andre, die vo Altdorf, für ä Täll, ei Schlegerei,
Mit Helebarde, Kartonschwärt, Kulisse, schlöh sy dry,
Der Täll ligt und'rem Gessler scho, da mischt der Saal sech y.
Jetz chöme Gleser z'flüge, jede schtillt sy gheimi Wuet,
Es chrose Disch u Bänk und's Bier vermischt sech mit em Bluet.
Der Wirt rouft sech sys Haar, d'Frou schinet broch'ni Glider y,
Zwo Schtund lang het das duuret, do isch Öschtrich gschlage gsy.
Si hei der Wilhelm Täll ufgfüehrt im Löie z'Nottiswil
Und gwüss no niene i naturalistischerem Styl,
D'Versicherig het zahlt - hingäge eis weiss ig sithär,
Sy würde d'Freiheit gwinne, wenn sy däwäg z'gwinne wär,
Sy würde d'Freiheit gwinne, wenn sy däwäg z'gwinne wär.
Mani Matter
Wer ist an alten Stichen mit der Tellskapelle interessiert? Eduard Finks Adresse ist eine Fundgrube
Stiche mit TellskapellePorzellanfabrik Langenthal, Schweiz
"Der Rütlischwur"
Es ist das erste Motiv in der Jubiläumsserie "700 Jahre Schweiz" für die das TELL-Museum in Bürglen/UR die Schirmherrschaft übernommen hat.
Der Konservator Rolf Heusi schreibt:
DAs TELL-Museum, am 3. Juli 1966 eröffnet, zeigt die umfassendste Sammlung von geschichtlichen Dokumenten und beeindruckenden Kunstwerden über unseren Nationalhelden Wilhelm Tell. Mit der hervorragend gestalteten Jubiläums-Serie wird die lange Reihe von Werken fortgesetzt, welche die Erinnerung an den Ursprung der Schweiz und Wilhelm Tell als Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit wachhalten.
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1760 Kritisches Buch über Wilhelm Tell in Uri verbrannt
Anonym veröffentlicht der Berner Uriel Freudenberger die Schrift "Der Wilhelm Tell. Ein dänisches Mährgen". Er vertritt darin die These, dass die Sage um Wilhelm Tell nichts spezifisch schweizerisches ist, sondern dass das Motiv des Kampfes eines einzelnen gegen den Tyrannen auch in anderen Kulturen auftaucht.
Das Buch erregt grosses Aufsehen und erntet natürlich auch scharfe Kritik. Die Schrift wird verboten und in Uri durch einen Scharfrichter verbrannt. Die Person des Wilhelm Tell hat schon vielfach die Gemüter beschäftigt.
Ulrich Zwingli erklärte 1525, Tell sei ein "gottkräftig held und erster anheber eidgenössischer fryheit..." gewesen
Auch politisch wurde die Tell-Figur ausgenützt: Beim Bauernaufstand von 1653 verkleideten sich drei Bauern aus dem Entlebuch als Tellen, um an die Tradition des Tyrannenmörders anzuknüpfen.
Tell-Motiv in der Literatur
Um 1200: Ein dänischer Geistlicher namens Saxo verfasst die Sage vom Schützen Toko und dem dänischen König Harald Blauzahn
Um 1470: Das "Weisse Buch" von Sarnen des Obwaldners Hans Schriber gibt die erste Beschreibung von Wilhelm Tell
Vor 1474: Das "Tellenlied" nennt Tell den ersten Eidgenossen
1511: Im "Urner Tellenspiel" wird Tell als einer der drei Bundesgründer bezeichnet.
Quelle: Chronik der Schweiz / ex libris / Chronik Verlag
Dass Friedrich von SCHILLER ein DRAMA mit dem Namen WILHELM TELL geschrieben hat, weiss wahrscheinlich jedes Kind. Zusammenfassung und Schlüsselzitate auf der Homepage
Dass Gioachino ROSSINI in seiner Oper GUGLIELMO TELL in vier Akten den Urnersee im Föhnsturm verewigt hat, erfährt man eindrücklich bei Dampferfahrten, man bekommt nämlich den akustischen Sturm auszugsweise zu hören. Genaueres darüber zu lesen bei
LA SCALA COLLECTION
OPUS ARTE 2004 / TEATRO ALLA sCALA
Guglielmo Tell
Gioacchino Rossini ( 1792-1868)
Riccardo Muti conducts a fine cast led by Giorgio Zancanaro in the title of Rossini's towering and opulent last opera with the Corps de Ballet, Orchestra and Chorus of Teatro alla Scala. Unlocked from the archives of RAI television, this is a classic recording from one of the world's great opera houses.
Guglielmo Tell : Giorgio Zancanaro
Arnoldo: Chris Merritt
Gualtiero Farst: Giorgio Surjan
Melchthal: Franco De Grandis
Jemmy: Amelia Felle
Edwige: Ludicana D'Intino
Ruodi: Vittorio Terranova
Leutoldo: Alberto Noli
Gessler: Luigi Roni
Matilde: Cheryl Studer
Rudolfo: Ernesto Gavazzi
Conductor: Riccardo Muti
Sung in Italian with English subtitles
Quellentext aus Encarta: Die Handlung in der Oper
Das Teatro alla Scala in Mailand ist eines der berühmtesten Opernhäuser der Welt. Seit der Gründung im Jahr 1778 fanden hier zahlreiche Uraufführungen statt. Jedes Jahr lassen sich Tausende von Besuchern von den Darbietungen begeistern. Um dem Geschehen auf der Bühne folgen zu können, ist es hilfreich, die Handlung einer Oper vorab zu kennen. Der folgende Text fasst den Inhalt der Oper Wilhelm Tell (Guglielmo Tell) von Gioacchino Rossini zusammen.
Die älteste literarische Quelle der Legende des Nationalhelden Wilhelm Tell ist das Chronicum Helveticum des Aegidius Tschudi, entstanden in den Jahren zwischen 1550 und 1570. Die Taten des Helden gehören in die historische Epoche nach dem Tod Rudolfs I. von Habsburg (1291) bis zur Schlacht von Morgarten (1315), in der die schweizerischen Verbündeten die kaiserlichen Truppen besiegten.
Am Ende des 13. Jahrhunderts kommt die Einheit des germanischen Imperiums ins Wanken. Der Freiheitsdrang der unterworfenen Länder regt sich, besonders in einigen Kantonen der Schweiz, die sich in einem Bund zusammenschlossen gegen Albert von Habsburg, Sohn und Nachfolger Rudolfs.
Albert erwies sich als guter Organisator; er verstärkte die Macht über seine Besitztümer mit Hilfe der "Reichsvogte", Regierungsbeamte, die u.a. auch eventuelle Aufstände niederzuschlagen hatten.
In diesem politischen Klima kommt es zum "Schwur der drei Kantone", zu Füssen des Rütli-Massivs, Ursprung der Confoederatio Elvetica. Als Jahr gibt Tschudi 1308 an; in Wahrheit (wie man heute anhand des wiedergefundenen Originals weiss) wurde der Pakt am 1. August 1291 geschlossen, kaum 14 Tage nach dem plötzlichen Tod Rudolfs von Habsburg. Man setzte anscheinend wenig Vertrauen in seine Erben und hatte Eile mit Schutzmassnahmen. Was die "drei Schweizer", die von dem skrupellosen Reichsvogt Gessler bedrängt werden, betrifft, kennen wir ihre Namen: Werner Stauffacher aus Schwyz, Arnold von Melchthal aus Unterwalden (der Tenor in Rossinis Oper) und Walter Fürst aus Uri. Wilhelm Tell gehört - entgegen der mündlichen Überlieferung - nicht zu den Verschwörern. Er gehört nur insofern zu ihnen, als Tschudi ihn zum Schwiegersohn Walter Fürsts werden lässt. In das historische Geschehen mischt sich das Schicksal des Helden. Die Episode des Apfels und der Mord Gesslers machen ihn zur Symbolfigur des Freiheitswillens des schweizerischen Volks.
ERSTER AKT
Das Dorf Burglen im Kanton Uri.
Das Volk ist in Feststimmung: Man windet Girlanden, der Fischer singt ein Lied. Nur Wilhelm Tell steht abseits und überdenkt seine Pläne der Rebellion gegen die Unterdrücker. Seine Frau Hedwig und der Sohn Jemmy gehen ihren gewohnten Arbeiten nach. Melchthal, der drei Bauernpaare trauen soll, erscheint. Er freut sich über die Gesänge und fordert den Sohn Arnold auf, auch er solle endlich an die Ehe denken.
Arnold denkt über die Worte des Vaters nach. Er liebt Mathilde, die Habsburger-Prinzessin, die er vor einer Lawine gerettet hat, aber er liebt auch sein Vaterland.
Tell spürt den Konflikt, in dem sich Arnold befindet und fordert ihn zum Kampf gegen den Unterdrücker auf.
Die Hochzeitsfeier geht weiter. Melchthal segnet die Brautpaare. In der Ferne hört man Jagdhörner: Gessler und seine Leute sind jemandem auf der Spur. Das Fest endet jäh mit dem Nahen Leutholds. Er hat ein blutiges Beil in der Hand und bittet um Beistand. Ein Soldat hat seiner Tochter Gewalt angetan, und er hat ihn erschlagen. Nun machen die Österreicher Jagd auf ihn.
Der Fischer weigert sich, ihn auf dem anderen Ufer in Sicherheit zu bringen. So bringt Tell ihn über den Fluss und entzieht ihn so der Rache der Soldaten, die - angeführt von Rudolf - drohen, das Dorf in Brand zu setzen. Melchthal wird als Geisel mitgenommen.
ZWEITER AKT
Die Höhen des Rütli. In der Ferne sieht man den Vierwaldstättersee. Nacht. Die Jäger kehren ins Dorf zurück. Von weitem hört man den Gesang der Hirten.
Mathilde erscheint. Sie hofft, Arnold wiederzusehen, der auch wirklich erscheint.
Nach einer kurzen Szene der Zärtlichkeit fordert Mathilde Arnold auf, in Gesslers Dienst zu treten. Nur so könnten sie heiraten ohne grosse Schwierigkeiten. Tell und Walter nahen, Mathilde entflieht.
Arnold gesteht seine Liebe zu Mathilde und hält zu ihr, auch nach den Vorwürfen Tells und Walters. Aber Gessler hat Melchthal ermorden lassen. Von dieser Nachricht überwältigt, schliesst sich auch Arnold dem Freiheitskampf an.
Inzwischen erscheinen in kleinen Gruppen die Bewohner der Dörfer der Kantone Unterwalden, Schwyz und Uri. Tell ist ihr geistiger Führer: Alle schwören feierlich, den Feind zu bekämpfen. Der Morgen graut.
DRITTR AKT
Erstes Bild: Innenraum einer zerfallenen Kapelle. Arnold enthüllt Mathilde seinen Entschluss, für das Vaterland zu kämpfen. Die beiden nehmen Abschied für immer. In der Ferne hört man Festklänge: Gessler gibt ein Fest in Altdorf.
Zweites Bild: Der Dorfplatz von Altdorf. In der Mitte des Platzes sind Waffen aufgebaut. Auf ihnen steckt Gesslers Hut. Das Fest ist im Gang: Gesslers Leute fordern den Unwillen des Volkes heraus, indem sie die Frauen zwingen, am Tanz teilzunehmen.
Tell und Jemmy weigern sich, den Waffen und dem Hut Ehrerbietung zu erweisen und werden vor Gessler gebracht.
Tell wird der Beihilfe zur Flucht von Leuthold angeklagt. Er kann gerade noch Jemmy beauftragen, auf dem Berg ein Feuer zu entzünden: das Signal zum Aufstand für die Verbündeten.
Jemmy wird von den Wachen aufgehalten: Wenn Tell sich selbst und seinen Sohn retten wolle, müsse er mit seinem Pfeil einen Apfel auf dem Kopf des Kindes treffen. Tell ist betroffen und zögert, aber Jemmy spornt ihn an, die Probe zu wagen. Tell segnet den Sohn, fordert ihn auf, sich nicht zu bewegen, zielt und trifft den Apfel. Das Volk jubelt. Tell wird vor Freude ohnmächtig, und aus dem Köcher fällt ein zweiter Pfeil, den er verborgen hatte.
Gessler verlangt eine Erklärung und Tell gesteht, dieser Pfeil hätte ihm gegolten, wenn er - Tell - das Ziel verfehlt hätte. Gessler lässt ihn verhaften und verurteilt beide Tells zum Tod.
Mathilde ist inzwischen mit ihrem Gefolge dazugekommen und beschliesst, Jemmy in ihren Schutz zu nehmen.
Vierter Akt Erstes Bild: Vor der Wohnung Melchthals. Im Haus des Vaters plant Arnold, dessen Tod zu rächen und Tell zu befreien. Mit Wehmut gedenkt er der glücklicheren Tage. Es kommen Leute aus dem Volk, die Tell befreien wollen. Arnold zeigt ihnen das Versteck der Waffen.
Zweites Bild: Nahe dem Vierwaldstättersee. Mathilde bringt Jemmy zu der Mutter zurück und bietet sich als Geisel für die Befreiung Tells an. Jemmy setzt Tells Haus in Brand und gibt so das Zeichen zum Aufstand. Hedwig und die Frauen beten für Tells Leben.
Leuthold kommt und berichtet, Gessler und den gefangenen Tell auf einem Boot gesehen zu haben. Über dem See tobt der Sturm. Es gelingt Tell, das Boot dem Ufer zu nähern und sich mit einem Sprung auf den Felsen in Sicherheit zu bringen. Das Schiff mit Gessler und den Soldaten schiebt er zurück in den tiefen See.
Gesslers Schiff sinkt, aber der Tyrann versucht, sich ans Ufer zu retten. Ein Pfeil Tells durchbohrt ihn. Langsam legt sich der Sturm.
Arnold, Walter und die bewaffneten Schweizer bringen die Nachricht, dass Altdorf erobert worden ist. Die Schweiz ist frei. Das Volk jubelt. Auch der Sturm legt sich ganz, und die Sonne strahlt über dem See.
Teatro alla Scala, Mailand
Dass der WILHELM TELL EXPRESS die attraktivsten Gegenden der Schweiz, zunächst an Bord eines Raddampfers oder Salon-Motorschiffes von Luzern bis Flüelen, natürlich an der TELLSPLATTE vorbei, dann mit dem Erstklass-Panoramawagen der SBB via Gotthard nach Bellinzona fährt, geniesst hoffentlich ein mancher Tourist.
Gestaunt habe ich, dass es ein Computerspiel gibt, das MACTELL-TELLSPIEL. Es sei historisch nicht ganz korrekt, man könne aber in die Rolle von Wilhelm Tell schlüpfen und den Apfelschuss üben, und gleichzeitig auch auf Schweizer Obst setzen:
Ebenso gestaunt habe ich beim Entdecken, dass in Amerika eine lang andauernde Fernsehserie mit Namen CROSSBOW, ADVENTURES OF WILLIAM TELL am TV ausgestrahlt wurde. Auf der Crossbow-Fanpage erfährt man alles Wissenswerte über die Serie und die Darsteller. Im Interview mit Mr. Will Lyman, dem amerikanischen William Tell vom 15. August 2004, liest man, dass die Episoden des Films in Les Baux in der Provence, in Palais des Papes, im Fort St. André und in Villeneuve les Avigons gedreht wurden, als Hauptdarsteller hätte er deswegen während der Dreharbeiten jahrelang in Südfrankreich gewohnt. In der Serie spielten nebst Wilhelm Tell und Gessler jede Menge Statisten als Fussvolk für wilde Schlachten, viele Ritter, Stuntmänner, die mit Waffen, Kampfszenen und wilden Pferderitten umgehen konnten. Natürlich erschien Will in der ersten Episode auf einem edlen Lipizzaner! Später wurde das Budget etwas verkleinert. In der Episode 70 machte Will Tell einen Rückblick über sein erlebnisreiches Leben, in den End-Episoden 71 und 72 trat er nicht mehr auf, aber der Bösewicht Gessler, der in seinem Verlies Zeit hatte, über seine vergangenen Untaten nachzudenken. Die Serie war nur in Amerika zu sehen, der Film nie auf DVD erhältlich.
Die Tellenspiele werden nicht nur von Schweizern aufgeführt. Die Homepage des Ortes New Glarus, Americas Little Switzerland, erklärt, Tausende von Besucher, darunter Hunderte Schweizer, fahren nach New Glarus um die gemütliche Kleinstadt-Atmosphäre zu geniessen. Der Ort sei stolz auf sein Schweizer Erbe, seine Häuser in Chalet-Stil, natürlich auch auf seine gut besuchten Festivals. Am 29. - 30. August 2008 kann man in New Glarus das WILHELM TELL FESTIVAL besuchen:
In Vancouver, Canada, kann man sich im RESTAURANT WILLIAM TELL (Seit 1964) auf schweizerische Art verwöhnen. Nicht vergessen, vorher reservieren! Und zum Abschluss erhält man für zusätzliche 10 Dollar ein Geschenkpaket mit einem bestickten William Tell-Tüchlein.
Ca ab März 2009 Wilhelm Tell als Blockbuster / News aus der neuen Suchmaschine WEBoFANT
Jetzt versucht sich auch Hollywood am sagenhaften "Tell"Stoff. 60 Millionen Dollar wird der Spass mit Kiera Chaplin und dem Arbeitstitel "The Adventures of William Tell" kosten.
Hinter dem Projekt stehen Urban Frye, der Direktor des TV-Festivals "Rose d'Or", und Hollywood-Produzent Fred Caruso, ohne den es unter anderem "Blue Velvet" oder "The Godfather" nicht gäbe. Schon mal gesetzt ist, dass die modelnde Chaplin-Enkelin Kiera Frau Willhelm Tell geben wird; als Regisseur ist Ian Quinn vorgesehen.
Eine grosse Rolle spielen wird auch die Zentralschweiz: "The Adventures of William Tell" wird nämlich an den Originalschauplätzen gefilmt, und zwar vom Schweizer Kameramann Ueli Steiger. Gedreht wird voraussichtlich ab März 2009. Bis dann wird auch ein "William Tell" gefunden sein. Ein Fall für Mike Müller?
Text: Stefan Gubser
William Tell / The legend
William Tell from Bürglen was known as an expert marksman with the crossbow. At the time, the Habsburg emperors were seeking to dominate Uri. Hermann Gessler, the newly appointed Austrian Vogt of Altdorf raised a pole in the village's central square with his hat on top and demanded that all the local townsfolk bow before it. As Tell passed by without bowing, he was arrested. He received the punishment of being forced to shoot an apple off the head of his son, Walter, or else both would be executed. Tell had been promised freedom if he shot the apple. Tell split the fruit with a single bolt from his crossbow, without mishap.
When Gessler queried him about the purpose of the second bolt in his quiver, Tell answered that if he had ended up killing his son in that trial, he would have turned the crossbow on Gessler himself. Gessler became enraged at that comment, and had Tell bound and brought to his ship to be taken to his castle at Küssnacht.
In a storm on Lake Uri, Tell managed to escape. On land, he went to Küssnacht, and when Gessler arrived, Tell shot him with the crossbow.
Tell's defiance of Gessler sparked a rebellion leading to the formation of the Swiss Confederation.
Tell fought in the Battle of Morgarten in 1315. He died in 1354 while trying to save a child from drowning in the Schächenbach, an alpine river in Uri.
There is a fresco from 1582 in a chapel in Bürglen showing this scene.
(Copied from "Wikipedia")
La légende Guillaume Tell
En 1231, Uri reçut la franchise impériale qui le mettait sous l'autorité immédiate de l'empereur. L'ouverture du col du Gotthard au début du 13e siècle donna à la région de l'actuelle Suisse centrale une grande importance politique et économique. Ducs de Habsbourg et empereur voulurent donc renforcer leur influence à Uri. Vers la fin du 13e siècle, des Habsbourg, baillis impériaux dans les cantons primitifs, opprimaient le peuple.
Le bailli Hermann Gessler voulut mettre à l'épreuve les gens d'Uri. Il fit ériger sur la grande place d'Altdorf un pillier recouvert d'un chapeau habsbourgeois et ordonna que tout un chacun se découvre en signe de respect en passant devant le chapeau.
Guillaume Tell et son fils Walter, de Bürglen, passèrent sans y prêter attention devant le chapeau. Tell fut durement puni: il dut, sur l'ordre du bailli, tirer à l'arbalète sur une pomme placée sur la tête de son porpre fils. Le coup réussit, et la flèche transperça la pomme seulement.
Gessler avait vu que Tell avait mis deux flèches dans son carquois et voulut savoir pourquoi. Tell lui répondit fièrement qu'il l'aurait tué lui, Gessler, avec la deuxième flèche, s'il avait atteint son fils en tirant sur la pomme avec la première.
Sur cette réponse hardie, Tell fut ligoté et emmené dans le bateau de Gessler à la forteresse de Küssnacht où il devait passer le reste de sa vie. A peine le bateau était-il parti qu'un vent violent se leva sur le lac, menaçant de faire chavirer le bateau. Gessler et sa suite, voyant le danger, libérèrent Tell, connu pour ses talents de pilote comme pour son habileté à l'arbalète. Tell n'avait qu'un but, atteindre le rocher d'Axen qu'il connaissait bien. Il pilota le bateau vers la rive, s'empara de son arbalète, sauta sur le rocher et repoussa de toutes ses forces dans le lac déchaîné le bateau du bailli.
Tell courut alors sur le chemin le plus court, le chemin creux "Hohle Gasse" vers Küssnacht, où il tua le bailli tyrannique avec la deuxième flèche, celle qu'il avait déjà cachée dans son carquois à Altdorf. Les exploits de Tell, rapidement connus dans tout le pays, contribuèrent à renforcer le mouvement pour la liberté et l'indépendance en Suisse centrale.
Leggenda da Guglielmo Tell
Secondo la leggenda Guglielmo Tell visse nel Canton Uri a ridosso del massiccio del San Gottardo. Tell, padre di famiglia, cacciatore, grazie alle sue eccellenti doti nell'uso della balestra, il 18 novembre del 1307 si recò nel capoluogo regionale, Altdorf. Mentre passava sulla pubblica piazza ignorò il cappello imperiale fatto issare in cima ad un'asta, alcuni mesi prima, dal balivo Gessler (l'amministratore locale degli Asburgo). Il cappello, simbolo dell'autorità imperiale, doveva assolutamente essere riverito da chiunque passasse. Chi non si inchinava rischiava la confisca dei beni o addirittura la morte.
Siccome Tell non riverì il cappello si ritrovò nei guai. Il giorno dopo venne citato in piazza; davanti a tutti dovette giustificare il suo agire. In cambio della vita, il balivo Gessler gli impose la prova della mela che, posta sulla testa del figlioletto Gualtierino, avrebbe dovuto essere centrata dalla freccia della sua balestra.
La prova riuscì a Tell ma, nel caso qualcosa fosse andato storto, Guglielmo nascose una seconda freccia sotto la giacca, pronta per il tiranno. Questo costò a Tell la libertà, egli venne arrestato e portato in barca verso la prigione.
Improvvisamente si scatenò una tempesta e i suoi carcerieri liberarono l'eccellente timoniere per farsi aiutare. Arrivati alla riva, Tell riuscì a scappare e, con una possente spinta, rimandò l'imbarcazione verso il largo.
Il terzo giorno, nascosto dietro ad un albero ai lati della "Via cava" che dal Gottardo conduce a Zurigo, Tell si vendicò uccidendo Gessler.
Secondo la tradizione, il primo agosto del 1308 avvenne così la liberazione della Svizzera originaria. Il popolo, venuto a conoscenza delle gesta di Tell, insorse assediando i castelli e cacciando per sempre i balivi dalle loro terre. Guglielmo Tell visse nel rispetto e nell'ammirazione delle genti, fino all'estate del 1354, quando, a causa di una tempesta, l'eroe elvetico sacrificò la sua vita per aiutare un bambino trascinato da un torrente in piena.
(Da Wikipedia)
Schillers Wilhelm Tell / Zitate / Redewendungen
Friedrich von Schiller:
Das klassische Drama Wilhelm Tell des deutschen Dichters Friedrich von Schiller (1759 - 1805) hat ein grosses Thema: Freiheit. Es wurde 1804 am Hoftheater in Weimar uraufgeführt und ist zweifellos die berühmteste literarische Bearbeitung der Sage vom Schweizer Nationalheld Wilhelm Tell.
Wenn ich Schillers Schauspiel Wilhelm Tell in dieser Literaturgeschichte der Schweiz anführe, dann soll damit keineswegs einer der grössten deutschen Dichter für die Schweiz vereinnahmt werden. Das Drama Wilhelm Tell wird aber, seines Themas wegen, von vielen Schweizer Bürgern gewissermassen als "Nationalepos" betrachtet und dürfte auch hierzulande häufiger aufgeführt werden als irgend ein anderes Schauspiel.
Die ausserordentliche Bekanntheit und Beliebtheit des Stücks lässt sich nicht zuletzt auch daran messen, wie viele Verse daraus zu stehenden Redewendungen geworden sind oder bis heute als Sprichwörter benützt werden.
Es lächelt der See, er ladet zum Bade.
Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt,
Das schwere Herz wird nicht durch Worte leicht.
Beim Schiffbruch hilft der einzelne sich leichter.
Ein jeder zählt nur sicher auf sich selbst.
Verbunden werden auch die Schwachen mächtig.
Der Starke ist am mächtigsten allein.
Was die dunkle Nacht gesponnen, soll frei und fröhlich an das Licht der Sonnen.
Früh übt sich, was ein Meister werden will.
Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.
Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten.
Durch diese hohle Gasse muss er kommen
Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.
Das ist Tells Geschoss.
Wer Tränen ernten will, muss Liebe säen.
Friedrich von Schiller: Das Drama Wilhelm Tell und seine Wirkung / Mehr darüber bei:
Wilhelm Tell Drama / Zusammenfassung und Schlüsselzitate Das Drama Wilhelm Tell und seine WirkungHÖRBUCH
Friedrich Schiller / Wilhelm Tell
gesprochen von
Hermann Gessler, Reichsvogt in Schwyz und Uri: Fritz Benscher
Werner, Freiherr von Attinghausen, Bannherr: Kurt Stieler
Ulrich von Rudenz, sein Neffe: Horst Reichel
Wilhelm Tell: Hanns Stein
Werner Stauffacher: Hans Cossy
Walter Fürst: Albert Hörrmann
Rösselmann, der Pfarrer: Ernst Schlott
Arnold von Melchtal: Alois Maria Giani
Konrad Baumgarten: Fritz Rasp
Gertrud, Stauffachers Gattin: Liane Kopf
Hedwig, Tells Gattin, Fürsts Tocher: Marianne Brandt
Herta von Bruneck, eine reiche Erbin: Marianne Kehlau
Armgard, Bäuerin: Ingeborg Hoffmann
u.v.a.
Regie: Hannes Küpper
2005 Universal Music GmbH, Berlin
Produktion des Bayerischen Rundfunks
gesamtaufnahme des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahre 1951
Gesamtspielzeit: 102:23
Auf dem Cover steht:
"Der Führer wünscht, dass Schillers Schauspiel Wilhelm Tell nicht mehr aufgeführt wird und in der Schule nicht mehr behandelt wird." So schrieb Martin Bohrmann am 3. Juni 1941 an Reichsminister Karl Lammers.
Kein Wunder, dass Hitler den "Tell" verbieten wollte: Gleich mehrere Attentäter hatten sich von ihm inspirieren lassen, und - wie im "Don Karlos" - spendete das Theaterpublikum auch in Schillers letztem abgeschlossenen Stück ausgerechnet in den widerständigsten Szenen immer wieder Sonderapplaus. Eine überraschende Kehrtwende dann in den 50er Jahren: Das Publikum war plötzlich übersättigt von den Schweizer Kitteln und den unzähligen geflügelten Worten; der "Tell" wurde zum meistparodierten Stück Schillers. Erst das Wendejahr 1989 brachte eine Renaissance. Die Mauern der Zwingburg Uri wurden auf der Bühne nach Berlin verlegt und - "die Axt im Haus erspart den Zimmermann" - alles war an seinem Platz: korrupte Politiker, Passkontrollen und "Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern".
Uwe Ebbinghaus
Auf der Webseite des Staatsarchivs in Basel, http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=388700, befindet sich das Bild des Hauses zum Tellsbrunnen in der Aeschenvorstadt:
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Quelle: Urner Wochenblatt Mittwoch, 16. Dezember 2009 / Vor 100 Jahren
Über das Ergebnis der Jagd pro 1909 werden die rund 400 Jäger unseres Kantons sehr verschiedener Meinung sein. Wohl der Grossteil wird finden, dass er die Patentgebühr kaum dürfte herausgeschossen haben, was nicht zu verwundern ist, wenn man weiss, wie vor und nach der Jagdzeit die Flinte auch vor Nicht-Jägern keine Ruhe hat. Auch der geheiligte Sonn- und Feiertag schreckt viele nicht ab, das Jagdgesetz zu übertreten. Der Beginn der Gemsjagd am Vorabend eines Feiertages ladet allerdings geradezu zur Sonntagsjagd ein. Wem am 7. September in der Gemsjagd das Glück nicht hold war und er im Stock gegen Abend noch ein Grattier erspäht, für den ists schlechterdings viel zu überwinden, die ihm winkende Beute zu verlassen und ins Tal zu steigen und seiner Christenpflicht zu genügen. Auch manchen Arbeiter, der nur den Sonntag frei hat, gelüstet es, als passionierter Jäger, in dieser verbotenen Zeit dem Jagdtriebe zu folgen und so hört man aus verschiedenen Gemeinden, wie die Sonntagsjagd, aus Mangel an guter Jagdpolizei, überhand nimmt.
Die Gemsjagd war besonders ergiebig in dem Gebiete des Bristen-Etzlitales und hat wohl unser Freund Jos. Mar. im Hinried die Palme der Urner Gemsjäger errungen. Sehr gut war dies Jahr die Hasenjagd, dank des schönen Vorfrühlings, der dem Gedeihen des ersten Wurfes günstig war, dank aber auch dem Rückgang der Füchse. Diese letztern wären allerdings besonders jetzt eine gute Beute, da für gute Bälge bis 20 Fr. pro Stück bezahlt werden. Unter dem Haarwild nimmt der Marder sehr stark überhand und wir finden dessen Spuren überall. Diesem grössten aller Schädlinge sollte mehr auf den Leib gerückt werden und ist der Fang besonders lohnend, gelten die Bälge doch 50-60 Fr., nebst dem kant. Schussgeld. Das Fallenstellen in abgelegenen Gebieten wäre sehr empfehlenswert.
Vom Waldgeflügel ist verhältnismässig viel Auerwild (Stelzhahn) erlegt worden; die vor einigen Jahren gehabte Furcht vor dessen Ausrottung ist grundlos. Dass das Weibchen laut eidg. Gesetz nicht erlegt werden darf, scheint nicht allgemein beachtet zu werden. Merkwürdig wenig werden Steinhühner oder Pernisen geschossen, da sie eben erst im Hochwinter sich mehr zeigen und jedenfalls vom Marder stark dezimiert werden.
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